Zeitungsartikel / Veröffentlichungen
Tag der offenen Ateliers

Herne 29.11.2011 - Die Künstlerzeche Unser Fritz lud sich wieder Besucher ins Haus. Sie guckten, fragten und kauften.
Wie jedes Jahr im Herbst hatte am Sonntag die Ateliergemeinschaft der Künstlerzeche Unser Fritz die Türen ihrer Ateliers geöffnet. Besucher waren willkommen: zum Gucken, zum Reden, vielleicht auch um ein Bild zu kaufen. Oder auch, um den Künstlern und Künstlerinnen mal beim Arbeiten zuzuschauen.
Winni Labus hat sein Atelier zum kleinen Ausstellungsraum umfunktioniert, in dem er verschiedene Fotoreihen zeigt. Ausgebreitete Fotobücher laden zum Blättern ein.
Kampf mit den Resten der Retrospektive
Ganz anders in den Räumen von Peter Grzan. Dort erwartet den Besucher das kreative Chaos. Grzan kämpft noch immer mit den Resten seiner großen Retrospektive vom Oktober, die wieder verstaut werden müssen. Die nächste Ausstellung steht Helmut Bettenhausen unmittelbar bevor. Da liegt schon alles bereit für den kommenden Besuch der Galeristin.
Birgit Poch und Peter Buchwald sind so tief in Gesprächen mit Gästen vertieft, dass man kaum stören mag. Und auch Werner Ryschawy holt gerade Zeichnungen und Radierungen hervor, die er seinen Besuchern präsentiert.
Kunst und Kekse
Da braucht man schon mal eine kleine Pause. In der Weißkaue erwarten die Kunstinteressierten Kaffee, Waffeln und weihnachtliches Gebäck. Dort trifft man sich auch locker mit den Besuchern, die gerade aus dem Ausstellungsraum kommen. Dort hängen an diesem Tag noch zum letzten Mal die Arbeiten von Martin Bartel.
Schaut man ins Atelier von Beate Matkey, werden dort gerade bei Spritzgebäck die ganz neuen Arbeiten erklärt. Oben hat auch Gitta Witzke hat ihr Atelier richtig hergerichtet, um ihre Werke zu präsentieren. Doris Kirschner-Hamer hat extra Platz gemacht, um neue Arbeiten zu zeigen. Bei Danuta Karsten erwartet den Besucher hingegen die große Leere.
Falko Herlemann

Ausstellung Martin Bartel

Wanne-Eickel 12. November 2011 - „Skulls Paarweise Einhängen“ heißt die Ausstellung von Martin Bartel, die ab Samstag, 12. November, in der Künstlerzechen zu sehen ist. So irritierend wie er Titel sind auch die Bilder.
Mit der Ausstellung „Skulls Paarweise Einhängen“ des Dattelner Künstlers Martin Bartel stellt die Künstlerzeche Unser Fritz ab heute, Samstag, wieder einmal Malerei vor.
Kommt der Besucher in den Ausstellungsraum, empfangen ihn Reihen von sehr kleinen Bildern, die von einigen Großformaten kontrastiert werden. Auf den ersten Blick wirken einige der Arbeiten fast einfarbig. Doch wenn man näher tritt, ändert sich das Bild. Dann entdeckt man eine reliefhaft aufgetragene Malerei aus pastosen Farbtupfern, die sich mit dem Lichteinfall und der Bewegung des Betrachters dauernd verändern. Erst dann fallen einem schräg gestellte Kreuze auf, die sich als immer wiederholende Elemente auf der ganze Bildfläche verteilen.
Diese sogenannten Andreaskreuze ziehen sich als ein durchgehendes Motiv durch viele Bilder Martin Bartels. Sie strukturieren die Fläche. In einigen Bildern verbinden sie sich optisch zu schrägen Linien, die sich über die gesamte Fläche ziehen. Sie sind zugleich eine grafische Form, die fast gegen die bewegten malerischen Formen steht.
In anderen Arbeiten scheinen runde Formen durch, die an Orangen oder Zitronen erinnern. Da ist man fast an Stillleben erinnert. Für Bartel sind es aber nichts als Formen, die er hinter anderen verschwinden lassen kann, um sie in anderen Arbeiten aus der Farben wieder auftauchen zu lassen.
Auf den Titel seine Ausstellung „Skulls Paarweise Einhängen“ angesprochen, schmunzelt der Künstler. „So ein Titel hat ganz bewusst etwas Irritierendes“, erklärt er. Damit möchte er den Betrachter erst einmal auf eine falsche Fährte locken. Denn der Betrachter muss sich auf diese Bilder ohne jegliche Vorurteile einlassen. Sie laden ein, sie mehrmals anzuschauen: mal von der einen Seite, mal von der anderen, mal aus der Entfernung, mal von ganz nahe. Erst dann eröffnet sich mit diesen Arbeiten eine ganz eigene bildnerische Welt.
Im Ausstellungsraum der Künstlerzeche gelingt das durch die geschickte Hängung aufs beste.
Falko Herlemann

Ausstellung Peter Grzan

Wanne-Eickel. 07.10.2011 „des wahnsinns fette beute!“ nennt Peter Grzan seine Ausstellung, die am Samstag in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 eröffnet wird.
„Der Weltkulturerbe“, wie er sich gerne selbst nennt, blickt zurück auf sein Schaffen der letzten 40 Jahre. Schon in den 1970er Jahren hatte er in der Künstlerzeche ein Atelier, war damals Mitinitiator vieler Aktionen der Zechenkünstler.
Wer aber jetzt eine wohlgeordnete Retrospektive chronologisch angeordneter Kunstwerke erwartet, wird enttäuscht. Oder auch nicht!
Den Betrachter empfängt schon im Eingangsbereich ein roter Teppich, flankiert von unzähligen Fotoapparaten, von „lauter“ Musik beschallt. An den Wänden erinnern Fotos an die legendären Auftritte der „Piet Kröte Peep Show“, an deren Initiator und Frontmann, Peter Grzan, zur Eröffnung der „Zeche Bochum“. Die Gruppe hatte sich in den 1970er und 1980er Jahren mit über 300 Auftritten einen nicht nur regionalen Ruf erspielt.
In den beiden Kauenräumen geht es weiter. Da hängt ganz traditionelle Malerei neben bearbeiteter Fotografie. Da stehen Objekte neben Relikten von Kunstaktionen: Ein Karton mit Aquarellkästen für die amerikanischen Soldaten beim ersten Golfkrieg, vom amerikanischen Verteidigungsministerium geröntgt und ungeöffnet zurückgesandt. Briefe an die Deutsche Sporthilfe zur Unterstützung einer Künstlernothilfe. Arbeiten aus der Zeit, als Peter Grzan für die Zeitschriften „Pardon“ und „Titanic“ arbeitete. Sein „Heim für ungeliebte Kunstwerke“, die niemand mehr ausstellen will. Peter Grzan lässt sich nicht in eine Kunstecke einordnen. So wird die Ausstellung ganz schnell zu einem ganz besonderen Gesamtkunstwerk.
Da weiß der Betrachter manchmal nicht, wo er zuerst hingucken soll. Aber überall gibt es etwas Neues und Überraschendes zu entdecken. Da erschließt sich sicherlich nicht alles auf den ersten Blick. Aber garantiert fängt man an nachzudenken. Und zu schmunzeln!
Wer vom Künstler selbst mehr erfahren will, den lädt Peter Grzan zu einem Besuch während der Öffnungszeiten ein: Er wird da sein, zum Kaffee trinken, Musikhören „und um über die Kunst zu plaudern.“
Falko Herlemann

Emschergenossenschaft

12. April 2011
Labus-Bilder werden in der „Stadt des Fotos“ gezeigt
Ausstellung im luxemburgischen Clervaux, weltweit bekannt als „Cité de l’image“

Clervaux/Wanne-Eickel. Große Ehre für den Fotografen Winfried
Labus: Einige seiner Bilder aus der Region, die vor drei Jahren von der EMSCHERGENOSSENSCHAFT im Rahmen des Fotoprojekts „Bridges – Emscher Zukunft“ ausgezeichnet wurden, sind seit dem Wochenende im luxemburgischen Clervaux zu sehen.
Raimund Echterhoff, Vorstandsmitglied der EMSCHERGENOSSENSCHAFT, eröffnete die Ausstellung gemeinsam mit der luxemburgischen Kulturministerin Octavie Modert. Das kleine Städtchen Clervaux in den Ardennen ist weltweit bekannt als „Cité de l’image“ – Stadt des Fotos. Seit 1994 ist dort „The Family of Man“, die berühmte Fotoausstellung von Edward Steichen, zu sehen. Die Ausstellung wurde 2003 auch in das „Memory of the World Register“ der UNESCO aufgenommen. „Landscaping“ – was in etwa „Landschaften gestalten“ bedeutet – heißt die Ausstellung der EMSCHERGENOSSENSCHAFT, die zurzeit mit dem Emscher- Umbau ebenfalls die Landschaften in der Region umgestaltet und damit erheblich aufwertet. Die fotografische Dokumentation ihrer vielen Projekte war der EMSCHERGENOSSENSCHAFT schon immer von Bedeutung. Daher wird auch seit 2006 der Bridges-Fotowettbewerb veranstaltet, bei dem alle Interessierten aufgerufen sind, sich dem Neuen Emschertal fotografisch zu nähern.
„Landscaping“ ist die allererste Ausstellung überhaupt, die Bilderserien aus allen Jahren beinhaltet. Die Bildserie von Winfried Labus zeigt selbstgezimmerte Lauben, auf einem verschneiten Stück Grabeland in Bochum- Günnigfeld. Aus alten Fenstern wurden Gewächshäuser, aus Türen wurden Wände – kleine, liebevoll individuelle Rückzugsorte, die wider allen Regeln und Verordnungen entstanden sind. An einem Nebenlauf der Emscher entstanden, zeigt die Arbeit Details von Ländereien, wie sie das landschaftliche Bild des Emschertales in vielfältiger Form seit Jahrzehnten prägen und Bestandteil des Lebens zahlreicher Menschen sind. Winfried Labus, geboren 1948 in Menteroda, ist freischaffender Fotograf und lebt in Wanne- Eickel. Die Bildserie „Freilandarchitektur auf dem Grabeland“ wurde von der Jury unter den Bewerbungen 2006 prämiert und zur Aufnahme in die Sammlung ausgewählt.

Ausstellung Grundmann & Langowski

halloherne.de am 27.03.2011

Zwei Gelsenkirchener Künstler stellen derzeit in der Künstlerzeche Unser Fritz aus: Zu sehen sind in der Anlage an der Alleestraße / Grimberger Feld noch bis zum 10. April Fotos von Dieter Grundmann und Zeichnungen sowie Objekte von Karl-Heinz Langowski. Der Titel dieser Ausstellung - Grundmann und Langowski - weist auf zwei Kunstschaffende hin, die schon in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihre Werke ausgestellt haben und im Laufe ihrer Leben diverse Preise erhalten haben - national und international.

Karl-Heinz Langowski, Jahrgang 1931, ist seit 1975 Mitglied im Gelsenkirchener Kunstverein. Seine Werke sind seit den den 60er Jahren in zahlreichen Ausstellungen zu sehen gewesen. In seiner Heimatstadt Gelsenkirchen gewann er zweimal den Kultur-Wettbewerb Kunst am Bau. Dieter Grundmann wurde 1941 in Breslau geboren und kam mit vier Jahren nach Gelsenkirchen. 1958 begann er eine Fotografenlehre, und das Fotografieren bestimmte seinen Weg. 1966 absolvierte er seinen Studienabschluss als Fotograf an der Fachhochschule in in Köln, und Anfang der 70er Jahre arbeitete er als Pressefotograf. In den 80er Jahren reiste er viel nach Polen, England, Finnland und Israel - "immer das Ziel vor Augen, Vorurteile gegenüber Deutschland abzubauen, neue Sprachen und Menschen kennen zu lernen", wie er selber sagt.

Die Öffnungszeiten der Künstlerzeche: mittwochs 15-18 Uhr, samstags 15-18 Uhr und sonntags 14-17 Uhr sowie nach Vereinbarung mit einem der Organisatoren der Ausstellung, Helmut Bettenhausen und Peter Buchwald. Weitere Inormationen sowie Kontaktdaten gibt's im web-Info.






Gemeinsamer Abschluss

halloherne.de am 06.12.2010

Mit einer Gemeinschafts-Ausstellung aller Künstler der Künstlerzeche Unser Fritz geht das Kulturhauptstadtjahr 2010 für die kunstschaffende Gemeinschaft am Ufer des Rhein-Herne-Kanals zu Ende. Die Eröffnung am Sonntag (5.12.) wurde auch begleitet von einem Tag der offenen Ateliers. In der Ausstellung sind Werke folgender Künstler zu sehen: Gitta Witzke, Helmut Bettenhausen, Jürgen Buhre, Beate Matkey, Werner Ryschawy, Winfried Labus, Doris Kirschner-Hamer, Birgit Poch, Werner Köntopp, Danuta Karsten, Peter Buchwald und Peter Grzan.

Peter Buchwald, einer der Organisatoren, zog bei dieser Gelegenheit Bilanz für die insgesamt zehn Ausstellungen der Reihe zehn für 2010: "Die zehn Ausstellungen wurden von insgesamt rund 3000 Gästen besucht. Die weiteste Anreise hatten meines Wissen Besucher aus Wien, Stuttgart und aus den Niederlanden." Dabei habe sich das Revier als kuntschaffende Region durchaus einen Namen gemacht: "Vielen Interessierten und darüber hinaus ist klar und bewusst geworden, welch hohe Qualität die in der Region arbeitenden Künstler haben", sagte Peter Buchwald.

Darüber hinaus hätten offensichtlich viele Gäste das Projekt Ruhr 2010 zum Anlass genommen, überhaupt zum ersten Mal in eine Ausstellung zu gehen. "Viele waren dankbar für einige erläuternde Worte", sagte Buchwald und fügte hinzu, dass er einige dann bei weiteren Veranstaltungen wieder gesehen habe. Die gemeinsame Abschluss-Ausstellung ist noch bis zum 22. Dezember in der Künstlerzeche zu sehen. Alles weitere dazu (Öffnungszeiten etc.) findet sich auf der Internetseite der Künstlerzeche.


Ausstellung Peter Witucki

HalloHerne.de, vom 06.11.2010

 Peter Wituckis klar und statisch strukturiert erscheinende Arbeiten können vielfach bewegt und dynamisch ausgreifend neu umgeformt werden. Der Betrachter kann selber eingreifen in die beweglichen Objekte. Die Ausstellungseröffnung ist Samstag, 6. November,  um 17.00 Uhr. Einführung: Sepp Hiekisch-Picard - zu sehen ist die Ausstellung vom 6. November - 27. November.
Peter Wituckis açık ve yapılandırılmış görünüşte statik çalışma sık sık dönüştürülebilir ve dinamik tekrar uzanarak taşındı. Izleyici kendini hareketli nesneleri engelleyebilir. Açılış resepsiyonu Cumartesi, 06 olduğunu 17.00 Uhr.Einführung Kasım: Sepp Hiekisch-Picard06. Kasım - 27 Kasım 2010


Konzert in der Künstlerzeche

HalloHerne.de; vom 06.10.2010

Unter dem Titel „On the Shore“ (deutsch: „An der Küste“) führt der Recklinghäuser Pianist Rainer Maria Klaas am Samstag, 9. Oktober, ab 19.30 Uhr in der Künstlerzeche Unser Fritz, Alleestraße 50, durch 250 Jahre  Musikgeschichte. Und nicht nur das – die Werke von Beethoven, Rubinstein, Henze und dem Bochumer Komponisten Stefan Heucke thematisieren allesamt das Meer, die Küste sowie urwüchsige und/oder erholsame Inseln. Die Konzertreihe ist eine Co-Produktion des Henze-Projekts „Neue Musik für eine Metropole“ der Kulturhauptstadt Ruhr.2010.


Ausstellung in Wanne-Eickel:
Künstlerzeche zeigt nostalgische Kirmes

WAZ Herne/Der Westen, 04.08.2010, Ute Gabriel

In und um die Künstlerzeche in Herne Wanne-Eickel drumherum fand seit Dienstag, den 03.08.2010, eine große nostalgische Kirmesausstellung statt. Foto: Ute Gabriel / WAZ FotoPool


Danuta Karsten - Foto Winfried Labus

Ein Atelier als Ort des Rückzugs

WAZ- Der Westen, 09.08.2010, Falko Herlemann

Seit Ende letzten Jahres waren zwei Ateliers in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 verwaist. Jetzt hat auch die zweite Künstlerin ihr Atelier am Ufer des Rhein-Herne-Kanals bezogen: Danuta Karsten. Ihr Atelier ist zwar noch ein wenig leer, aber es wird sich schon füllen.

Vorgestellt hat sich die Künstlerin schon im März mit einer eindrucksvollen Ausstellung. In der ehemalige Weißkaue, dem heutigen Ausstellungsraum, hingen 20 000 aus weißem Toilettenpapier geschnittene kleine Hemdchen von der Decke. Das war ihre Interpretation für den Raum, in dem früher die Kleidung der Bergleute an die Decke hochgezogen wurde. Danuta Karsten machte daraus ein filigranes Spiel aus Licht und Schatten, bei dem sanfte Bewegungen für den Betrachter immer wieder neue Bilder zeigten.

Diese Ausstellung war typisch für ihre künstlerische Arbeitsweise: Sie reagiert auf Räume, deren Architektur und deren Geschichte. Ihre Arbeiten entstehen immer vor Ort.

„Das Atelier wird für mich ein Ort des Rückzugs sein“, sagt sie selbst. Dort will sie neue Konzepte ausprobieren, ihre Arbeiten zur Probe stellen oder für Papierarbeiten nutzen.

„Räume haben mich schon immer interessiert“, sagt sie selbst. Schon mit 15 Jahren ist die bei Gdansk (Danzig) in Polen geborene Künstlerin auf ein künstlerisches Gymnasium gegangen. Dort konnten sich künstlerisch Begabte neben dem ganz normalen Schulbetrieb, der zum Abitur führte, ganz ihren künstlerischen Talenten widmen. „Wir konnten alle möglichen künstlerischen Techniken von der Druckgrafik über die Malerei bis zur Bildhauerei ausprobieren“, erzählt die Künstlerin. „Und ich wusste ganz schnell, dass die Malerei nichts für mich ist.“

Danuta Karsten konzentrierte sich schon früh auf die Bildhauerei. Der Sprung an die Staatliche Kunstakademie in Gdansk fiel ihr dann nicht schwer. Um so mehr spürte sie bald die Enge der damaligen sehr traditionellen Ausbildung. Die künstlerische Freiheit an ganz eigenen Sachen zu arbeiten hat sie erst an der Kunstakademie in Düsseldorf erfahren.

Heute ist sie Gastdozentin an der Kunst Akademie Gdansk. Seit 1994 ist sie mit ihren Arbeiten an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland beteiligt.

Danuta Karsten ist eine Künstlerin, die mit ihrer langen Erfahrung und Kontakten die Ateliergemeinschaft der Künstlerzeche sicherlich bereichern wird.


Ein volles Freiluftkino

HalloHerne.de, vom 24.07.2010

Mit diesem Besucherandrang hatten die Organisatoren des Kulturhauptstadtbüros Herne nicht gerechnet - schon gar nicht angesichts der instabilen Wetterlage: Mehr als 500 Besucher fanden sich am Donnerstag, 2. Juli , zum Filmschauplatz Herne im neugestalteten Kulturpark Unser Fritz 2/3 ein, um in Ruhrgebiets-Romantik zu schwelgen. Eine Ruhri-Lounge hat passend zum Film Bang Boom Bang alte Ruhrgebietsklassiker aufleben lassen:
Zu Liedern wie Nichts ist so schön wie der Mond von Wanne Eickel oder Bruttosozialprodukt“aus der nostalgischen Musikbox wurde bei Einheimischen und auch den zahlreichen Gästen anhand von Plakaten und Fotos manche Erinnerung wach gerufen. Der Mond von Wanne-Eickel schien dann auch tatsächlich und rundete die schöne Atmosphäre stimmungsvoll ab, mit Schiffen, die auf dem Rhein-Herne-Kanal tuckerten, und der illuminierten Industriearchitektur der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3. Der Filmschauplatz Herne wurde in Zusammenarbeit mit der Filmstiftung NRW und dem KulturKanal durchgeführt. Der KulturKKnal ist ein Projekt der Kulturhauptstadt Europas RUHR 2010.


Die Kunst der Revier-Region winkt mit dem Zaunpfahl

WAZ- Ruhr.2010, 21.08.2009, Peter Kallwitz
Marl/Herne. Eine dreigeteilte Ausstellung in Marl, Herne und Ahlen erinnert an wegweisende Aktionen im öffentlichen Raum aus den letzten 50 Jahren. Demonstriert wird, das es im Ruhrgebiet Kunst gibt, die "nicht zu übergehen ist", so ein Initiator.

"Industrial Land Art" im Skulpturenmuseum: Künstler Helmut Bettenhausen. (Foto: Lutz von Staegmann)
Eine Ausstellung als Kritik an der Kulturhauptstadt 2010? Oder zumindest als Wink mit dem Zaunpfahl? „Industrial Land Art im Ruhrland” lautet der Titel einer dreigeteilten Ausstellung in Marl, Ahlen und Herne.

Die Schau will den Blick auf „wegweisende Aktionen auf dem Gebiet der Kunst im öffentlichen Raum richten, die speziell das Ruhrgebiet auszeichnet und diese Region seit 50 Jahren prägt”.

„Wir wollen der Kulturhauptstadt 2010 damit zeigen, dass das Ruhrgebiet Kunst besitzt, die nicht zu übergehen ist”, erklärte Uwe Rüth, einer der Initiatoren der Ausstellung. Anteil daran hatten zum einen Künstler, die selbst aus dem Ruhrgebiet stammen, aber auch überregional wichtige Künstler, wie zum Beispiel Richard Serra mit seinen Objekten in Marl und Bochum. „50 Jahre künstlerische Gestaltung des Ruhrlandes”, heißt denn auch das Konzept im Marler Skulpturenmuseum Glaskasten (23. August bis 25.Oktober).


Extraschicht

Auf der Zeche fängt alles an

WAZ- Herne, 25.06.2009, Falko Herlemann
Aktuelle Ausstellung gewährt aber auch einen Blick über den Rand von Unser Fritz 2/3 hinaus.
Geschichten rund um die Zeche und darüber hinaus erzählen die Künstlerinnen und Künstler der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 zur Extraschicht am Samstag, 27. Juni. „Wir haben uns ganz bewusst nicht nur auf die Zeche konzentriert”, sagt Künstlersprecherin Beate Matkey zur Idee der Ausstellung. Aber alles fängt nun mal auf der Zeche an.

Helmut Bettenhausen erinnert an seine künstlerischen Aktionen der späten 1960er- und 1970er-Jahre. Weiße Andreaskreuze hatte er damals unter Tage aufgestellt und an verschiedenen Orten fotografiert. Das Kreuz ist heute noch da. Und Fotos erinnern an die Unter-Tage-Installation. Für ihn war die Zeche schon damals Ausgangspunkt für weltweite Aktionen. Schwarz-weiße Pfosten aus heimischem Holz wurden von Menschen in die ganze Welt mitgenommen und vor bekannten Bauwerken fotografiert. Ein Großfoto zeigt, wie die Pflöcke noch aufgereiht auf dem Dach der Zeche liegen. Aber Helmut Bettenhausen erinnert nicht nur an Vergangenes. Seine Installation mit Baumscheiben von rund 60 in der Umgebung gefällten Bäumen fragt, ob sie wirklich nur der Säge weichen mussten, weil sie krank waren.

Beate Matkey hat sich in Ölbildern den Strukturwandel der Zeche vorgenommen: von den Kohlehalden zu den Künstlerateliers bis zur erst unlängst renovierten Maschinenhalle. Ihre Bilder hat sie zur Rauminstallation arrangiert. Winni Labus dokumentiert in einer Fotoreihe die Entstehung des Mondes von Wanne-Eickel als süßes Gebäck, hergestellt von Konditormeister Matthias Messner. Ein anderer Zechenkünstler, Günter Dworak, hatte die Kuchenform entworfen. Zur Extraschicht wird es diese Schleckereien zu kosten geben. Gitta Witzke führt mit ihren Bildern von der Zeche weg. Undeutliche, verschwommene Bilder werden mit kurzen Texten konfrontiert. Zwischen beiden entsteht so ein Schwebezustand, der nur vom Betrachter gelöst werden kann.

Allen ist eine thematische Ausstellung gelungen, die über den Zechenrand hinausweist. Zur Extraschicht erwartet die Besucher dazu noch die eine oder andere Überraschung.

Übrigens: Im Ausstellungsraum der Künstlerzeche sind Arbeiten des Gelsenkirchener Künstlers Rainer Kleinschmidt zu sehen. Auch er erzählt mit seinen großformatigen Bildern Geschichten. Auf ungerahmten Leinwänden, die direkt auf den Wänden hängen, zeigt er Fragmente von Gebäuden. Die architektonischen Formen verschmelzen mit geometrischen Elementen zu uneindeutigen Bildern. Der Betrachter wird in diesem Fall aufgefordert, seine ganz eigenen Geschichten und Erfahrungen mit einzubringen.


„Künstlerzeche“ jetzt auch als Bushaltestelle

08.06.2009 - HCR und BOGESTRA ändern Haltestellennamen



Pünktlich vor Großereignissen wie der „Extraschicht - Nacht der Industriekultur“ und den Aktivitäten rund um die Kulturhauptstadt 2010 erhält die „Künstlerzeche“ Unser Fritz auch ihre gleichnamige Bushaltestelle. Die Busse der HCR-Linie 312 sowie der Linie 342 der BOGESTRA fahren schon heute durch den Wanner Norden und bedienen die in „Künstlerzeche“ umbenannte Haltestelle. Nachdem der beliebte Veranstaltungsort immer mehr an Bedeutung gewonnen hat, soll die heutige Umbenennung vor Ort auch Besuchern als zusätzliche Orientierungshilfe dienen. Ab dem 14.06.2009 wird der Busstopp dann auch bei allen Fahrplanauskünften unter dem neuen Namen zu finden sein. Der bisherige Haltestellenname „Steinhausenstraße“ wird in zukünftigen Fahrplänen der Verkehrsunternehmen nicht mehr verwendet.


Erlebnisraum

WAZ Herne, 19.03.2009, Falko Herlemann
Mit der Ausstellung „Lufttöne” von Rita Rohlfing lädt die Künstlerzeche Unser Fritz zu einer spannenden Installation ein.

Mit der Ausstellung „Lufttöne” der Kölner Künstlerin Rita Rohlfing lädt die Künstlerzeche zu einer spannenden Rauminstallation ein. Betritt man den Ausstellungsraum, wird der Besucher von einem eher unbestimmten Eindruck empfangen. Diffuse rote Farbtöne tauchen wie im Nebel auf, um sich beim Weitergehen gleich wieder zu verändern. Rechteckige Flächen überlagern sich und lassen ihre Grenzen verschwimmen, um sich zu einem beinahe grenzenlosen Farbraum zusammenzuschließen.

Der Betrachter scheint in eine unbestimmte Farbwelt einzutauchen. Das Rot scheint wie durch einen Schleier durch, als schwebe es losgelöst von allem Malgrund im Raum. Immer neue Ansichten und Eindrücke stellen sich ein. Farben überlagern sich mit Grauwerten. Immer neue Perspektiven drängen sich auf. Indem man sich im Raum bewegt, schafft man sich sein Kunstwerk immer wieder selbst. Verändert sich die Blickrichtung, verändert sich die Rauminstallation und mit ihr der ganze Raum, um schließlich selbst zu einem Teil des Raums zu werden.

Erst die Durchblicke zwischen den einzelnen Platten holen den Betrachter wieder in die Wirklichkeit zurück. Denn dann hängen da nur je vier große rechteckige Bahnen auf drei Ebenen von der Decke. Die der ersten beiden Ebenen sind aus halbdurchsichtigem Plexiglas, die der letzten Ebene aus unterschiedlichen Rottönen vom Orange bis Violett. Der Raum zwischen den Platten lädt dazu ein, im Raum umherzugehen.

Mit ganz einfachen Mitteln ist Rita Rohlfing eine sehenswerte Inszenierung des Ausstellungsraumes gelungen. In der Arbeit „Lufttöne” verschmelzen Malerei, Skulptur und architektonischer Raum zu einem Erlebnisraum.


Künstler tischen Heringe auf

WAZ- Wanne-Eickel, 26.02.2009, Wolfgang Laufs
Das Ende der Karnevalssession und den damit verbundenen Beginn der Fastenzeit hatte der Förderverein der Künstlerzeche zum Anlass genommen, zum traditionellen Heringsessen einzuladen.
Knapp 800 Gäste waren am Aschermittwoch nach Unser Fritz gekommen, um einen unterhaltsamen Abend zu verbringen. Die Mitglieder des Fördervereins servierten ihren Besuchern rund 1600 gebratene und sauer eingelegte Heringe sowie drei Zentner Kartoffeln. Und sie zogen zufrieden Bilanz: Denn unter dem Publikum fanden sich nicht nur Besucher aus Kultur, Politik und Verwaltung, sondern auch zahlreiche Nachbarn und Gäste, die zum ersten Mal die Ateliergemeinschaft am Ufer des Rhein-Herne-Kanals betreten hatten.

Auf dem Weg zum Ausflugsziel

WAZ Herne, 16.01.2009, Von Jonas Erlenkämper
Renovierte Maschinenhalle ergänzt die Künstlerzeche Unser Fritz um einen attraktiven Ausstellungsort.Direkt am Kanalufer sollen in den nächsten Monaten noch ein Biergarten und ein Strandcafé entstehen

Nach umfangreicher Renovierung gibt sich die Maschinenhalle ganz puristisch: Architekt und Fördervereinsvorsitzender Jens Blome konnte zur Eröffnung gestern Nachmittag zahlreiche Gäste begrüßen.

Hans-Günter Franzen hatte sich in Schale geschmissen. Krawatte, schwarze Jacke, auf dem Kopf eine repräsentative Kappe - Franzen legte gestern besonderen Wert auf Etikette: Für den 69-Jährigen war es selbstverständlich, zur offiziellen Vorstellung der sanierten Maschinenhalle den Bergkittel der Bochumer Bergschule anzulegen. Zur Zeche Unser Fritz, die heute Künstler beherbergt, hat er ein besonderes Verhältnis.

16 Jahre, bis zu seiner Pensionierung 1990, arbeitete er hier als Elektroingenieur. Viel hat sich verändert seitdem, wo früher Kohle war, ist heute Kunst. Franzen bedauert den Wandel nicht. "Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich sehe."

Mit dieser Meinung steht er nicht alleine. Voll war´s während der zeremoniellen Präsentation, die sehr zahlreich angereisten Spitzen der Lokalpolitik folgten den Reden und Danksagungen. Die Nachbarn und Freunde der Künstlerzeche kamen erst später, am späten Nachmittag spielte die Wanner Band "StingRay". Es gab Süppchen und Kaltgetränke. Die Fördermaschinenhalle Unser Fritz III, direkt neben dem Ateliergebäude gelegen, soll die Qualität der Zeche als Ausstellungsort verbessern, den Stadtteil attraktiver machen. "Nach dem Pluto-Zentrum ist sie ein weiterer Mosaikstein für Bickern und Unser Fritz", sagte Oberbürgermeister Horst Schiereck. Bei der Neu-Gestaltung des gut 110 Jahre alten Gebäudes "sind wir sehr puristisch vorgegangen", so Architekt Jens Blome. Dem Bau könnte eine wichtige Position für die Entwicklung der Umgebung zukommen. Nicht nur als Ausstellungs- und Begegnungsort. Im Sommer soll das Zechenareal um eine attraktive Gastronomie erweitert werden. Direkt am Ufer des Rhein-Herne-Kanals wird ein Biergarten entstehen, und zwischen Wasserstraße und Maschinenhalle soll ein Strandcafe angelegt werden, ähnlich dem am Recklinghäuser Stadthafen. Bergwerk und Kanal, einst Inbegriffe des vermeintlich wenig lebenswerten Kohlenpotts, werden zu Ausflugszielen. "Das ist wahrscheinlich die einzige Zeche mit maritimer Lage", sagt Blome.

Hans-Günter Franzen, dem alten Bergmann, liegt die Brauchtumspflege am Herzen. Schließlich, sagt der Senior, habe er sein ganzes Arbeitsleben unter Tage verbracht. Erst auf Pluto Wilhelm, nach deren Stilllegung in den 1970er Jahren auf Unser Fritz. 1977 lernte er Künstlerzechen-Gründer Helmut Bettenhausen kennen. Er führte ihn herum, als der an einem Kunstprojekt unter Tage arbeitete.

Heute gehört er dem Förderverein der Bismarcker Zeche Consolidation an. Durch die neue Nutzung alter Hallen, so Franzen, könne die Tradition erhalten werden. "Es ist wichtig", sagt der Mann aus Wanne-Eickel, "den Jüngeren den Bergbau nahezubringen."


Vom Rhein zum Kanal

WAZ Herne, 04.09.2008, Von Falko Herlemann

Neun Düsseldorfer Künstler sind mit ihren Werken zu Gast in der Künstlerzeche Unser Fritz.Parallel dazu stellt die Ateliergemeinschaft in der Landeshauptstadt aus

Zur Ausstellung "Parallel", die am Samstag (6.) in der Künstlerzeche Unser Fritz eröffnet wird, gehören auch die Arbeiten der Düsseldorfer Künstlerin Sigrid van Sierenberg. Das Bild zeigt sie vor ihrem Werk mit dem Titel "Schuhabdrücke". Foto: WAZ, Abawi

AUSSTELLUNGENNeun Künstlerinnen und Künstler aus Düsseldorf sind ab Samstag mit ihren Arbeiten zu Gast in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3. Parallel dazu werden acht Kunstschaffende aus Herne in Düsseldorf ihre Arbeiten zeigen. "Wir suchen immer Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen aus anderen Städten", sagt Gitta Witzke von der Künstlerzeche. Die neun Düsseldorfer sind alle Mitglieder des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK), einem bundesweiten Zusammenschluss von professionellen Künstlerinnen und Künstlern. "Alle Mitglieder wurden eingeladen, sich für das Projekt zu bewerben. Dann hat eine Jury neun von uns ausgewählt", erzählt Irmgard Kramer, eine der Ausstellenden.

Die Ausstellung zeigt einen weiten Überblick verschiedener künstlerischer Techniken und Stile. Von der klassischen Malerei über Objekte und Materialarbeiten hin bis zu experimenteller Fotografie. Kommt man in den Ausstellungsraum, fällt sofort das sechs Meter lange, beinahe wandfüllende Bild von Erhard Löblein auf. Er hat sich ein Vorbild an der berühmten Abendmal-Darstellungen Leonardo da Vincis genommen. Die um Jesus gescharrten Jünger sind hier alle Selbstportraits des Künstlers.

Hanne Horn zeigt eine Fotoinstallation aus drei Stelen, die an Litfasssäulen erinnern. Hier mischen sich collagenhaft Fotos und Reste von Zeitungen. Fotografien von Details sind das Ausgangsmaterial von Boris Kalinski, die er bearbeitet und zu nur noch durch die Farbe wirkenden Bildern macht. Die Arbeiten in der Ausstellung kennen keinen gemeinsamen roten Faden. Aber sie sind im Ausstellungsraum so arrangiert, dass sie viel Rücksicht auf die Werke der anderen nehmen. Es ist keine spektakuläre Ausstellung, aber ein gelungenes Miteinander von neun künstlerischen Positionen.


300.000 EUR für "Unser Fritz" sind gut angelegt.
Sonntagsnachrichten Herne, 28. Sept. 2008
Die Bundestagsabgeordnete Ingrid Fischbach zeigte sich erfreut über die Entscheidung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages, 300.000 EUR für die Herner Künstlerzeche "Unser Fritz" zur Verfügung zu stellen.
Das Geld stammt aus dem Nachtragshaushalt für 2007. Wegen geringerer Ausgaben bei den Zinsen und in anderen Bereichen konnte ein Auftragsvolumen von 400.000 Millionen EUR für Zuschüsse für national bedeutsame Kulturinvestitionen bereitgestellt werden. Nach dem Ende der Bewerbungsfrist entschied jetzt eine Expertenkommission beim Staatsminister für Kultur über die zu fördernden Vorhaben. Ingrid Fischbach hat sich im Verlauf der Beratungen mehrfach für das Projekt in Herne eingesetzt- und wie man sieht, mit Erfolg!
Mit der Förderung der Künstlerzeche "Unser Fritz" leistet der Deutsche Bundestag einen wichtigen Beitrag für das kulturelle Leben, nicht nur in Herne, sondern im gesamten Ruhrgebiet.


Künstlerzeche verwandelt sich wieder in Jazz-Bühne
WAZ Herne, 14.08.2008
Gitarrist Sammy Vomácka und sein Trio setzen am Samstag die Sommerabend-Konzertreihe in Unser Fritz fort.

Ali Claudi und seine Boogie-Woogie-Company waren im vergangenen Jahr zu Gast in der Künstlerzeche. Foto: Leitmann, pi
Mit dem Auftritt von Sammy Vomácka setzt die Künstlerzeche Unser Fritz am morgigen Samstag (16.) ab 19.30 Uhr in Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro der Stadt ihre Konzertreihe "Jazz an einem Sommerabend" fort. Der gebürtige Tscheche gilt als einer der bekanntesten Akustik-Gitarristen, der sich zunächst als Fingerpicker und Ragtime-Gitarrist einen Namen gemacht hat. Im Laufe der Zeit verschrieb sich Sammy Vomácka aber immer mehr dem Jazz. So schreibt das Magazin "Akustik Gitarre" über das Sammy-Vomácka-Trio: "Die Musik atmet, sie ist luftig, ungezwungen und frei und hat dennoch einen überzeugenden Swing; sie ist harmonisch komplex und kommt dennoch keinen Augenblick abgehoben daher."

Neben seiner "normalen" Westerngitarre hat Sammy Vomácka immer auch eine "Dobro" im Gepäck, eine aus Metall gefertigte Resonator-Gitarre, mit der auch ganz ohne Verstärker interessante akustische Effekte möglich sind. Bei seinen Konzerten gehören launige Unterhaltung und Kurzgeschichten aus seinem musikalischen Leben zum Programm.

Der beliebte Konzertreihe "Jazz an einem Sommerabend" findet seit 2004 immer am Samstag nach dem Ende der Cranger Kirmes statt. Den Anfang machte damals die Wanne-Eickeler Jazz-Legende Heinz Ölmann mit seiner Combo "Take Five", es folgten der Wanne-Eickeler Boogie-Woogie-Man Thomas Nowak und Peter Di Val. Im vergangenen Jahr spielten Ali Claudi und seine Boogie-Woogie-Company in der Künstlerzeche am Kanal.

 

Jazz in lauer Sommernacht

WAZ Wanne-Eickel, 17.08.2008
Sammy Vomácka spielte mit seinem Trio auf Einladung der Künstlerzeche Unser Fritz. Fünfte Veranstaltung erneut ein Erfolg
Die Bühne ist in hell-gelbes Licht getaucht, ein Skelett liegt auf einem roten Liegestuhl: eine etwas bizarre Strand-Deko. Daneben entlocken drei Musiker ihren Instrumenten harmonische Variationen. Sammy Vomáckas Jazz Trio verlieh der Künstlerzeche am Samstagabend einen ganz besonderen Klang.

Der Name Sammy Vomácka steht für Vielseitigkeit. Vomácka spielt Gitarre "wie ein Mensch mit drei Händen", meinen manche Fans. Die anderen beiden Musiker begleiten den Gitarristen mit Kontrabass und Schlagzeug. Das Trio spielt Jazz-Standards in ganz eigenem Stil: ruhig und harmonisch, aber doch eigenwillig und dynamisch. Vomácka erklärt den Zuschauern sein Motto: "Im Jazz ist alles erlaubt, was funktioniert."

Die einzigartige Klangkombination der Instrumente entfaltete in der kargen, hohen Schwarzkaue ihr volles Volumen. Laue Sommerluft strömte durch ein geöffnetes Tor in die Halle. Blaue, rote und gelbe Lichteffekte sorgten für eine puristische Lounge-Atmosphäre. Elegant wirkten die kleinen Kerzen auf den Tischen. Die unverwechselbare Atmosphäre der Künstlerzeche und die Musik von Sammy Vomácka machten den Auftritt zu einem Großereignis für alle Sinne.

Genau das schätzen die Besucher. "Die Atmosphäre ist aufgelockert", sagt Ulrich Klonki (53) aus Sodingen, "und die Gitarrenmusik ist ungewöhnlich, ohne feste Vorstellung." Helga Klonki (50) liebt besonders "das Ruhige, Melodische". Besucher Max Blasey (73) aus Holthausen ist sich sicher: "Dieser Auftritt ist der Beste, den wir hier je hatten, obwohl es jedes Jahr großartig ist". Dem ehemaligen Pianisten Blasey gefällt besonders der Bassist: "Er spielt die Bassläufe wunderbar, besser als diejenigen mit elektronischen Instrumenten."

Zum fünften Mal lockte die Künstlerzeche Jazz-Liebhaber in ihre Hallen. Angefangen hatte alles mit einer Filmvorführung. Lutz Kahnwald vom Förderverein Künstlerzeche erinnert sich: "Wir haben damals den Jazz-Film `Summertime' gezeigt und die Zuschauer mochten es, da haben wir in den nächsten Jahren eigene Künstler eingeladen." Kahnwald nennt das Konzept "Nischen-Finden": "Man muss einfach etwas Untypisches ausprobieren." Für ihn sei der Kulturauftrag ebenso bedeutsam wie der Spaß-Faktor.

Freude an den Jazz-Abenden finden auch die Freundinnen Birgit Knoop (54) und Christel Leser (59) aus der direkten Nachbarschaft der Künstlerzeche. "Das Spiel ist einfach virtuos", meint Christel Leser, "die Gitarrenstandards haben nicht viel Bewegung, aber es kommt viel rüber." Birgit Knoop: "Es ist einfach nur sehr schön." "Eine Erfolgsgeschichte", zieht Jens Blome, der Vorsitzende des Fördervereins, ein Fazit nach fünf Jahren Jazz in der Zeche. Er will für die nächsten Auftritte erneut nach besonderen Interpreten suchen. kaya

Ein bizarrer Blick auf den Alltag

WAZ-Herne, 01.08.2008, Von Falko Herlemann

Claudius Daum, in Basel geboren, zeigt bis zum 31. August Fotografien in der Künstlerzeche Unser Fritz

Seine erste große Einzelausstellung in Deutschland zeigt der Schweizer Claudius Daum. Foto: Winfried Labus, pi (Winfried Labus)
Seine erste große Einzelausstellung in Deutschland zeigt der Schweizer Claudius Daum. Foto: Winfried Labus, pi

Ungewöhnliche Perspektiven und eigentümliche Ausschnitte locken in die Künstlerzeche. Der schweizer Fotograf Claudius Daum zeigt "Eine andere Sicht der Dinge", so der Titel seiner Ausstellung, die heute um 17 Uhr eröffnet wird.

Claudius Daum findet seine Motive eher zufällig. Sei es in Paris, wo er bei einer Eröffnung die Beine der Ausstellungsbesucher fotografiert. Oder auch irgendwo in der Schweiz, wo der liegen gelassene Müll ins Bildzentrum rückt. Oder es sind halbvolle Gläser, in denen sich die Beleuchtung einer Szenekneipe spiegelt. In seinen Fotografien konzentriert er sich auf Architekturen, auf Innenräume oder auf zufällige Konstellationen ganz alltäglicher Dinge wie gestapelte Stühle. Meist sind seine Bilder menschenleer. "Die Menschen würden da nur stören", sagt er mit einem verschmitzten Lächeln. Viel wichtiger sind ihm die manchmal dramatische Wirkung der Farbe und der Einfall von Licht und Schatten.

Seine Bilder zeichnen sich stets durch ungewöhnliche Perspektiven aus. Da kann auch mal eine Wand einen großen Teil des Fotos verdecken. Oft er hält die Kamera in Bodenhöhe oder zeigt seine Motive in starker Untersicht. Ob er digital oder analog fotografiert, ist Claudius Daum hingegen eigentlich egal, Hauptsache das Ergebnis stimmt. Dazu bearbeitet er das Bild manchmal später auch am Computer.

Die Ausstellung in der Künstlerzeche zeigt unterschiedliche Reihen, arrangiert nach den Aufnahmeorten: Paris, die Schweiz und Deutschland. Obwohl die Orte letztlich gleich sind: Für Claudius Daum ist es eher eine Frage der Vertrautheit mit einem Ort.

Claudius Daums Fotografien laden ein, den banalen Alltag neu zu entdecken. Eigentlich Vertrautes erscheint in seinen Bildern unter einem neuen, oft fremden Blickwinkel. Die aufgelockerte Hängung in der Künstlerzeche trägt viel dazu bei. Hier kann man an den Bildern vorbeischlendern, man kann länger verweilen, und manchmal muss man auch in die Hocke gehen.

Claudius Daum ist in Basel geboren. Nach seiner Ausbildung als Reprofotograf arbeitete er lange Zeit als freier Fotograf in der schweizer Mode- und Theaterszene. Von 1993 bis 1998 hat er in Zürich eine eigene Galerie geleitet. 1999 ist er dann zur künstlerischen Fotografie zurückgekehrt. Seitdem war er an zahlreichen Ausstellungen in der Schweiz beteiligt. Die Künstlerzeche zeigt jetzt seine erste große Einzelausstellung in Deutschland.

Öffnungszeiten Mi, Sa 15-18 Uhr, So 14-17 Uhr


"ExtraSchicht" lädt zur Nacht der Industriekultur

Wochenblatt, 01.06.2008, ph

40 Spielorte, 120 Events von 18.00 Uhr bis 2.00 Uhr am anderen Morgen

Und zwar mit der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 in Wanne-Nord... Was Wanne-Eickler-
Nostalgiker freuen wird: Beide Herner Spielorte (Zeche Unser Fritz 2/3 und das Archäolgiemuserum) sind nicht auf einer gemeinsamen Shuttletour erfahrbar. Während Unser Fritz zur Route "D2" gehört mit der "Drehscheibe" Tetraeder/Alpincenter Botrop, ist die Jahrhunderthalle Bochum Ausgangspunkt der "D3" - Route für Herne-Mitte. In der Weißkaue der Künstlerzeche zeigt Andy Hellebrand unter dem Titel "Rudel" großformatige Zeichnungen und in der Schwarzkaue widmen sich die KünstlerInnen der Zeche auf sehr unterschiedliche Weise dem Thema "Instrumente". Und gegen Mitternacht werden die Top-Acts der "Voice Factory" erwartet! ... Mit den Kanalbooten "Santa Monica" und "Friedrich der Große" ist ein Schiffsshuttle zwischen dem Gelsenkirchener Norsternpark , der Künstlerzeche Unser Fritz und dem Stadthafen Recklinghausen (-Süd) möglich und der Fahrradclub ADFC offeriert von Unser Fritz aus eine Tour auf der Zechenbahn zur Bochumer Jahrhunderthalle....


"ExtraSchicht" im Ruhrgebiet

WAZ / Wanne-Eickel, 13.04.2008, Von Jens Witte

Archäologie-Museum und Künstlerzeche klinken sich in die "ExtraSchicht" ein

Eine Nacht, 40 Spielorte, 120 Veranstaltungen - auch in diesem Sommer gibt es wieder eine "ExtraSchicht" im Ruhrgebiet. Hunderte Künstler sind an diesen außergewöhnlichen Überstunden beteiligt. Am Samstag, 21. Juni, der "Mittsommernacht der Industriekultur" erwarten die Veranstalter bis zu 150 000 Besucher. Ein Ereignis, das Herne und Wanne-Eickel nicht verschlafen will. So planen das Westfälische Archäologie-Museum und die Künstlerzeche Unser Fritz 2/3, die kürzeste Nacht des Jahres zwischen 18 und 2 Uhr zu einem langen Fest werden zu lassen: zwei von insgesamt 40 industriehistorischen und im Zuge des Strukturwandels entstandenen Spielstätten von Duisburg bis Hamm. Während der "ExtraSchicht" sollen sie zur Plattform für künstlerische Inszenierungen werden.
...
In der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 dreht sich zur "ExtraSchicht" alles um Instrumente. Die "Voice Faktory", vestische Vokalsolisten, präsentiert ab Mitternacht barocke Gesangsinterpretationen. Die Künstler der Zeche zeigen zudem in einer Ausstellung ihre Instrumente - also Hilfsmittel der Musik, Fotografie, Malerei oder Bildhauerei. Die Schau "Rudel" präsentiert darüber hinaus Zeichnungen von Weggeworfenem.

Für die Kulturreise durchs Revier setzt der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr auch in diesem Jahr wieder Shuttle-Busse ein, um die einzelnen Spielorte miteinander zu vernetzen. Auch der planmäßige Nahverkehr wird verstärkt. Als logistische Drehscheiben dienen in diesem Jahr das Rheinische Industriemuseum in Oberhausen, das Tetraeder und das Alpincenter in Bottrop, die Bochumer Jahrhunderthalle sowie die Zeche Waltrop.

An diesen vier zentralen Orten sei auch jeweils ein spektakuläres Finale mit "Straßentheater von internationaler Qualität" geplant, so der künstlerische Leiter der "Extra-Schicht" Erich Auch.


"Schluss Strich" am Ende der Knorre-Ära

23.03.2008 / Sonntagsnachrichten / Herne / Auszug/ ph

Am Sonntag (30.) wird unter dem etwas irreführenden Titel "Schluss Strich" eine vierteilige Gemeinschaftsausstellung der großen Kunst-Institutionen unserer Stadt eröffnet, die zwar eine Zäsur markiert mit der Pensionierung des Museumsdirektors Dr. Alexander von Knorre, nicht jedoch das ein Ende der kommunalen Sammlungsaktivitäten.
Mit der einmaligen Ausstellungsform wird zum ersten Nal der Öffentlichkeit ein umfangreicher Einblick in die Sammlung des Städtischen Kunstbesitzes ermöglicht. Hierzu haben sich vier Herner Kunstorte zu einer Kooperationsausstellung zusammengeschlossen. Der seit 1978 durch Dr. von Knorre gegründete Schwerpunkt der Sammlung, "Zeichnungen und Arbeiten auf Papier", hat sich als Sammlungsbegriff in der überregionalen Kunstlandschaft etablieren können. Sie wird am 30. März zeitversetzt an allen vier Orten, die durch einen Eröffnungstag kostenlosen Shuttlebus miteinander verbunden sind, eröffnet ..., um 17 Uhr in der Künstlerzeche "Unser Fritz 2/3". "Schluss Strich" zeigt Werke aus 30 Jahren, was dem Zeitabschnitt einer Generation entspricht ...
Raps und Reisstroh
WAZ Hattingen, 15.04.2008
Künstlerin Angelika Herker inspirieren gelbe Felder und Vietnams Hüte
Grün und Gelb sind derzeit ihre Farben: Künstlerin Angelika Herker in ihrem Atelier.
In ihrem Atelier sind derzeit Gelb und Grün Trumpf. Womit Angelika Herkers aktuelle Arbeit - "vielleicht kann ich sie unterbringen" - ins "Local Heroe"-Projekt zur Kulturhauptstadt 2010 passte. Inspiriert worden ist die Künstlerin schon vorher - von blühenden Rapsfeldern, an denen sie oft vorbeigefahren ist und die in zwei Jahren trumpfen sollen.Gern erneut unterbringen, möglicherweise sogar in Vietnam, würde sie ihre 200 Reisstrohhüte, die, wie berichtet, in der Herner Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 Vietnams Wasserlandschaften repräsentierten. Die Kopfbedeckungen sind mit Tempera bemalt und schillern in Blau-, Türkis-, Grün-, Gelb- und Violettschattierungen. Da selbst das größte Atelier keine Ausmaße einer Ausstellungshalle hat, ist die kreisrunde Bodeninstallation längst in Kisten verschwunden. Ein einsamer Hut ziert noch das Atelier. So unbemalt wirkt er unscheinbar. Aber nur auf den ersten Blick. Hält man ihn gegen die Sonne, schimmert zwischen äußerer Lack- und unbehandelter Innenschicht eine Zeichnung durch.Angelika Herker hofft auf einen erneuten Besuch, ehe das Land von zu vielen Touristen entdeckt wird. Nach einer Reise dorthin, wo neben Wasser der Reisstrohhut das Bild bestimmt, wollte sie unbedingt damit arbeiten. Auf der Suche nach einem Händler stieß sie auf preiswerte Hutangebote mit dem Vermerk "Non Hue". Solche hat sie bemalt. Der schlichte (unsichtbar bemalte) aus der Kaiserstadt Hue wäre dafür zu schade gewesen. In Vietnam wird das einfache Exemplar auch zum Wasserschöpfen benutzt - womit sich der Naturkreislauf, Herkers Thema, wunderbar schließt. uli

Ohne Barrieren in die Halle

15.02.2008 / WAZ / Herne, Von Wolfgang Laufs

Behindertenbeirat freut sich, dass der Förderverein der Künstlerzeche jetzt doch einen Aufzug und eine zusätzliche Toilette errichten will. Gremium will an Planung für Musikschule und Rathaus beteiligt werden (WAZ)
Die Maschinenhalle neben der Künstlerzeche in Unser Fritz wird einen barrierefreien Zugang, eine behindertengerechte Toilette und einen Aufzug erhalten. Von dieser Absicht berichtete Dorothea Schulte, stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins der Künstlerzeche, dem Behindertenbeirat. Damit scheint ein Stolperstein aus der Welt geschaffen worden zu sein, an dem sich immer wieder Beirat und Behinderte, Förderverein und Fachverwaltung gestoßen hatten (die WAZ berichtete).
Noch im vergangenen Sommer schien die Ausstattung der Maschinenhalle an dem zusätzlichen Finanzaufwand zu scheitern. Wegen eines bereits vorhandenen Behinderten-WC in der benachbarten Künstlerzeche und mit Blick auf eine nur geringe Benutzerzahl hatte sich der Förderverein gegen eine zusätzliche Einrichtung ausgesprochen. Zudem hielt man die Kosten in Höhe von 100 000 Euro für einen Aufzug für unverhältnismäßig.
Nach einer Überplanung dieses Vorhabens sieht die Lage jetzt ganz anders aus. An der Außenfassade der Maschinenhalle soll nun ein Aufzug errichtet werden, der mit einer Hubhöhe von lediglich drei Metern eine "preisgünstigere Alternative" darstelle. Lutz Kahnwald vom Förderverein: "Wir wollen nun entsprechende Angebote einholen." Über einen Durchbruch des Mauerwerks soll der behindertengerechte Zugang zur Maschinenhalle geschaffen werden.

Schiffshörner tuten erst im Oktober

18.09.2007 / WAZ / HERNE

Das für Samstag (22.) geplante Konzert der Schiffshörner des Künstlers Christof Schläger wird auf Sonntag, 21. Oktober, verlegt. Um 15 Uhr ertönen dann die Signale an der Fußgängerbrücke des Rhein-Herne-Kanals in Höhe der Künstlerzeche Unser Fritz und 300 Meter weiter auf der Autobrücke. Die Künstlerzeche öffnet an diesem Tag die Ateliers und lädt zur Finissage von "Unter Uns" von Nol Hennissen.

Jazz und Malerei in der Sommernacht

16.08.2007 / WAZ / HERNE

Die Kirmes ist vorbei, das nächste Wochenende steht vor der Tür: Zeit also für "Jazz an einem Sommerabend" in der Künstlerzeche Unser Fritz. Am Samstag, 18. August, sind dort Ali Claudi (Gitarre, Gesang) und die Boogie Woogie Company zu Gast. Zu dieser Combo gehören Christoph Oeser (Piano), Paul G. Ulrich (Bass, Gesang) und Kalle Hoffmeister (Schlagzeug). Das Konzert beginnt um 20 Uhr.

Ali Claudi ist seit rund 40 Jahren ein Begriff in der deutschen Jazzszene. Bereits im Alter von 19 Jahren begann er als einer der Pioniere der Sologitarre mit unterschiedlichen Formationen in Jazzklubs aufzutreten. Seine Musik ist stilistisch breit angelegt: Swing, Latin Jazz, Bebop und rockiger Jazz mit unverkennbaren Wurzeln im Blues. Bislang veröffentlichte er mit seinen verschiedenen Bands 19 LPs und CDs und gab mehr als 4500 Konzerte. Bevor sich die Künstlerzeche in eine Musikarena verwandelt, macht die Einrichtung zunächst als Ausstellungsort von sich reden. Ab 17 Uhr werden dort die Arbeiten von Willi Otremba gezeigt. "Absichtlich" lautet der Titel der Ausstellung. Otremba, geboren 1954 in Bochum, lebt und arbeitet heute in Dortmund. "Mich interessiert die Farbwirkung als Motiv für die Malerei", sagt Willi Otremba über sein künstlerisches Schaffen.

Eine Basis für Kreuz und Halbmond

12.07.2007 / WAZ / HERNE

Von Gabriele Heimeier

Nein, es geht Helmut Bettenhausen nicht darum, dem Christentum und dem Islam ein Denkmal zu setzen. Kreuz und Halbmond sind für ihn vielmehr Symbole für die Einwanderer, die es aus unterschiedlichsten Gründen, aus unterschiedlichsten Gegenden und Kulturkreisen der Welt seit vielen Jahren ins Ruhrgebiet und nach Wanne-Eickel und Herne gezogen hat und immer noch zieht. All' ihnen ist das "Migrations-Symbol" gewidmet, das der Wanne-Eickeler Künstler und seine Kollegen von der Künstlerzeche Unser Fritz im September auf dem Cranger Kirmesplatz verankern wollen: Ein Kreuz und ein Halbmond aus grobem, rostigem Stahl krönen dann den alten Betonbunker, der mit seinen beiden Kuppeln an frühchristliche Kirchen und an Moscheen erinnert.

"Christentum und Islam stehen auf einer gemeinsamen Basis", sagt Helmut Bettenhausen und deutet auf das maßstabsgerechte Modell des Denkmals, das er schon erarbeitet hat. "Beide haben das gleiche Fundament." So sollen Kreuz und Halbmond auf den Kuppeln nebeneinander das friedliche Miteinander der Kulturen und der Religionen symbolisieren.

Denn bei aller Diskussion um die Integration von Mitbürgern türkischer Abstammung und islamischen Hintergrunds: "Es hat anfangs immer Hürden und Ausgrenzungen gegeben, egal, wo die Einwanderer herkamen und selbst, wenn sie christliche Wurzeln hatten." Helmut Bettenhausen erinnert an den Zuzug aus Polen im vergangenen Jahrhundert, als in ganzen Straßenzügen des Reviers polnisch gesprochen wurde; er erinnert an den Zuzug aus den Ostgebieten, zum Beispiel an die überwiegend protestantischen Masuren, die Anfang des 20. Jahrhunderts nicht im überwiegend katholischen Vest Recklinghausen aufgenommen wurden. Er erinnert daran, wie viele Frauen aus dem Osten noch weit nach dem Zweiten Weltkrieg auch in den Straßen des Ruhrgebiets Kopftücher trugen. Reibungspunkte habe es aber auch gegeben, als dann in der Zeit von Wirtschaftswunder-Deutschland Zuwanderer aus Südeuropa kamen, aus Italien, Griechenland, Portugal.

Mit der Zeit, so Helmut Bettenhausen, seien die kulturellen Unterschiede verwischt, aus Ausgrenzung und Nebeneinander sei Miteinander geworden. Wessen Familie einmal zugewandert ist, lässt sich heute oft nur noch am Namen erkennen. Sind alte Bekannte: Helmut Bettenhausen (l.), Guiseppe La Placa (M.) und Süha Samur. Mit seiner Skulptur, die Bettenhausen auf dem Cranger Kirmesplatz installiert, möchte er auch die Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Fotos: Winfried Labus, pi Als Modell ist das Migrationssymbol schon fertig. Im September wird es auf dem Cranger Kirmesplatz verwirklicht.

Ausstellung ist gleichzeitig auch ein Quiz

11.07.2007 / WAZ / HERNE

Besucher einer Fotoausstellung in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 können das Medium Fotografie auf eine besondere Art entdecken. Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren haben sich mit der Kamera einen eher ungewöhnlichen Einblick ins Berufsleben verschafft, indem sie für bestimmte Beschäftigungen typische Objekte auf kreative Weise ablichteten. Ihre Arbeiten sind dort bis zum 27. Juli zu sehen. Die Ausstellung wird am Mittwoch, 18. Juli, um 18 Uhr durch Bürgermeisterin Dorothea Schulte und den Vorstand des Caritasverbandes eröffnet. Durch die ungewohnten, teils verwirrenden Perspektiven der rund 100 Fotos erschließt sich die Herkunft des jeweiligen Bildmotives nicht auf Anhieb: Der Besucher muss einen bestimmten Gegenstand erraten und ihn dann einem bestimmten Beruf zuordnen. Die Ausstellung wird neben dem Caritasverband auch vom Stadtteilbüro Bickern unterstützt."
Die Fotografien sind in der Künstlerzeche täglich von 15 bis 18 Uhr zu sehen.

"Keiner wird abgewiesen"

26.06.2007 / WAZ / HERNE

Von Mirco Stodollick

"In der Zeche ist noch niemand abgewiesen worden." Und das werde künftig so bleiben, wenn die Maschinenhalle auf dem ehemaligen Gelände von Unser Fritz II/III für eine Nutzung als Kulturbegnungsstätte umgebaut sein wird, sagt die zweite Vorsitzende des Fördervereins der Künstlerzeche, Dorothea Schulte.

Für Verwirrung hatte eine Meldung gesorgt, wonach der Behindertenbeirat der Stadt per Empfehlungsbeschluss die Verwaltung aufgefordert habe, in die Umbaupläne einen barrierefreien Zugang und ein Behinderten-WC einzuplanen. Dies aber, so stellte sich nun heraus, ist nicht der Fall. Der Behindertenbeirat hat entgegen der Darstellung von Beirat-Pressesprecher Karl-Heinz Strath nichts beschlossen. Vielmehr will er sich laut Sitzungsprotokoll in einer seiner nächsten Sitzungen von der Verwaltung über die Umbaupläne informieren lassen, um sich zunächst ein Bild von den Gegebenheiten am alten Maschinenhaus zu machen.

Der finanzielle Aufwand, für das Gebäude einen barrierefreien Zugang zu schaffen, da ist sich der Förderverein einig mit der Stadt, wäre enorm. Vereinsvorsitzender Jens Blome verweist auf das 3,50 m hohe Fundament-Geschoss, das es zu überbrücken gälte. Eine Rampe zu bauen, so der praktizierende Architekt, sei nicht möglich. Bei den gesetzlichen Bestimmungen müsse sie 60, 70 m lang sein, um mit einer maximal zulässigen Steigung von 6 % und Zwischenpodesten die 3,50 m zur geplanten Eingangsterrasse an der Südseite der Halle zu überwinden.

Die Investition in einen Aufzug an der Frontseite des Gebäudes (Investitionskosten laut Blome ca. 100 000 Euro) hält der Förderverein für unverhältnismäßig, zumal der Trägerverein nicht in der Lage sei, die Folgekosten für Betrieb, Wartung und TÜV-Abnahme aufzubringen bzw. die Notrufbereitschaft zu organisieren. So verspricht der Förderverein, körperbehinderte Besucher in die Kulturhalle hochtragen zu wollen. "Wir haben immer Leute hier, die bereit sind zu helfen", so Dorothea Schulte.

Zum Thema Behinderten-WC: In der Künstlerzeche ist bereits eine vorhanden, laut Blome "ist sie in den letzten fünf Jahren von drei Besuchern genutzt worden". Der Förderverein hält diese Toilette für ausreichend, weil der Bau eines zusätzlichen WCs in der Maschinenhalle ebenfalls mit erheblichem Aufwand verbunden wäre.

Blome hofft, dass der Behindertenbeirat - vielleicht bei einem (ersten) Ortstermin am Maschinenhaus - zur Einsicht kommt, dass Aufzug und Behinderten-WC nicht zu machen seien. "So ein Projekt", so Blome mit Blick auf die Fördermittel, "hängt immer am seidenen Faden." Eine unsach-liche Diskussion schade nur.

30 Kilometer "kultureller Mythos"

16.06.2007 / WAZ / DORSTEN

Dorsten / Gahlen. Einen "kulturellen Mythos" nennt Jens Blome vom Förderverein der Künstlerzeche "Unser Fritz" den Gahlener Kohlenweg in der Projektbewerbung an die Kulturhauptstadt 2010.

"Es ist uns in den Schoß gefallen", sagt Angelika Krumat. Als gebürtige Wanne-Eickelerin war die Vorsitzende von Virtuell-Visuell, des kleineren Dorstener Kunstvereins, von der Initiative aus ihrer alten Heimatstadt besonders angetan. Im Projekt der fünf Kunstvereine von Hattingen bis Dorsten stecken jene Zutaten, die für 2010 dazu gehören sollten: Es erinnert an einen Gründungsmoment des Ruhrgebiets in den Jahren 1766 bis 1770, der heute zwar den wenigsten präsent sein dürfte, in seiner Bedeutung aber kaum zu überschätzen ist. Mit dem Begriff des "kulturellen Mythos" griffen die Antragsteller nicht zu hoch. Die Initiatoren von der Künstlerzeche haben sich mit der "Vi-Vi"-Vorsitzenden auch schon in Dorsten und Gahlen umgesehen.

"Wir waren auch schon am Ruderverein", erzählt Angelika Krumat, dem einstigen Gahlener Lippehafen für die märkische Kohle. Sie überlegt, ob sich das Gymnasium Petrinum woll an den historischen Schauplatz seiner Ruderriege "einbinden" ließe. Geplant sei, so Jens Blome, "die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart mit den Mitteln von Literatur, Musik und bildender Kunst." Angelika Krumat ergänzt, Vorrang hätten Orte, "die draußen zu bespielen sind".

An einen Kohlenweg, auf dem sich vom 18. bis ins 19. Jahrhundert die Fuhrleute mit ihren Pferden oder Eseln über acht Stunden auf 30 "Straßen"-Kilometern abrackerten, will man zunächst nicht in Sälen oder Museen erinnern. Für die "Kunststraße" (gemeint war damit im preußischen Westfalen ein künstlich aufgeschütteter Dammweg) des Jahres 2010 nennt Dr. Elisabeth Kessler-Slotta im üppig illus-trierten und historisch dokumentierten Prospekt zum Antrag auch bereits Künstlernamen - aus der Region und von internationalem Rang. Gemeinsam sind ihnen, so die Bochumer Kunsthistorikerin, "künstlerische Strategien, denen der Umgang mit Naturmaterial und temporären Präsentationen eigen sind".

Konkreter: Der 80-jährige Bildhauer und 1972er Biennale-Teilnehmer Prof. Friedrich Gräsel aus Bochum zählt ebenso zu den genannten Künstlern wie der eine Generation jüngere Nol Hennissen aus Roermond oder Dai Goang Chen aus Koreas Metropole Seoul, der archaische Architekturen seiner Heimat in Werkstoffen aus heutigen Baumärkten nachbildet.

"Das heißt jetzt aber nicht", betont Angelika Krumat, "diese Künstler sind es". Vorerst illustrieren die Namen das angestrebte Niveau. "Es wird hohe internationale Qualität verlangt", wie Dr. Uwe Rüth vom Skulpturenmuseum Glaskasten sagte. Marls Beauftragter für die Kulturhauptstadt versicherte während der "Kulturstadt Dorsten"-Debatte von Virtuell-Visuell aber auch: "Man hat Chancen."

Eine Chance wollen die fünf Vereine längs des Gahlener Kohlenwegs unbedingt nutzen: "Wir wollen schon 2009 mit der Kunststraße herauskommen", sagt Angelika Krumat, "sonst gehen wir 2010 unter". Dem Büro der Kulturhauptstadt lagen - beim Stand letzter Woche - bereits 650 Projektanträge vor. Bis zum Stichtag 31. Oktober dürften es noch mehr werden. Immerhin: Mit der Künstlerzeche und drei weiteren Vereinen ist "Vi-Vi e.V." schon dabei.

Pottporus-Group sucht den Sucherstar

16.06.2007 / WAZ / HERNE

Mit einem Zuschuss für in Höhe von je 2 700 Euro können das Figurentheater Pappmobil, die Pottporus Group und die Künstlerzeche Unser Fritz/Helmut Bettenhausen rechnen. Der Kulturausschuss genehmigte das Geld für bestimmte Projekte, an denen die Künstler(gruppen) arbeiten.

So geht es beim Figurenthetaer Pappmobil um das Stück "Bin im Bett, Vater Rhein". Es ist eine Kulturtour und ein theatralischer Parforceritt durch die Sagen- und Mythenwelt des Landes, erzählt von Heinzelmännchen, Siegfried und den Nibelungen, der Loreley und Rübezahl. Geschichten, die zum Kulturgut gehören, aber drohen, in Vergessenheit zu geraten.

Ganz andere Wege beschreitet die Pottporus-Group mit "Augenklick - Herne sucht den Sucherstar". Mit einer Einmalkamera sollen Schüler ab der 7. Klasse aller Schulformen ihre ganz spezielle Sicht auf den Alltag in ihrer Stadt festhalten. Die Beiträge werden prämiert und ausgestellt. Die Pottporus-Group plant die diese fotografische Spurensuche als Pilotprojekt für eine revierweite Aktion im Kulturhauptstadtjahr 2010.

Um das friedliche Nebeneinander der Religionen geht es beim Projekt der Künstlerzeche Unser Fritz unter Federführung von Helmut Bettenhausen. Auf den Kuppeln des Bunkers am Cranger Kirmesplatz sollen zwei Stahlskulpturen aufgestellt werden: ein Halbmond als Symbol für den Islam und ein Kreuz für das Christentum.
Eine Migrationsausstellung, Lesungen mit dem Schriftsteller Herbert Somplatzki, Gespräche mit Migranten und Vertretern von beiden Religionen sollen das Projekt ergänzen.
Hei

Nur für "heroische Naturen"

13.06.2007 / WAZ / DORSTEN

Von Ralph Wilms

Dorsten / Gahlen. Ein rundes Jubiläum wird's nicht, wenn Dorstens Virtuell-Visuell e.V. im Verbund mit den anderen Kunstvereinen längs der 30 Kilometer bis Bochum eine historisch bedeutsame Trasse des Reviers künstlerisch beleben will: Im Jahr der Kulturhauptstadt 2010 wird der Gahlener Kohlenweg 244 Jahre alt.

Die Wanne-Eickeler Künstlerzeche "Unser Fritz" avanciert dann - wenn der Projektantrag im Essener "Hauptstadt"-Büro bewilligt wird - zum kreativen Scharnier einer Kunstroute (die WAZ berichtete kurz in ihrer Montagsausgabe), auf der 1766 die Pferde- und Eselskarren nur mühsam vorankamen. Acht Stunden brauchten die Fuhrwerke von Bochum durch den unbesiedelten Emscherbruch bis nach Gahlen: damals der Lippehafen der Kohlen-Spediteure. Bei Regenwetter wurde der Kohlen- zum Schlammweg und gänzlich unpassierbar.

Das Ruhrgebiet steckte noch nicht 'mal in den Kinderschuhen, war eher noch ein Wiegenkind, als der "Alte Fritz" 1765 eine Verordnung zur Einschränkung des Holzverbrauchs erließ, um den Absatz von Steinkohle zu fördern. Das westfälische Preußen litt noch an den Folgen des siebenjährigen Krieges. Bochum zählte ganze 36 bewohnte Häuser, 40 standen leer, fünf waren eingefallen.

Aber das Amt Bochum zählte auch 35 Kleinzechen, mit Belegschaften von höchstens zehn Bergleuten, als Friedrich der Große 1766 die "Revidierte Bergordnung für das Herzogtum Cleve, das Fürstentum Meurs und die Grafschaft Mark" erließ. Vom preußischen Westfalen an den preußischen Niederrhein sollte die Kohle - und weiter in die Niederlande. Die Ruhr kam als Transportweg nicht infrage. Mehr als 20 Mühlen- und Fischwehren blockierten den Schiffen die Durchfahrt. Nach 20 Umlademanövern wäre die weiche märkische Steinkohle zu Staub zerbröselt.

Im staatlichen Flickenteppich der vor-napoleonischen Ära hatte der Gahlener Kohlenweg - über Crange, die heutigen Gelsenkirchener Stadtteile Resse, Erle und Buer sowie Gladbeck und Dorsten - einen entscheidenden Vorteil für die königlichen Monopolisten der "Enterprise behufs Transports derer märkischer Kohlen": Die Karren knarrten auf den ganzen 30 Kilometern durch Preußen, die "Entrepeneurs" sparten Zollgebühren.

Die heutigen Bundesstraßen 226 und 224 führen heute über die Route des Gahlener Kohlenwegs, der auch als "märkischer Kohlendamm" firmierte oder als "Dorstener Chaussee". Die Wegeunterhaltung damals lag nicht bei "Straßen NRW", sondern bei den armen Bauern: Die stopften mit Sand, Bauschutt und alten Brettern, was die Regengüsse wegspülten. Der Gahlener Kohlenweg galt nach einem historischen Bonmot als so schlecht, dass sich nur "heroische Naturen" auf die Strecke wagen sollten.

Umso erstaunlicher erscheint die lange Nutzung der Transportroute, noch Jahrzehnte nachdem 1780 die Ruhr mit 16 Schleusen schiffbar gemacht wurde. 1843 zählte man in Gahlen die Rekordmenge von über 3500 Tonnen Steinkohle. Erst die Eisenbahn machte Fuhrwerke und Lippekähne überflüssig.

In Gahlen blieb das "Kohlhaus", Dienstwohnung und Büro der preußischen Beamten. Es wurde vor 35 Jahren für die Erweiterung des Wesel-Datteln-Kanals abgerissen. Am historischen Lippehafen residieren heute die Rudervereine an der Gahlener Straße.

Vom Stollen in den Wettertunnel

04.06.2007 / WAZ / HERNE

WAZ-THEMA EXTRASCHICHT
Samstagabend und Samstagnacht war das Ruhrgebiet auf den Beinen. Die "Extraschicht" lockte zu 40 Spielorten, wobei auch die Angebote in Herne mit tollen Ideen überzeugten: Lesungen im Förderturm, Furchterregendes im Kunststollen, hautnah drei Klimazonen erleben - eine Reise durch die Nacht der Industriekultur.

...zum Beispiel in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 an der Alleestraße. Im letzten Jahr hatten sich Fahrgäste gewundert, dass sie keine Spielstätte sahen und stiegen kurzerhand wieder in die Busse ein. Diesmal wurde die Haltestelle verlegt, so dass man die Zeche direkt erblickte. Das diesjährige Motto: "Alles aus Blech" oder auch alles vom Blech. Denn zu essen gab es Pizza und Kuchen frisch vom Blech.

"Blech ist einfach ein toller Werkstoff, der gut zu bearbeiten ist", erklärte Künstlerin Beate Matkey. Mit der Blechschere hat sie Deckel von alten Keksdosen mit Malerei zusammengestellt. Der außergewöhnlichste Ausstellungsort war dabei der etwa 1,50 Meter hohe "Kunststollen" - zwar nicht gerade für Hünen ausgelegt, aber ein geduckter Besuch schuf Atmosphäre. Feuchter modriger Geruch, schwarze Wände. Und gleich zu Beginn schreckten unheimliche Blechmasken von Marie White die Besucher auf. Dazu hallten schaurige elektronische Klänge durch den Stollen.

Äußerst pfiffig: Die deckellosen Blech-Keksdosen dienten an den Wänden als Teelichthalter, Konservendosen mit rosafarbenen Schals als Flamingos. "Echt toll!", wie eine Besucherin fand...
Von Thomas Majchrzak

Extraschicht produziert Blech

31.05.2007 / WAZ / HERNE

Schon zum zweiten Mal werden die Besucher der "Extraschicht" am Samstag, 2. Juni, in die Kellerräume der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 geführt. Diesmal haben sich acht Künstlerinnen und Künstler kein Thema, sondern ein Material zur Aufgabe gestellt: Blech. Und um die Ergebnisse zu zeigen, bietet sich der "Kunststollen" wieder mal besonders gut an.

Die Besucher müssen erst einmal vorbei an Beate Matkeys Wächter, einer gar nicht so furchterregenden Gestalt aus Blechteilen. "Verkettungen" hat Matkey ihre weiteren Objekte genannt, die Malerei und alte Ketten von Kauenkörben verbinden. Flamingos von Gitta Witzke und Masken von Marie Elizabeth White bilden einen überraschenden Kontrast zu den rohen Wänden der unterirdischen Ausstellungsräume. Birgit Poch und Peter Buchwald haben Blechbilder und Blechdrucke mit in die Ausstellung eingebracht. Als Gast zeigt der Mülheimer Künstler Friedbert Reihl zeichenhafte Objekte aus dünnen Blechen. "Ich habe noch 140 Kilo Blech im Atelier liegen", ergänzt Werner Ryschawy. Und das wird doch für eine Ausstellung reichen.
Gut behütet, mit einem blechernen Helm, werden die Besucher durch die Katakomben der Künstlerzeche geführt.

"Alles aus Blech" ist zunächst nur während der ExtraSchicht zu sehen. Ein ebenfalls "einmaliges" Erlebnis erwartet die Besucher am zweiten Herner Standort, dem Westfälischen Museum für Archäologie. Nur noch einmal, nämlich am Samstag, öffnet sich dann die Tür zur soeben beendeten Ausstellung "Klima & Mensch". Zwischen 18 und 2 Uhr stimmt der Eingangsbereich als eine exzentrische Klima- und Wetterzone die Besucher ein, die sich ab 19 Uhr jede halbe Stunde durch die Schau führen lassen können. Auch Andreas Kaisers künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema das "Herner Klimamodell" ist ein letztes Mal zu besichtigen. Geöffnet sind ferner Dauerausstellung und Forscherlabor. Kurzfilme und Dokumentationen im Museumskino führen in die archäologische Spurensuche ein. Ab 20 Uhr marschieren die "Walking Blue Prophets" durchs Haus - mit Jazz, Blues und Soul im Gepäck.

Tickets gibt es für 10 Euro (erm. 8 Euro) an den bekannten Vorverkaufsstellen oder für 14 Euro an der Tageskasse.
FH/ei

Ortsvereine feiern gemeinsam

28.04.2007 / WAZ / HERNE

In der Nacht von Montag (30.) auf Dienstag heißt es um Punkt 12: Der Mai ist gekommen! Erstmals veranstalten die SPD-Ortsvereine Baukau, Bickern, Wanne und Unser Fritz einen gemeinsamen Tanz in den Mai. Los geht's um 19 Uhr in der Künstlerzechne Unser Fritz. Star des Abends ist Hymnen-Sänger Frank Lindner. Für weitere Unterhaltung sorgt eine Square-Dance-Truppe. Die feiernden Gäste kommen gar in den Genuss eines extra eingerichteten Rücktransfers. So wird ein Bus ab halb eins stündlich die Haltepunkte Heerstraße, Buschmannshof und Am Berg anfahren. Restkarten für die Veranstaltung gibt es noch an der Abendkasse zum Preis von fünf Euro.

Crange 2010 auf Unser Fritz

20.04.2007 / WAZ / AUS DEM WESTEN

Herne. Kirmes und Kultur, das passt prima zusammen, meint die Stadt Herne und möchte den Besuchern der Cranger Kirmes 2010 ein besonderes Bonbon bieten: Mit dem Kulturschiff über den Kanal zur Künstlerzeche Unser Fritz zu fahren und dort über eine Kirmes mit historischen Karussells und Ständen bummeln zu können. "Unser Wunsch ist es, das größte Volksfest des Landes mit der Kulturhauptstadt 2010 zu verknüpfen", sagt Regina Stiehler-Hinz, die bei der Stadt Herne die Kulturhauptstadtprojekte koordiniert. "Dazu muss noch der Schaustellerverband ins Boot geholt werden und das Wasser- und Schifffahrtsamt, denn wir benötigen einen Anleger nahe der Künstlerzeche." Einen Vorgeschmack könnte es schon bei der Cranger Kirmes 2007 geben: Dann soll das Kulturschiff Rundfahrten auf dem Kanal unternehmen.
Hei

Eine Halle für die Kultur

20.03.2007 / WAZ / HERNE

Es bewegt sich etwas auf der ehemaligen Schachtanlage Unser Fritz: Nachdem die Stadt Herne im November die frühere Maschinenhalle von der RAG Aktiengesellschaft gekauft hat, will sie sie jetzt für 650 000 Euro umbauen und modernisieren lassen. Partner des Projekts ist der Förderverein der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3, der auf dem Gelände schon das ehemalige Kauengebäude als öffentliche kulturelle Begegnungsstätte unterhält. In der Maschinenhalle könnten Tanz und Theater eine neue Heimat finden. Mit dem Verein soll nach Abschluss der Renovierungsarbeiten ein ergänzender Vertrag abgeschlossen werden.

Gefördert werden soll der Umbau zum großen Teil aus Stadterneuerungsmitteln von Land und EU. Diese sind für "Bickern/Unser Fritz" in Höhe von 1,6 Mio Euro bereits 2004 als Paket bewilligt worden, bedürfen allerdings für jede Einzelmaßnahme noch der Zustimmung der Bezirksregierung Arnsberg. Bei einem Fördersatz von 90% könnten 585 000 Euro in Anspruch genommen werden, wie aus einer Verwaltungsvorlage hervorgeht, die am Donnerstag im Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung ihren Weg durch die Gremien antritt.

Dem Förderverein der Künstlerzeche soll die Halle mietfrei überlassen werden. Dafür muss sich der Verein verpflichten, die laufenden Betriebs- und Folgekosten zu tragen, so dass der Stadt Herne nach Bauende keine weiteren Kosten entstehen.

Die Maschinenhalle ist nach Auffassung der Stadt als "architektonisch sehr reizvolles industriegeschichtliches Relikt . . . für eine positive Entwicklung des Ortsteils unbedingt erhaltenswert". Flankiert werden soll der Umbau von einer Wiedernutzbarmachung einer unzugänglichen Außenfläche unter Einbeziehung des Zechenkünstler-Konzepts "Kulturgarten".
ei

Auszeichnung für Winfried Labus

12.03.2007 / WAZ / HERNE

Die Emschergenossenschaft hat im Rahmen ihrer Aktion "fotoprojekt emscher-zukunft" sechs Fotografen ausgezeichnet. Dazu gehört auch der Wanne-Eickeler Winfried Labus mit seiner Bilderserie "Grabeland". Diese präsentiert der 59-Jährige, der auch für die WAZ-Redaktion fotojournalistisch tätig ist, zurzeit in der Galerie der Wanne-Eickeler Volkshochschule im Haus am Grünen Ring. Noch knapp zwei Wochen, bis zum 23. März, sind dort die Bilder von skurrilen Bretterbuden eines Geländes zwischen der Thyssen-Halde und der Erzbahntrasse zu sehen. Sie dokumentieren die ganz alltägliche Kreativität der Menschen. Winfried Labus beschäftigt sich seit 40 Jahren mit der Fotografie, seit 1972 hat er sein Atelier und Fotolabor in der Künstlerzeche Unser Fritz. Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit ist neben der Spurensuche nach Kuriositäten und Vergessenem die Landschafts- und Ruhrgebietsfotografie.

Ein Dankeschön für die Anwohner

23.02.2007 / WAZ / HERNE

Es ging zwar erst um 19 Uhr los, doch die ersten Hungrigen warteten bereits lange vorher vor den Türen der Künstlerzeche: Das traditionelle Heringsessen lockte gut 500 Besucher auf die ehemalige Schachtanlage Unser Fritz II/III. Am Aschermittwoch standen 90 Dosen Fisch zur Verfügung, für den Fall, das die nicht ausreichten, hätten aber noch weitere nachgeordert werden können. Verdursten musste dank der zwei Zapfanlagen ebenfalls niemand. "Es muss auch keiner lange Schlange stehen", so Jens Blome, der als Vorsitzender des Fördervereins den Abend mitorganisierte. Fisch, Pellkartoffeln und Bier - das gastronomische Angebot lockte Vertreter von Politik und Verwaltung genauso an wie Herner Bürger und Künstler. Blome zeigte sich stolz: "Wir haben die ganze Bevölkerungsgruppe da, sind nicht elitär."

Bereits seit über 25 Jahren lädt die Künstlerzeche zum Heringsessen. Während sich die Gäste früher im Atelier von Helmut Bettenhausen trafen, finden die Empfänge heute im großen Veranstaltungsraum statt. Ins Leben gerufen wurde die Tradition, um den Anwohnern ein Dankeschön auszusprechen. "Die verhalten sich ja sehr tolerant", so Bettenhausen. je Heringe, Pellkartoffeln und Bier lockten zahlreiche Gäste nach Unser Fritz.

Gedankenspiele am Wasser

14.02.2007 / WAZ / HERNE
Von Ute Eickenbusch

Volles Haus in der Künstlerzeche Unser Fritz. Vier Stunden lang tagten am Montag 30 Kunstschaffende und Vertreter der Kulturverwaltungen aus zehn Ruhrgebietsstädten an einem Ort, der sich als Ankerpunkt für ihr gemeinsames Anliegen "Kulturkanal 2010" geradezu anbietet: Die Kunst soll am Wasser bauen - auf 45 Kilometern am Rhein-Herne-Kanal zwischen Duisburg und Datteln.

Es war das dritte Treffen der Anrainerstädte, die diesmal den Stand ihrer Projekte darlegten, initiiert vom Herner Kulturbüro mit Unterstützung der Herner Kommunikationsagentur "Go Between". Während sich Herne bekanntlich frühzeitig auf diverse Projekte rund um den Kanal verständigt und diese auch schon vorgestellt hatte, legten andere Städtevertreter erstmals Erfahrungen wie Gedankenspiele rund um das Wasser dar.

Für die Gastgeberstadt stellten Falko Herlemann und Michael Kade ihr modifiziertes Konzept "Alles fließt" vor, an dem sich Recklinghausen mit seiner Kunsthalle als Ausstellungsort beteiligen will. Mit Wilhelm Rossburg, ehemals Mitarbeiter des Wasser- und Schiffahrtsamtes Duisburg-Meiderich, kam ein Herner Kenner des Kanals zu Wort. Meike Eilts beleuchtete als Vertreterin ebendieser Behörde Historie und aktuelle Planungen, während die Emschergenossenschaft die eigenen Überlegungen zur Kulturhauptstadt ("emscher:reloaded") erläuterte. Klar wurde: Die Flächen zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal sind Schnittstellen für beide Projektansätze.

Erfahrungen aus Projekten rund um das Wasser konnte auch "Fluss-Stadt-Land" weitergeben, ein Zusammenschluss von 17 Städten und zwei Kreisen des Ruhrgebiets, der sich die Wasserstraßen zum zentralen Thema gemacht hat. Auch der ADFC Herne war vertreten, den der Kanal unter freizeittouristischen Aspekten interessiert.

Der aufschlussreiche Überblick habe allerdings eines offenbart, bekannte gestern Regina Stieler-Hinz als Kulturhauptstadt-Verantwortliche des Herner Kulturbüros: "Das Potenzial ist so vielfältig, dass noch eine klare Linie herausgefiltert werden muss." Zu diesem Zweck soll sich ein Gremium finden, das die mit Enthusiasmus gestartete Zusammenarbeit in präsentable Bahnen lenkt und Leitprojekte zum Rhein-Herne-Kanal auswählt. Der "Qualitätsanspruch", sagt Stieler-Hinz, sei dabei unbedingt zu beachten. FH

Herne als zentraler Drehpunkt

19.01.2007 / WAZ / HERNE

Das Ziel des Abends, da waren sich die Besucher einig, wurde erreicht. Kunst und Kultur könnten den Umbau der Emscher "erlebbar" machen, nicht zuletzt deshalb sei die Rückgewinnung des Flusses als Thema in der Bewerbung um den Kulturhauptstadttitel als "reales Beispiel für die Botschaft ,Wandel durch Kultur - Kultur durch Wandel' benannt" worden, heißt es von Seiten der Emschergenossenschaft. Die Tanz-Performance Upgrade, die nun in der Künstlerzeche aufgeführt wurde, konnte diesem hohen Anspruch gerecht werden. Auch Kulturdezernentin Gudrun Thierhoff zeigte sich angetan von der Darbietung. "Es wurde wiedergegeben, was mit dem Emscherumbau erreicht werden soll." Essen, Herne, Dortmund - drei Orte, drei Aufführungen. Dieses Konzept überzeugte auch Thierhoff. Schließlich sei Unser Fritz der zentrale Drehpunkt der Veranstaltungsreihe gewesen.

Kunstschaffende aus Ungarn, der Türkei und Deutschland hatten sich zusammengetan und im Rahmen eines Workshops das Projekt geschaffen, dessen Uraufführung zahlreiche Besucher in die weißgestrichene Schwarzkaue lockte. Die Darbietung untergliederte sich in drei Akte. Dabei spielten die Akteure geschickt mit Licht und Schatten, Musik und Stille, Bewegung und Stillstand. Während die Tänzerin im ersten Abschnitt des Programms eine Leiter emporkletterte, erklang das Geräusch plätschernden Wassers. Assoziationen vom Bach bis hin zum frischgezapften Bier drängten sich auf, je nach Stimmung des Beobachters. Diese Bedächtigkeit wurde alsbald von atonalen, lauten Klängen abgelöst, die eher an industrielle Geschäftigkeit erinnerten. Im dritten Abschnitt agierte die Künstlerin dann mit Wasserrohren. Die Darbietung wurde abgeschlossen, als sich plötzlich das Tor der Kaue öffnete. Der Zuschauerraum leerte sich zwar schnell, schließlich war der Shuttlebus nach Dortmund bereits abfahrtbereit. Dennoch blieb nicht nur bei Gudrun Thierhoff hängen: "Das Zusammengehörigkeitsgefühl im Ruhrgebiet wurde gestärkt." je Der Auftritt der Tänzerin Andrea Mendez Torres zog die Zuschauer in ihren Bann. Er war Teil einer internationalen Zusammenarbeit von Künstlern aus drei Ländern.


Kanal-Arbeiten für 2010 KULTURSCHIFF/ KULTURHANSE ALLES FLIESST Picknickareale Großfotos KULTURGARTEN

07.03.2007 / WAZ / HERNE

Seit die Stadt Herne Ende März 2006 ihre Projektbeiträge offiziell in Essen beim Kulturhauptstadtbüro eingereicht hat, hat sich einiges bewegt. Zehn Anrainerstädte des Rhein-Herne-Kanals haben sich inzwischen dreimal in Herne getroffen, um sich über ihre jeweiligen Projektideen in Kenntnis zu setzen und abzustimmen. Ihre gemeinsame Vision ist ein Kultur-Kanal, der sich auf 45 Kilometern von Duisburg bis nach Datteln erstreckt. Herne will sich dabei nach jetzigem Stand der Dinge mit den folgenden Projekten einbringen. Ein Überblick:

Patrick Praschma, Chris Wawrzyniak
Das Kulturschiff "Friedrich der Große" brach bereits im Mai 2006 zur Jungfernfahrt auf. Weitere Fahrten des Kulturbo(o)tschafters der Herner Kunstschaffenden sollen folgen. Denkbar sind Veranstaltungen wie Konzerte, Theater, Lesungen, Kino oder Partys an Bord einerseits und andererseits die Nutzung des Schiffes als Verkehrsmittel. Im kleineren Rahmen zur Verbindung innerstädtischer Ziele, im großen zur Vernetzung mit der Kulturhauptstadt Pecs in Ungarn - über den Rhein, Main und die Donau. Zehn Künstler unterschiedlicher Genres sollen mit auf die Reise gehen. Inspiriert durch die durchfahrenen Landschaften beginnen sie an Deck ihre Arbeiten: Installationen, Texte, Grafikarbeiten, Kurzfilme, Geschichten, Musik und Objekte. Ein Blog dokumentiert den Prozess. In Wien ist Halbzeit-Camp, in Pecs werden die Ergebnisse präsentiert. Das ungarische Künstlerkollektiv "syrup" ist bereit, die Rückfahrt anzutreten. Das Projekt ist auf 50 Tage angelegt.

Michael Kade und Falko Herlemann
Kunst mit Wasser am Wasser: Künstlerinnen und Künstler sind eingeladen, den Kanal mit seiner Umgebung zu erkunden. Sie reagieren auf den historischen Ort mit seinen Resten der Montanindustrie und der Umwandlung in ein Naherholungsgebiet. Standorte können Uferzonen, Industriebrachen, Brücken, Nebenarme und Hafenflächen sein. Ein Rahmenprogramm begleitet die Ausstellung. Unter dem Dach von "Alles fließt" haben zwei Projekte bereits frühzeitig Gestalt angenommen: Die Picknickareale von Beate Matkey und Brigitte Kraemers Großfotos.

Beate Matkey Von Beate Matkey künstlerisch gestaltete Picknickareale laden zum Verweilen am Kanal ein. Im Grüngürtel neben den Radfahrwegen wird auf einen Sockel mit der Fläche 2 x 3 Meter eine Acrylglasplatte als Bildträger montiert. An den Längsschenkeln dienen Betonsockel als Sitzflächen. Unter Leitung der Künstlerin wirken Kinder, Jugendliche und Erwachsene an der Gestaltung mit. Über Themen wie Sport, Religion, Migration, Umwelt oder Arbeit sollen sich die Kulturen annähern.

Brigitte Kraemer
Die in Wanne-Eickel lebende Fotografin Brigitte Kraemer hat mit ihrem Fotoband "Am Kanal" das Leben der Menschen am Rhein-Herne-Kanal dokumentiert. Mit Großfotos wird das Leben an den Kanal zurückgebracht. Standorte sind Brücken, Unterführungen oder Freiflächen an den Uferzonen.

Künstlerzeche Unser Fritz
Auf der Grünfläche hinter der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 soll ein Kulturgarten entstehen: ein "englischer" Landschaftspark mit einzelnen Bäumen und Baumgruppen. Die Künstler des Fördervereins der Zeche wollen mit Unterstützung weiterer Kunstschaffender das Areal beleben. Gedacht ist u.a. an Baumhäuser für Kinder und Jugendliche, verbunden durch Klettersteige. Betonskulpturen, Kanalsitzbänke, eine Obstbaumallee sind weitere Ideen. Künstlerzeche und das im letzten Jahr erworbene Maschinenhaus erfahren auf diese Weise eine Aufwertung. Das Gelände soll vom Kanal aus erreichbar sein, wo darüber hinaus eine Anlegestelle für das Kulturschiff eingerichtet werden könnte. Picknickareale en miniature: Ende März des vergangenen Jahres stellte die Stadt Herne ihre Beiträge zur Kulturhauptstadt 2010 in den Flottmann-Hallen vor. Beate Matkey will große Acrylglasplatten am Kanalufer installieren.

Englischer Garten am Kanal

12.12.2006 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE
Von Ute Eickenbusch

Ein englischer Landschaftsgarten auf der Emscherinsel am Rande des Rhein-Herne-Kanals. Das klingt nach einer Utopie und ist doch mehr als Phantasterei: Der Förderverein der Künstlerzeche Unser Fritz hat ein Projekt konzipiert, das die Stadt Herne - neben den bekannten - für die Kulturhauptstadt 2010 ins Rennen schicken will. "Kulturgarten Unser Fritz 2/3" heißt es, ein Umgestaltungskonzept für das Außengelände am Grimberger Feld.

Die Künstlerzeche Unser Fritz hat sich als Ort der Kultur etabliert. Im wesentlichen aus eigener Kraft leistet der Förderverein in dem seit 2002 sanierten Beamten- und Kauengebäude eine anerkannte Kulturarbeit, die sich durch eine Gestaltung des Außengeländes abrunden ließe. Die Idee ist, die große Grünfläche hinter den Gebäuden bis in die östliche Spitze für Freizeit und Kultur zu öffnen.

Zwischen Bäumen und alten Baumgruppen behindern heute Unterholz und junge Bäume den Zugang zum Gelände. "Denkt man sich die Gehölze weg, ergibt sich das Bild eines englischen Landschaftsparks mit einzelnen Solitären, Baumgruppen und Sichtachsen, welcher nur mit Wiesenflächen ergänzt werden müsste", formulieren Helmut Bettenhausen, Jens Blome und Lutz Kahnwald in ihrem Konzept.

Wo einst Barackenlager die ersten Gastarbeiter beherbergten, könnten Szeneflächen für archaische Architekturen und Skulpturen entstehen. Auf alten Wegeflächen sollen die Bürger spazieren, rasten oder spielen. Kinder und Jugendliche vergnügen sich derweil in Baumhäusern, die Zechen- und Gastkünstler für sie bauen wollen - "eine Erlebniswelt, abgehoben von der Erde", verbunden durch Klettersteige wie Seilbrücken. Eine Obstbaumallee ("Vitaminkreuz") könnte den jugendlichen Nutzern darüber hinaus die Natur mit ihren Früchten (be)greifbar machen. Die Brücke über den Kanal ist ebenfalls in die Planungen einbezogen. Beteiligen wollen sich neben den genannten auch Künstler wie Peter Grzan und andere.

Die Kulturpolitiker nahmen in ihrer letzten Sitzung das Konzept bereits wohlwollend zur Kenntnis. Zurzeit gehört die Fläche noch der Montan Grundstücksgesellschaft MGG, doch man sei "am Ball", sagt Stadtsprecher Gerd Werner. Unterschrieben ist derweil schon der Kaufvertrag für das leer stehende Fördermaschinenhaus. Der Förderverein hat vor, es (in saniertem Zustand) als Kalthalle für Kultur und Begegnung zu nutzen und damit das Ensemble um ein weiteres Element zu ergänzen. Zwar sei die Finanzierung noch nicht abschließend geklärt, so Werner, doch "wir hoffen, 2007 mit den Baumaßnahmen beginnen zu können". Maschinenhalle gekauft Grünfläche öffnen Noch steht die Maschinenhalle leer. Der Förderverein Unser Fritz ist an einer Nutzung interessiert.
FH

Künstler sehen Rot

06.12.2006 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Die Künstler der Künstlerzeche Unser Fritz verbanden den diesjährigen Tag der offenen Tür mit einer Sonderausstellung: Sie trägt den Namen "Die Zeche sieht Rot" und bietet beeindruckende, lustige und kreative Ideen rund um die Farbe der Liebe.

Zum ersten Mal hatten sich die zwölf Zechenkünstler ein gemeinsames Thema gesetzt. Ein dreiviertel Jahr lang stellten sie Kunstwerke zusammen oder erstellten neue. Beate Matkey hatte sich auf Spurensuche nach roten Elementen rund um das alte Zechengebäude an der Alleestraße begeben. Sie lichtete zum Beispiel rote Fensterrahmen ab. Als Ergebnis präsentiert Matkey zum einen die direkten Fotografien und zum anderen daraus abgeleitete Malereien in Form von Montagen.

Winfried Labus hatte eigens zehn Säcke rotbraunes Laub in sein Atelier geschüttet, weil es in der Regel doch allzu klinisch sauber wirke. "Geniale Idee", kommentierte Besucherin Siegrid Arzbächer aus Herne. Die ersten Besucher trauten sich am Sonntag aber nicht über das Blätterkunstwerk auf dem Boden, worauf Labus selber einen kleinen Gang mit den Füßen freischaufelte. Laub und zwei moosbewachsene Äste schaffen ein herbstliches Ambiente zu Fotografien einer verwilderten holländischen Parkanlage: halbfaule Bäume, eingerissene Rinden und ein Paar Wildpferde. In der alten Schwarzkaue zeigt Labus zudem große Fotografien auf Leinwand, etwa Papageientulpen - eine Mischung aus fotografischem Realismus und malerischer Kunst.

Werner Köntopp stellt ebenfalls Fotografien aus (roter Gleitschirm, roter Luftschirm in Bärenform), setzt aber gleichzeitig auf ein figürliches Kunstwerk: ein grünes Holzkreuz wie ein Weihnachtsbaumständer, auf dem rote Holzlatten wie Zweige angeordnet sind.

Denn obwohl das rote Thema nicht speziell weihnachtlich sein soll, kamen die Künstler nicht am ersten Advent vorbei. So zieren Teelichter in roten Zylindern die Stehtische in der Schwarzkaue, dazu kommt ein roter Lichtstrahler und eine vier mal vier Meter große Projektion eines Kaminfeuers an der weißen Wand.

Der "Sparbaum" von Marie Elizabeth White besteht aus einem Plastiktannenbaum, an dem Sparbücher hängen. In diesen stehen Sprüche wie "Ohne Knete keine Fete" oder "Geld bringt Gunst, aber nicht Kunst".

Lutz Kahwald war beim Aufräumen über einen alten Feuerlöscher gestolpert - noch original aus der Zeche Unser Fritz 2/3. Den Löscher arrangierte Kahwald auf einem Liegestuhl und ließ ihn ein wenig Campari Soda "einsaugen". Zwei Steckdosen mit roter Kappe an der Wand versah Kahwald mit einem schwarzen Rahmen - fertig war "Rotkäppchen und ihre Cousine".

In der etwas kleineren Weißkaue warten z.B. noch Arbeiten von Helmut Bettenhausen: 15 rote Rosen in rostigen Behältern und Teller mit roter Grütze und schwarzen Löffeln ("Große Koalition")

Angesichts dieser frischen Ideen blieb die eigens eingerichtete "Beschwerdestelle" in einem roten Holzhäuschen am Eröffnungstag eher unfrequentiert. tm Kreative Töchter: Vivien (10, links) und Xenia (8) malten am Sonntag im Atelier ihrer Mutter Birgit Litsch, die wie ihre Künstlerkolleginnen und -kollegen der Künstlerzeche am Kanal Interessierten ihre Räume und Arbeiten zeigte. FH

Unser Fritz sieht rot

02.12.2006 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Es ist wieder so weit: Alle zwölf Mitglieder der Ateliergemeinschaft der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 laden am Sonntag zu einem Besuch ihrer Ateliers ein. Sie sind bereit, den Gästen einen Einblick in ihre Räume zu geben und mit ihnen über ihre Kunstwerke zu diskutieren. Aber in diesem Jahr hat sich die Ateliergemeinschaft noch etwas Besonderes ausgedacht: "Die Zeche sieht rot" heißt die Ausstellung, die von den Künstlerinnen und Künstlern eigens für diesen Tag entwickelt wurde.

Ulla Potthoff und Jürgen Buhre haben Bilder ausgesucht, in denen das Rot dominiert. Peter Buchewald hat seine schwarz-weiß Fotografien mit roten Übermalungen versehen. Die Fotografen Winfried Labus und Werner Köntopp haben sich auf eine Spurensuche nach Rot begeben. Und sie sind fündig geworden: Bei dem einen sind es rot blühende Blumen, bei dem anderen sind es rot gestrichene Teile von Schiffen und Häfen.

Andere Künstler haben das Thema ein wenig ironisch gesehen. Marie Elisabeth White hat einen kleinen grünen Tannenbaum mit roten Sparkassenbüchern dekoriert. Und bei der Installation "Die große Koalition" von Helmut Bettenhausen muss man den roten Wackelpeter mit schwarzen Löffeln auslöffeln.

Da muss nicht alles jedem gefallen. Aber auch dafür haben die Künstler vorgesorgt: Gitta Witzke hat in einem roten Holzhaus eine "Beschwerdestelle" eingerichtet. Da geht es hin, wenn einer der Besucher mal rot sieht.

Es ist eine witzige und vielfältige Ausstellung, die von Rot als künstlerischem Gestaltungsmittel bis zu Rot als symbolischer Farbe reicht. Die Ausstellung und die Ateliers können Sonntag von 11 bis 18 Uhr besichtigt werden. Die Ausstellung ist noch nächste Woche Mittwoch und Samstag, 15-18 Uhr, und Sonntag, 11 bis 17 Uhr, zu sehen.
FH

Kulturkanal nimmt Kurs 2010 auf

04.11.2006 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Hernes Kulturdezernentin Gudrun Thierhoff hatte eingeladen - und viele kamen. Vertreter der Anrainerstädte des Rhein-Herne-Kanals trafen sich zu einem ersten Vorgespräch über die Zusammenarbeit für die "Kulturhauptstadt Ruhr 2010" in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3.

Die Kulturbeauftragten der Städte Waltrop, Datteln, Gelsenkirchen, Castrop-Rauxel, Oberhausen, Duisburg, Bottrop, Essen und Recklinghausen signalisierten ihr Interesse an einer städteübergreifenden Zusammenarbeit. Erste Schritte wurden besprochen, wie aus dem Rhein-Herne-Kanal für das Jahr 2010 ein 46 Kilometer langer, städteverbindender "Kulturkanal" werden kann. Dadurch soll ein nachhaltiger Prozess in Gang gesetzt werden, der für den Tourismus und den Strukturwandel der Region förderlich ist. Alle Teilnehmer bekräftigten, dass sie in dem beschworenen Rahmen "Kulturhauptstadt Ruhr 2010" eine enorme Chance für die Städte und Bürger der Region sehen und diese Chance nicht ungenutzt vorbeiziehen lassen wollen.

Wie sich bei dem ersten gemeinsamen Gespräch herausstellte, zeichnen sich bereits mögliche Anknüpfungspunkte bei einzelnen Projekten ab. Ziel der gemeinsamen Initiative wird sein, über eine simple Addition hinaus, die geplanten Projekte zu einem nachhaltigen Ganzen zu vernetzen. Um die gemeinsame Arbeit zügig voranzutreiben, damit Anfang 2007 bereits ein präsentables Gesamtkonzept bei der Kulturhauptstadt GmbH vorgelegt werden kann, ist ein weiteres Initiativtreffen noch in diesem Jahr in Herne geplant. Wünschen sich einen "Kulturkanal": Regina-Dolores Stieler-Hinz, Peter Weber (beide Fachbereich Kultur Herne), Jürgen Düding (Kulturbüro Castrop-Rauxel), Gerd Heinemann (Kulturamt Bottrop), Falko Herlemann (Künstlervertreter aus Herne), Apostolos Tsalastras (Kulturdezernent Oberhausen) und die Herner Kulturdezernentin Gudrun Thierhoff.

Rost im Quadrat

03.11.2006 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Es ist in den letzten Jahren ein wenig still geworden um den Herner Künstler Helmut Bettenhausen. Der Mitbegründer legendärer Künstlergruppen wie "B1" oder "gerade" und Initiator der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 hat sich ein wenig aus den aktuellen Kunstgeschehen zurückgezogen. Jetzt stellt die Galerie Wurm ganz neue Arbeiten vor.

Angeregt durch seine Ausstellung im Industriemuseum Henrichshütte Anfang des Jahres, hat Helmut Bettenhausen ein altes Thema wieder neu aufgenommen: die Auseinandersetzung mit Rost als Farbe und dem Quadrat als Form. Und Helmut Bettenhausen ist sich treu geblieben. In seinen neuen Arbeiten hat er 60 mal 60 cm große Eisenbleche der Witterung ausgesetzt und rosten lassen. So entstanden schon in sich strukturiere Oberflächen. Anschließend wurden diese Platten mit Säuren geätzt, so dass sich fließende Strukturen formten. "Es ist eine Art gesteuerter Zufall", sagt Galeristin Marlen Wurm. Mal wird die Fließrichtung sehr deutlich, mal erscheinen dynamische Linien und Schwünge, mal kleinteilige krustenartige Verdichtungen, mal bildfüllende Kontraste. In einigen der Arbeiten meint man aber auch Gesichter und andere Formen zu erkennen. Aber das liegt dann ganz in der Phantasie des Betrachters. Denn Bettenhausen ist sich seiner Tradition der Konstruktiven Kunst auch in den neuen Arbeiten sehr bewusst. Einige Platten hat er mit der Flex eingeschnitten oder hat kleine Quadrate aus ihnen herausgetrennt. Geometrische und konstruktive Elemente stehen so gegen die bewegte Oberflächenstruktur.

"Ich freue mich ganz besonders, diese neuen Arbeiten als Erste zeigen zu können", stellt Marlen Wurm fest. Sie kennt Helmut Bettenhausen seit den 1960er Jahren und hat über die ganze Zeit immer wieder seine Arbeiten ausgestellt. So verwundert es nicht, dass die Galeristin in einigen Arbeiten Formen entdeckt, die schon in ganz frühen Zeichnungen des Künstlers auftauchen. Bettenhausen hat mit der sehenswerten Ausstellung wieder einmal gezeigt, dass mit ganz einfachen industriellen Mitteln spannende Kunstwerke schaffen lassen. Zu sehen sind die neuen Arbeiten in der Galerie Wurm bis Ende des Jahres. Öffnungszeiten di-fr 10-13, 15-18 Uhr, sa 10-13 Uhr.

Pottporus = Energie

28.10.2006 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Von Kai Wiedermann

Vor einem Jahr wurde es geboren, das Pottporus-Festival. Es trägt den englischen Untertitel "Urban Street Art", was so viel bedeutet wie Kunst, die von der Straße kommt. Das Festival soll Raum bieten für Wildes und Innovatives, für junge Kunst, die gegen den Strom schwimmt. Pottporus beginnt am Freitag, 3. November.

"Das Kind ist geboren, jetzt muss es wachsen", sagt einer der Festival-Macher, Zekai Fenerci, im Gespräch mit der WAZ. Bis zum Kulturhauptstadt-Jahr 2010 sollen sich Veranstalter und Teilnehmer beschnuppern, ihre Zusammenarbeit testen und verbessern. Pottporus soll Teil werden des Hauptstadt-Programms. Darüber hinaus will es sich etablieren als Präsentierteller für internationale, experimentelle Alltagskunst.

"Das Festival ist unsere Herzensangelegenheit. Und es ist eine Ansage an die Hochkultur", so Fenerci. Der etablierte Kunstbetrieb solle darüber ins Grübeln geraten, ob er genug für die Förderung des Nachwuchses tue. Oder ob er sich nicht längst nach unten hin abgeschottet habe. "Es gibt viele junge, gute Künstler, die sich in Deutschland nicht mal präsentieren können", sagt Pottporus-Sprecher Kurt Schrage. Talente müssten oft erst ins Ausland gehen, um sich zeigen zu können. "Haben sie Erfolg, holt man sie für viel Geld zurück. Das ist doch Wahnsinn", meint Schrage.

Mit ihrem Festival wollen die Pottporus-Macher den Spieß umdrehen. Sie laden die Aktiven der internationalen Off-Szene ein, sich in Herne zu zeigen. Die Teilnehmer 2006 kommen aus Deutschland, Italien, den USA, aus Frankreich oder Holland. "Wir wollen Energien in Deutschland behalten", sagt Fenerci. Deutschland und das Ruhrgebiet hätten genug künstlerische Innovationskraft. Man müsse sie nur einmal zulassen.

Das Pottporus-Programm 2006 besteht aus sechs Veranstaltungen und endet am 12. November. Im Mittelpunkt steht auch diesmal die in der HipHop- und Breaker-Szene etablierte Ruhrpottbattle. Sie findet zum achten Mal in Herne statt. Darüber hinaus gibt es Einblicke in die so genannte Straight Photography, Tanz-Workshops an Schulen, Film- und Videoclip-Wettbewerbe und ein Zusammentreffen des Skulpteurs und Malers Christoph Platz mit Mitgliedern der Graffiti-Szene. Veranstaltungsorte sind die Künstlerzeche Unser Fritz und die Flottmann-Hallen. Das preisgekrönte Bild von Evelyn Kwasny zeigt eine Frau nach dem Powerlifting. Die Wanne-Eickelerin gehört zur Photo-Brut-Gruppe und stellt in der Künstlerzeche aus.

"Fremdenhass muss aufhören"

09.10.2006 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Bisher war das Konzert unter "Rock gegen Rechts" mit dem Zusatz "bunt statt braun" gelaufen. In diesem Jahr wählten die Jusos den allgemeineren Namen "Stageday" (Bühnentag), was sie später bereuten: Schließlich zog die NPD erst im letzten Monat in den Landtag Mecklenburg-Vorpommerns ein. Das war Anlass genug, neue Zeichen gegen Rechts zu setzen. Daher hingen am Samstag doch noch Plakate mit der Aufschrift "Rock gegen Rechts" und "Fremdenhass muss aufhören" in der Künstlerzeche.

Was die Musiker betrifft, lautete das Motto: "Ihr habt das Talent, wir haben die Bühne." Sven Steinbach, stellvertretender Vorsitzender der Herner Jusos, meint zwar, dass die Künstlerzeche etwas "abseits vom Schuss" ist, hält den Raum jedoch für ideal. So sollten insbesondere junge Nachwuchsbands die Möglichkeit haben, (ohne Gage) vor größerem Publikum aufzutreten.

Was die Musiker betrifft, lautete das Motto: "Ihr habt das Talent, wir haben die Bühne." Sven Steinbach, stellvertretender Vorsitzender der Herner Jusos, meint zwar, dass die Künstlerzeche etwas "abseits vom Schuss" ist, hält den Raum jedoch für ideal. So sollten insbesondere junge Nachwuchsbands die Möglichkeit haben, (ohne Gage) vor größerem Publikum aufzutreten.

In den vergangenen Jahren rockten ausschließlich Musiker aus Herne, diesmal zählten dazu lediglich "Sternkin", die übrigen Bands kamen aus dem gesamten Ruhrgebiet: "Tommy Finke", "my own sense", "dead bodies found at solstice" und "simon ritchie bluegrass ensemble".

Das Konzept der auswärtigen Bands ging allerdings nicht auf, es kamen weniger Zuhörer als im letzten Jahr. Heimische Musiker ziehen offensichtlich mehr Fans an. Zudem markierte "Sternkin" aus Herne den Höhepunkt des Abends. Ihr Schlagzeuger konnte zwar nicht kommen, weshalb die Band nur zu dritt auftrat. Dafür spielte sie ganz ohne Elektrik, rein akustisch - in einer Weise, die viele Besucher beeindruckte. "Sternkin" sorgte dabei für ruhige Klänge, eine Abwechslung zu den eher fetzigen Rockstücken der anderen Bands. "Dadurch bieten wir ein breites Spektrum", sagte der Juso-Vorsitzende Jens Rehwinkel, der im letzten Jahr noch selber auf der Bühne stand. Diesmal hörte er nur zu: Seine derzeitige Band ist noch nicht reif für Auftritte.

Juso Lutz Hammer machte in seinem Aufgabenbereich dagegen einen Fortschritt: Als eifriger Grillmeister verkaufte er diesmal nicht nur simple Bratwürste, sondern zahlreiche Portionen Currywurst mit Pommes.
Gut vier Stunden nach Konzertbeginn hatten Besucher auch die letzten Currywürste vertilgt, und die "dead bodies found at solstice" gaben bei schimmernd-rötlichem Licht gegen 22 Uhr die letzte laute Vorstellung des Abends für die 40 verbliebenen Rockfans. tm Für vier Stunden verwandelte sich die Künstlerzeche in einen Rockpalast: Gruppen wie "Dead bodies found at solstice" setzten bei der Juso-Veranstaltung damit auch ein Zeichen gegen Rechts.

Hoffen auf zahlreiche Nachahmer

04.10.2006 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Ambiente und Ausstellung ergänzten sich an diesem Tag prächtig, der graue Himmel und das dunkel schimmernde Wasser gaben den nachdenklichen Fotografien einen angemessen melancholischen Rahmen. Helmut Bettenhausen wählte als Motiv meist Stillleben, sie behandeln die industrielle Entwicklung des Reviers. Die Fotos seien Dokumentationen, sagt der Künstler. Der Kohlenpott liegt Bettenhausen am Herzen, "ich bin hier zuhause, ich will das Thema künstlerisch umsetzen." Neben der Kokerei Prosper in Bottrop, dem Schiffshebewerk Henrichenburg oder dem Gasometer in Oberhausen rückte der Fotograf Wanne-Eickeler Motive in den Blickpunkt. Dazu nutzte er die Brücke auch als natürliche Erhebung, er bemühte sich um Authenzität bei der Platzierung der Werke. Somit konnte der Betrachter ein Abbild der Zeche Pluto-Wilhelm betrachten, während sich im Hintergrund die Vorlage, also der reale Förderturm, zeigte. Weitere Schauplätze waren die Zechen Unser Fritz und Consolidation oder der Kohlenhafen.

Bettenhausen hielt seine Werke in schwarz-weiß, fotografierte die Objekte in hartem Licht. Meist sind Schornstein, Bergwerk oder Lore nur in der Silhouette zu erkennen, während ein stechend weißer Gegenstand einen Kontrast zur Industrieanlage bildet. Auf den meisten Bildern bildet ein Stuhl diesen Kontrastpunkt. Das Möbelstück habe nicht als Sitzgelegenheit für den erschöpften Künstler, sondern als Wiedererkennungsmerkmal fungiert. Durch die Variation der Position des Stuhls in der Szenerie "konnte ich das Bild selbst gestalten", sagt Bettenhausen.

Mit der Bilderschau könnte eine "Schönwetter-Galerie" entstehen. Bettenhausen hofft, dass seine kreativen Kollegen von der benachbarten Künstlerzeche es ihm gleich tun und bereit sind, ihr Schaffen außerhalb von Galerien und Museen zu präsentieren.
je

Kunst unter Polizeischutz

05.09.2006 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Neun Künstlerinnen und Künstler der Zeche Unser Fritz stellen ihre Arbeiten im Europaparlament vor.
MdEP Dr. Renate Sommer knüpfte Kontakt zur Ateliergemeinschaft und begrüßte sie in Brüssel

Man muss schon seinen Ausweis mit sich führen, um zu der neuen Ausstellung der Ateliergemeinschaft der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 zu gelangen. Es geht unter den Augen von schwer bewaffneten Polizisten durch strenge Sicherheitskontrollen. Welchen Ort haben sich die Künstler da für eine Ausstellung ausgesucht? Es ist das Europaparlament in Brüssel. Neun Künstlerinnen und Künstler der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 zeigen dort "Neue Arbeiten".

Es ist keine Ausstellung, die für ein "normales" Publikum gemacht ist, sondern eine für die vielen Abgeordneten aus den europäischen Mitgliedsländern und deren Referenten. Und natürlich verirrt sich auch immer mal wieder eine Besuchergruppe, die das Schalten und Walten der Volksvertreter begutachten will, in das große Haus.

Die Herner Künstlerinnen und Künstler haben den Ort und den Zeitpunkt ihrer Präsentation gut gewählt. Direkt gegenüber den zahlreichen Postfächern der Abgeordneten haben sie sich mit Stellwänden eine Nische geschaffen, die ihre Werke aufnimmt. Und das Ende der Parlamentsferien bringt die Abgeordneten alle wieder ins Haus. Schon bei der Eröffnung konnte man zahlreiche Interessierte sehen, die kurz oder auch lang mal stehen blieben, um einen Blick auf die Kunst zu werfen. Und diesmal ist die Auswahl der Arbeiten auch besonders gut gelungen. Da gibt es dokumentarische Fotografien mit Motiven unserer Industrieregion von Werner Köntopp direkt neben malerisch wirkenden Landschaftsfotos von Winfried Labus. Die großen Malereien von Gitta Witzke machen schon von weitem auf die Ausstellung aufmerksam. Ulla Potthoffs intime Materialarbeiten und Mary Whites collagehafte Bilder erschließen sich hingegen erst in der unmittelbaren Nahsicht. Beate Matkeys und Birgit Litschs Bilder setzen farbige Akzente, Jürgen Buhre und Werner Ryschawy strukturierten mit ihren Objekten den Raum zwischen den Stellwänden.

Die Künstlerinnen und Künstler haben extra für die Ausstellung einen kleinen Flyer in Deutsch und Englisch produziert, der über ihre Arbeiten und die Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 informiert. Unterstützt wurden die Herner Künstler und Künstlerinnen durch die Europaabgeordnete Dr. Renate Sommer, die einfach mal angefragt hat, ob die Ateliergemeinschaft nicht in Brüssel ausstellen will. Sie hat auch bei ihrer Begrüßung auf die Bedeutung der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 als ein Beispiel für den Wandel unserer Industrieregion durch Kultur hingewiesen. Unterstützt wurde sie dabei von Bürgermeisterin Dorothea Schulte, die Grüße der Stadt mit nach Brüssel brachte. Dem Vorsitzenden des Fördervereins Unser Fritz 2/3 e.V. Jens Blome blieb es überlassen, die anwesenden Künstlerinnen und Künstler vorzustellen. Die Ausstellung ist eine gute Gelegenheit, Herne mal aus einer ganz anderen Sicht in Brüssel zu präsentieren.
Von Falko Herlemann

Jazz an einem Sommerabend

20.08.2006 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Musiker mischen bunte Farben in der ehemaligen Schwarzkaue der Zeche Unser Fritz.

"Swing & more" hätten jedoch eindeutig mehr Zuhörer verdient gehabt. Zum "Jazz an einem Sommerabend" kamen diesmal nur halb so viele Zuhörer wie im letzten Jahr in die Künstlerzeche Unser Fritz. Obwohl sie in der großen ehemaligen Schwarzkaue etwas verloren aussahen, ließen sich die 50 Besucher und vier Musiker ihre gute Laune nicht nehmen. Die Besetzung der Band "Swing & more" am Samstagabend: Bernd Jacob (Unna) mit der Klarinette, Volker Schlingmann (Dortmund) am Piano, Joachim Fitzon (Bielefeld) am Kontrabass und Peter Di Val aus Herne am Schlagzeug. Das Quartett setzt auf klassischen Jazz von Benny Goodman und Nat King Cole, spielt aber auch innovative Stücke. "Die Musik hätte mehr Zuschauer verdient", bedauerte Helmut Bettenhausen, Atelierbesitzer und Mitglied im Förderverein der Künstlerzeche. Er vermutete, dass der Auftritt des Herner Musikers Peter Di Val eben in Herne nicht hinreichend bekannt war. Die Zuschauer bemühten sich aber, häufig zu klatschen und gingen auch locker im Takt mit. Getränke und Häppchen gab es zu zivilen Preisen.

Für eine Überraschung sorgte in der ersten Pause der Bochumer Architekt Karl Gehse, als er auswendig vier Werke des Wanne-Eickeler Dichters Fred Endrikat vortrug. Gehse möchte mehr über Endrikat zusammentragen und sucht daher Leute, die noch etwas über den Dichter wissen.

Als es mit der Musik weiter ging, untermalten Kerzen in roten Glaszylindern sowie gelbe und rote Scheinwerfer die Sommerabend-Atmosphäre. Ansonsten fehlte aber ein großes Einrichtungselement, im letzten Jahr hatte Musiker Thomas Nowak seinen roten VW-Bulli in die Halle gefahren und Campingstühle auf das Dach gestellt. Um den Raum diesmal nicht völlig kahl zu lassen, hatte Helmut Bettenhausen vier seiner Arbeiten aufgehängt, menschengroße Rechtecke in Rot, Gelb, Grün und Blau, die durch ihre Noppen bunten Legosteinen ähneln. Helmut Bettenhausen nennt sie allerdings "serielle Strukturen".
Bunter wird die Musikveranstaltung vielleicht im nächsten Jahr: Helmut Bettenhausen überlegt, statt Jazzmusikern kubanische Künstler für Musik und Tanz einzuladen und das Ganze noch mit Malerei zu verbinden.

Vierfach Glück in der Künstlerzeche

19.06.2006 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Über 750 Besucher legten Extraschicht in Unser Fritz ein, die letzten Gäste kamen noch nach 1 Uhr.

Skelett in Steigerkluft und mit Grubenhelm weist den Weg in den neuen Kunststollen Die Besucher der "Extraschicht" in Herne hatten in der Nacht von Samstag auf Sonntag gleich vierfaches Glück und konnten einen alten Stollen in der Künstlerzeche Unser Fritz besichtigen. Der mystisch und künstlerisch gestaltete Gang begeisterte über 750 Gäste.

Insgesamt machten 38 "Spielorte" in 19 Ruhrgebietsstädten die Nacht zum Tage, die Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 nahm als einziges Industriedenkmal in Herne an der 6. Nacht der Industriekultur teil. Ein letztes Mal war China zu Gast in Herne: Bei der Finissage der Ausstellung "8888 = Vier Mal Glück" schauten sich Kunstinteressierte noch einmal Malerei, Installationen, Videos und Objekte des chinesischen Künstlers Qi Yang an - wie zum Beispiel riesige getrocknete Lotusblätter. In China gilt die 8 als Glückszahl, in vierfacher Wiederholung als Glück und Hoffnung für das ganze Leben. Passend zur Ausstellung gab es chinesische Snacks: Frühlingsrollen, Teigtaschen und Soßen süß-sauer.

Noch beliebter war jedoch der Gang in den Keller: Während die eine Ausstellung ihr Ende feierte, weihten die Zechen-Künstler ihren neuen Kunststollen ein: Der ehemalige Schachtzugang wurde bei Renovierungsarbeiten entdeckt und dient nun als zusätzliche Ausstellungsfläche.

"Flair ist das richtige Wort", sagte Extraschicht-Besucher Hans-Ulrich Bäckeralf. Oberhalb der Treppe zeigt ein Skelett mit Steigerkluft und Grubenhelm per Schild an: "Zum Kunststollen". Dann müssen auch alle Besucher Helme aufsetzen, hinab geht´s. Der etwa 1,50 Meter hohe Stollen zwingt gerade große Besucher zum Ducken. Im schummerigen Licht werden transparente Bilder von hinten angestrahlt. Manchmal ist die Intention des Künstlers nicht sofort zu erkennen, genau wie der ursprüngliche Sinn dieses Stollens wohl ein Rätsel bleibt.

Umso besser für mystische Fotografien des größten Friedhofs von Paris, Pêre Lachaise: Atelierinhaber Winfried Labus hat seine phantastischen Fotografien rechts und links jeweils mit einer Kerze in Szene gesetzt. Plötzlich kühlt die Luft merklich ab, der einstige Eingang des Stollens ist erreicht. Rechts und links hängen unheimliche Installationen, Fischköpfe in kleinen Käfigen.

Noch nach ein Uhr nachts kamen die Gäste. Am frühen Abend waren teilweise 40 Personen auf einmal aus den Bussen gestiegen. Einige Besucher zeigten sich nach vielen Illuminationen überrascht, in Unser Fritz etwas völlig anderes zu erleben. Und neben den besonderen Aktionen stand das ehemalige Kauengebäude mit seinen elf Künstlerateliers auch zur normalen Besichtigung offen.
tm

Musik und Stimme pur

31.05.2006 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Die chinesische Musikerin Xu Fengxia spielte vor fast 100 Zuhörern in der Künstlerzeche Unser Fritz. Konzert zur Ausstellung "Qi Yang: 8888 = Vier Mal Glück" begeisterte das Publikum

Sparsam mit zwei Scheinwerfern beleuchtet, auf einem knallig roten Podium inmitten der Schwarzkaue, umrahmt von Bildern, saß sie am letzten Freitag da: die chinesische Musikerin Xu Fengxia. Die Künstlerzeche hatte im Rahmen der Ausstellung "Qi Yang: 8888 = Vier Mal Glück" zu einem Konzert eingeladen. Fast 100 Zuhörer waren gekommen, die ungewöhnliche Musik zu hören. Zunächst saßen viele ein wenig verwundert da, fragten sich, wie eine so zierliche Musikerin mit ihrem Instrument und ihrer Stimme ohne Mikrofon und Verstärker die große Halle füllen wollte. Aber als Xu Fengxia ihrer Guzheng, einem traditionellen chinesischen Saiteninstrument, die ersten Töne entlockte, war die Skepsis verflogen. Und nachdem der Gesang einsetzte, ließ sich die Begeisterung des Publikums schon fast spüren.

Langsam erfüllten die gezupften und angerissenen Saiten den Raum, kontrastiert von einer sanft schmeichelnden bis fast aggressiv drohenden Stimme. Ruhige, fast meditative Klänge steigerten sich zu einem heftigen Ineinander von Tönen und Geräuschen, die Xu Fengxia mit Fingern und Fäusten aus den Saiten lockte. Meistes gehe es in den Texten um Liebe, Schmerz, um Trennung und das Treffen von zwei sich Liebenden, erklärte Xu Fengxia. Doch man musste die Worte eigentlich nicht verstehen, um die emotionalen Spannungen dieser Musik nachvollziehen zu können. Xu Fengxia spielte klassische chinesische Kompositionen und eigene Bearbeitungen und Kompositionen nach traditionellen Gedichten. Doch manchmal schaute auch die Rockmusikerin ein wenig durch. Dann klang es schon mal nach Blues und auch die Rhythmen wurden schneller.

Nach fast zwei Stunden bedankte sich das begeisterte Publikum mit stehenden Ovationen. Mit einem romantischen chinesischen Wiegenlied entließ Xu Fengxia die Zuhörer in die dunkle Nacht. Der Künstlerzeche ist mit dem Gastspiel dieser ungewöhnliche Musikerin, die sonst eher in den großen Konzertsälen von Amsterdam bis New York zu Hause ist, ein großer Wurf gelungen.
FH

Handschuh-Metapher

27.04.2006 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Werner Thiel war über viele Jahre mit einem eigenen Atelier in der Künstlerzeche Unser Fritz zu Hause.
Seine Werke sind in der nördlichen Maschinenhalle der ehemaligen Zeche Consolidation zu sehen

Wie ein Menetekel über den Verlust bergmännischen Lebens baut sich das großformatige Wandobjekt auf: eine Riesenhand aus gebrauchten Handschuhen. Es mahnt daran, an die zu denken, die unter Tage arbeiteten, die ihr Leben riskierten, die das schwarze Gold 150 Jahre förderten. Der Bergbau hat längst ausgedient . . .

Die Handschuh-Metapher gehört zu den Blickfängen in der nördlichen Maschinenhalle auf dem Gelände der ehemaligen Schachtanlage Consolidation in Gelsenkirchen-Bismarck, die die Sammlung Werner Thiel aufgenommen hat, der über viele Jahre mit einem eigenen Atelier in der Künstlerzeche Unser Fritz zu Hause war. Das Haus: Industrie-, Strukturwandel-, Kultur-, Wahr- und Mahnzeichen, geschaffen aus dem Geist und der Ästhetik eines immer noch in seiner Bedeutungskraft für Region und Industriekultur unterschätzten, dennoch international anerkannten Künstlers. Werner Thiel wartete vergeblich auf die Inszenierung und Öffnung dieses besonderen, einmaligen Kulturortes. Er starb 2003 über den Vorbereitungen, die insgesamt acht Jahre dauerten.

Helmut Bettenhausen und Lutz Kahnwald, ebenfalls auf der Künstlerzeche zu Hause, waren es zusammen mit Volker Bandelow, die das Erbe und die Würdigung Thiels vorantrieben. Mittel des Landesfonds "Soziale Stadt NRW" flossen in den Umbau und die Einrichtung dieser "Inszenierung". Professor Ferdinand Ulrich (Kunsthalle Recklinghausen) nannte Thiel in einer Reihe mit den Bechers und Renger-Patzsch, den großen Fotografen der medialen Dokumentation über das Ruhrgebiet und das industrielle Milieu. Ulrich: "Hier wird keine Nostalgie aufbereitet. Fotografien und Objekte erzählen Geschichten von Menschen und Orten, aber sie sind in eine ästhetische Qualität übersetzt worden." Thiels Werke zeugten vom "Bruch mit der Wirklichkeit": Kriterium der Kunst. Das Maschinenhaus Nord am Schacht 9, so die offizielle Bezeichnung, zählt zum Eigentum der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur. Durch sie konnte der Abriss in Bismarck verhindert werden. Körbe, Kräne, Sägeblätter, Lampen, Drähte, Schläuche, Scheiben, Spaten, Haken, Ölkannen, Hämmer - sie alle sind ihrer früheren Funktion beraubt. Die Installation zusammen mit einem Fries aus Fotografien wirkt wie ein Phönix, der aus der Ruinenasche einst lodernder Kohleproduktion steigt. Die Kunst von Werner Thiel lebt im Strukturwandel neu auf. HJL

Rechtecke, Kreise und Quadrate

23.03.2006 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Gespräch über "Konkrete Kunst" in der Zeche

Können Quadrate und Rechtecke Kunst sein? Kann man Kunst nach mathematischen Gesetzen berechnen? Für die Künstler der "Konkreten Kunst" ist das kein Problem.

Der Begriff "Konkrete Kunst" wurde 1930 zum ersten Mal benutzt. Er beschreibt eine Kunstrichtung, bei der die verschiedenen bildnerischen Elemente nur sie selbst bedeuten. Geometrische Formen wie Rechtecke, Kreise oder Quadrate werden von den Künstlern in ein Spannungsverhältnis versetzt, das oft nach mathematischen Gesetzen gestaltet ist. Auch Friedrich Gräsel und Bernd Damke stehen in der Tradition dieser Kunstrichtung. Ihre Arbeiten haben mit dazu beigetragen, diese Kunst besonders im Ruhrgebiet bekannt zu machen. Erst in letzter Zeit haben beide den engeren Rahmen der geometrischen Formen ein wenig aufgegeben. Die aktuelle Ausstellung in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 (bis 2. April) zeigt diesen Wandel.

Am Sonntag (26.) ab 11 Uhr lädt die Künstlerzeche zu einem Gespräch über Werke und die Ideen der "Konkreten Kunst" ein. Auf dem Podium sitzen die Galeristin Patricia Ferdinand-Uhde (GE), der ehemalige Kulturdezernent der Stadt Gelsenkirchen Peter Rose, Kunsthistoriker Dr. Ingo Bartsch, Hernes Museumsdirektor Dr. Alexander von Knorre und natürlich die Künstler Friedrich Gräsel und Bernd Damke. FH

Essen und aufräumen

03.03.2006 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Aschermittwoch in der Künstlerzeche

Nach dem Aschermittwoch-Schmaus bei Hering, Pellkartoffeln und Bier in der Künstlerzeche in Unser Fritz kann nun die Fastenzeit beginnen. Knapp 500 Besucher zählte der Förderverein im Verlaufe des unterhaltsamen Abends, bei dem vor allem Gespräche im Mittelpunkt standen. Die Spendenbereitschaft der Gäste machte es möglich, dass Fisch und Getränke kostenlos serviert wurden. Der Förderverein freut sich darüber, dass auch Besucher aus der Nachbarschaft begrüßt werden konnten und dass einige Gäste gestern ein zweites Mal vorbeischauten - zum Aufräumen.

Freizeit am Emscherstrand

14.02.2006 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Schüler stellen ihre Visionen von der Zukunft des Abwasserflusses vor. Die besten Fotografien wurden in der Künstlerzeche ausgezeichnet. Preis auch für junge Wanne-Eickelerin

"EmscherRaum - EmscherTraum": So lautete das Motto eines Fotoworkshops, dessen Ergebnisse am Montag in der Künstlerzeche präsentiert wurden. Die Emschergenossenschaft hatte in Kooperation mit dem "Pixelprojekt-Ruhrgebiet" Schüler verschiedener Schul- und Altersstufen dazu aufgerufen, ihre Vision von der Emscher fotografisch festzuhalten. Neben Schulen aus Bottrop, Recklinghausen und Castrop-Rauxel beteiligte sich auch die 10. Klasse der Erich-Fried-Gesamtschule an dem Workshop. Zu diesem Zweck machte jeder Schüler 36 Fotos, die 40 besten Motive wurden auf "Unser Fritz 2/3" ausgestellt. Zusätzlich wählten alle Schüler ihre Lieblingsbilder. Unter anderen wurde ein Werk der Wanne-Eicklerin Melcan Topuz prämiert. Die Fotografie der 16-Jährigen zeigt junge Menschen am Emscherstrand, während sich im Hintergrund eine Kläranlage in den Himmel erhebt. In diesem Motiv fing die Zehntklässlerin den Gegensatz zwischen schmutziger, industrieller Gegenwart und ihrem Traum von einem natürlichen Biotop entlang des Flusses ein. Die junge Frau weiß, wie sie ihn zukünftig sehen will: "Ich wünsche mir die Emscher als Freizeitbad!" Jede Schule bekam im Vorfeld einen Flussabschnitt zugewiesen, wie Ralf Schumacher von der Emschergenossenschaft erklärte. Die Jugendlichen von der Erich-Fried-Gesamtschule machten ihre Bilder zwei Kilometer von ihrer Schule entfernt auf der Insel zwischen Rhein-Herne-Kanal und Emscher. Die Visionen der Schüler sind zudem nicht nur unter dem künstlerischen Aspekt wertvoll. Ihre Ideen sollen laut Schumann in die Renaturierungspläne einbezogen werden. "Die Freizeitnutzung ist den jungen Menschen sehr wichtig, sie werden vom Emscherstrand profitieren."

Für die Schüler war die Aktion von großem Nutzen. Neben dem Kontakt mit dem Medium Fotografie lernten die Zwölf- bis 17-Jährigen auch andere Schulformen kennen und kamen miteinander ins Gespräch. Und um die Zukunft der Emscher war nach diesem Workshop niemandem bange.
je

Kunst aus Eisen und Bitumen

14.01.2006 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Helmut Bettenhausen stellt im ehemaligen Stahlwerk in Hattingen aus

Als der Herner Künstler Helmut Bettenhausen die Räume des ehemaligen Bessemer Stahlwerks im Industriemuseum Henrichshütte vor zwei Jahren zum ersten Mal sah, war er sofort begeistert. Grobes weiß gestrichenes Mauerwerk, offene, leicht angerostete Stahlträger und alte hölzerne Stützen: Vieles erinnert ihn an die Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 - vor der Renovierung. Der ideale Raum für seine Arbeiten war gefunden.

Extra für die Ausstellung hat er eine alte Idee wieder aufgenommen und ganz neue Arbeiten gestaltet. Alles basiert auf einer quadratischen Grundfigur, die mit einer dicken Schicht Bitumen überzogen ist. Gerahmt werden die schwarzen Platten mit einem eisernen Profil, das durch dicke Schrauben gehalten wird.

Dieses Muster variiert Helmut Bettenhausen zu immer neuen Konstellationen: Da brechen die Rahmen auf oder knicken in Winkeln ab. Die Tafeln werden in kleinere Rechtecke oder Quadrate geteilt, mal springt ein kleines Dreieck ab, aber immer ist der Bezug zur Grundform deutlich zu erkennen. Beinahe im Kontrast zu diesem konstruktiven und seriellen Ansatz stehen die Oberflächenstrukturen der einzelnen Platten. Hier lässt Helmut Bettenhausen das Feuer wirken. Ist das Bitumen einmal aufgetragen, legt er mit dem Gasbrenner Flammen an. "Da entstehen dann Strukturen, die kann man besser gar nicht malen", sagt er selbst. "Und solche Arbeiten wirken auch nur in solchen Räumen." Denn auf diesen Wänden mit den vielfältigen Oberflächenstrukturen kommen solche Arbeiten aus industriellen Materialien besonders gut zur Wirkung.

Als Kontrast zu dieser Werkgruppe zeigt Helmut Bettenhausen Fotoarbeiten aus den 80er Jahren. Mit weißer Farbe hat er Teile von Industrieanlagen gekennzeichnet und fotografiert. Auch diese Arbeiten leben von den Kontrasten zwischen der weißen Farbe und der industriellen Oberflächenstruktur. Die Ausstellung ist mehr als eine Retrospektive. Helmut Bettenhausen hat aus einem einfachen Prinzip spannende neue Arbeiten geschaffen, die einen Besuch in Hattingen wert sind. Auch wenn es dort kalt ist - wie eben früher auch in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3.
FH

Kulturhauptstadt: Viele Projekte reifen heran

05.12.2005 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Sub- und Hochkultur sollen sich am Ufer des Kanals treffen

Von Falko Herlemann

Etwa 25 Herner Kulturschaffende haben sich in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 getroffen, um weiter über Herner Projekte für die Kulturhauptstadt 2010 zu beraten. Rund um die Leitidee "Rhein-Herne-Kanal" liegen 15 Projektideen vor. Nach der Vorstellung der einzelnen Ideen wurden sie diskutiert und in einer Abstimmung durch die Anwesenden bewertet.

Zwei Themenbereiche werden nun in Arbeitsgruppen weiter verfolgt. Die eine hat ihren Schwerpunkt im Bereich Bildende Kunst. Hier wird man vier Projektideen weiter entwickeln. Picknick-Decken: Entlang des Kanals entstehen als Treffpunkt Picknick-Areale aus Beton und Acrylglas, die unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger gestaltet werden. Großfotografien: Die am Kanal entstandenen Fotos der Herner Fotografin Brigitte Krämer werden als Großfotos entlang des Kanals aufgestellt.

"Alles fließt": Künstlerinnen und Künstler werden eingeladen, Projekte zu entwickeln, die sich am Thema Wasser orientieren. In einer Mischung aus zeitlich befristeten Aktionen und dauerhaften Kunstobjekten entsteht entlang des Kanals ein Skulpturenweg.

Brückenskulptur: Über dem Kanal wird eine neue Brücke für Fußgänger errichtet, die zu einem Begegnungszentrum wird. Diese Arbeitsgruppe trifft sich am 15. Dezember um 16 Uhr in der Künstlerzeche. Die zweite Arbeitsgruppe entwickelt zwei Ideen aus dem Bereich Jugendkultur weiter: Kulturboot: Ein Ausflugsdampfer wird zu einer schwimmenden Plattform für verschiedene Kunstprojekte umgerüstet. Als Kulturbotschafter fährt das Schiff den Kanal entlang und steuert die zu einzelnen Events bestimmten Standorte an.

"Pottporus": Hier wird ein Festival entwickelt, bei dem sich Tänzer, DJs, Musiker, Video- und Fotokünstler treffen. Ziel ist, Formen der Subkultur mit solchen der Hochkultur verschmelzen zu lassen. Die zweite Arbeitsgruppe trifft sich am 20. Dezember um 16 Uhr in den Flottmann-Hallen. Beide Arbeitsgruppen sind vom Plenum aufgefordert worden, schon für das nächste Jahr Aktionen zu planen, die auf das Jahr der Kulturhauptstadt 2010 hinweisen.

Einblick in die Welt der Künstler

29.11.2005 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

In der Zeche Unser Fritz 2/3 öffneten sich am Sonntag die Ateliers für interessierte Besucher.
Zeit für Fragen und Gespräche. Förderverein serviert Getränke und heiße Waffeln.

Von Falko Herlemann

Zum dritten Mal lud am Sonntag die Ateliergemeinschaft der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 zu einem Tag der offenen Ateliers. Zahlreiche Besucher bewegten sich schon am Morgen durch das alte Zechengebäude.

Der eigentliche Ausstellungsraum war dieses Mal den Kunstschaffenden aus dem Förderverein überlassen. Hier gab es ein breites Spektrum an unterschiedlichen Werken zu sehen. Von Fotografien des Herners Max Blasey bis zu Bildobjekte des Gelsenkirchener Künstlers Karl-Heinz Langowski.

Doch die meisten Besucher waren wohl gekommen, um einen Blick in die Ateliers zu werfen. Sie nutzten ganz offen die Möglichkeit, die Künstlerinnen und Künstler in der die Umgebung zu besuchen, in der ihre Kunst entsteht. Und da konnten die zwölf Charaktere wohl kaum unterschiedlicher sein. Zu bestaunen gab es alles: von dem penibel aufgeräumten Arbeitsraum bis zum chaotischen, aber sicherlich kreativen Durcheinander. Einige hatten ihre Ateliers beinahe leer geräumt und eine kleine Ausstellung arrangiert. Es war Neues, aber auch schon Bekanntes zu sehen.

Helmut Bettenhausen zeigte noch einmal fotografische Dokumentationen von Aktionen aus den 70er Jahren. An einer ganz neuen Serie von Fotografien arbeitet hingegen Winfried Labus. "Die Fotos sind heute hier zum ersten Mal zu sehen." Diesmal haben es ihm selbst gezimmerte Hütten in Gärten angetan. Werner Ryschawy, eigentlich eher ein Zeichner, hat sich in der letzten Zeit auf mehr aus filigrane Drahtobjekte konzentriert. Auch Ulla Potthoff hat für sich die dritte Dimension entdeckt. Sie experimentiert mit neuen Papierobjekte. "Da ist noch vieles am Anfang", sagt sie selbst.

Bei anderen schien die Arbeit gerade nur für den heutigen Tag zu ruhen. So zeigte Jürgen Buhre seinen Besuchern gerne, woran er im Augenblick arbeitet. Da wurden die Bilder dann auch mal von den Wänden gerückt oder aus den Schubladen hervor geholt. Die Besucher nahmen das Angebot gerne an. Sie konnten ganz unverfänglich Fragen zu den Arbeiten oder zu deren Entstehung stellen, die alle Künstlerinnen und Künstler gerne und offen beantworteten. In der privaten Umgebung ließ es sich auch viel intensiver sprechen als beim üblichen Small-Talk zu den Ausstellungseröffnungen. Und vielleicht ergab sich dabei auch das eine oder andere Verkaufsgespräch.

In der Veranstaltungshalle hatte der Förderverein für Kaffee, Tee und Glühwein und heiße Waffeln gesorgt. Hier konnten die Besucher auf ihrem Spaziergang von Atelier zu Atelier eine Pause einlegen.

Beschwingt mit jungem Roten

21.11.2005 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Lions-Club Wanne-Eickel servierte in der Künstlerzeche "Jazz und Primeur"

Zum dritten Mal in Folge hatten die Wanner Löwen zu "Jazz und Primeur" eingeladen. Am Freitagabend ertönten Dixieland-Klänge in der einstigen Kaue der Künstlerzeche Unser Fritz. Da sich die vorangegangenen Veranstaltungen unter diesem Titel als volle Erfolge erwiesen haben, sollen sie ihren festen Platz im Event-Kalender des Lions-Clubs Wanne-Eickel erhalten, wie Vorsitzender Volker Mecking informierte. Traditionell kommt am dritten Donnerstag des Novembers der Beaujolais Primeur in den Handel. Das war der Anlass, um am folgenden Freitag viele wichtige Bürger der Stadt zu swingendem Dixieland-Jazz und dem berühmten selbstgebeitzten Lachs zu bitten.

"Dies ist eigentlich nicht so ganz meine bevorzugte Musik", offenbarte ein Löwe. Trotzdem war er dort. Ein anderer schwor auf das Bier, das neben dem jungen französischen Wein auf der Karte stand. "Sehen und gesehen werden" schien das Motto zu sein, das Mediziner, Politiker und Unternehmer anlockte. Jazz und Primeur waren da nur der Aufhänger - Unterhaltung stand im Vordergrund. Trotzdem sorgte die "Dixieland Crackerjacks", eine Jazz-Combo aus den Niederlanden, für gutes Entertainment, ihre Klänge lockten vereinzelte Tänzer aufs Parkett.

Wie immer, wenn die wohltätige Organisation Präsenz zeigt, geht es um gute Taten. "Der gesamte Erlös dieser Veranstaltung fließt in die Förderprogramme der Lions ein", informierte Mecking, das sind vor allem Spenden für Bedürfnisse in Wanne-Eickel. Den Service besorgte der Jugendclub der Löwen, die "Dickköppe", ehrenamtlich. Die zahlreichen Gäste, "nicht ganz so viele wie im letzten Jahr", mutmaßte der Vorsitzende, doch die Kaue war überaus gut gefüllt, werden über ihre Tickets und den Verzehr einige tausend Euros für wohltätige Zwecke ausgegeben haben.
IF

Unser Fritz im irischen Cork

15.09.2005 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Mitglieder der Ateliergemeinschaft präsentierten ihre Werke im "Tigh Fili". Besucher stellten viele Fragen - Botschafter für die Kunst und die Stadt

Von Falko Herlemann

Zehn von zwölf Mitgliedern der Ateliergemeinschaft auf der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 in Wanne haben im Sommer ihre Werke in Cork präsentiert.

Cork, im Süden Irlands gelegen, ist die zweitgrößte Stadt des Landes und diesjährige Kulturhauptstadt Europas. Wie kommt man von Unser Fritz nach Cork? Ganz einfach: Mary Elisabeth White ist im Süden Irlands geboren. Dort genoss sie ihre erste künstlerische Ausbildung. Seit Ende der 90er Jahre lebt sie in Deutschland. Mit der Umgestaltung der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 bezog auch sie dort eines der neuen Ateliers.

Ganz Ähnliches wie in Wanne passiert auch in Cork. Das "Tigh Fili" ist ein städtisches Kulturzentrum in einer ehemaligen Bäckerei. Dort gibt es 16 Ateliers, Räume für Ausstellungen und andere Veranstaltungen. Da waren die Kontakte schnell hergestellt und die anderen Künstlerinnen und Künstler von der Idee einer Ausstellung überzeugt. "Wir wollten ein Stück Ruhrpott nach Irland bringen", sagt Beate Matkey, eine der Ausstellenden. Dennoch wollte man keine thematische Ausstellung machen. Jeder konnte eine kleine Auswahl seiner Arbeiten präsentieren. Nur sollten sie alle auf Papier sein und eine bestimmte Größe nicht überschreiten. "Sonst wäre der Transport viel zu teuer geworden", pflichtet Winni Labus bei. Ein wenig Unterstützung fand man beim Förderverein Unser Fritz 2/3 e.V., dem Träger der Künstlerzeche.

Die vielen Fotos der Ausstellung zeigen einen sehenswerter Querschnitt der künstlerischen Arbeit der Ateliergemeinschaft: Scherenschnitte, Aquarelle, Fotografien, Malerei und Zeichnungen. Jeder hatte genug Raum für seine Präsentation. Zur Eröffnung Anfang August sprach der deutsche Honorarkonsul in Cork. "Die Leute waren total neugierig", erzählt Mary Elisabeth White. "Und sie haben viele Fragen gestellt. Nicht nur nach der Kunst, sondern auch nach der Künstlerzeche und nach Herne. Ein bisschen habe man sich auch als Botschafter gefühlt. Für die Kunst und für die Stadt."

Jazz im seichten Sonnenuntergang

22.08.2005 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

"Boogie Man" Thomas Nowak spielte am Klavier und sang mit rauer Stimme in der Künstlerzeche. Förderverein freut sich über die große Resonanz - Tanz in der ehemaligen Schwarzkaue

Der "Jazz an einem Sommerabend" hat am Samstag nicht nur die Künstlerzeche in Unser Fritz gefüllt, sondern auch gleich die Tanzfläche.

Der rote Bulli des spielenden Jazzduos sorgte für Ambiente: auf ihm standen zwei Campingstühle und ein leuchtend gelber Sonnenschirm. Rötlich schimmernde Kerzen auf den Stehtischen simulierten einen seichten Sonnenuntergang. An den Tischen nahe der Bühne ließen sich einige der 120 Gäste nieder und verzehrten Wein oder Schnittchen mit Schmalz und Käse. Zusätzlich konnten die Jazzfreunde ein wenig "Kohle für die Zeche" geben, einen kleinen Beitrag leisten für den veranstaltenden Künstlerzeche-Förderverein Unser Fritz 2/3.

Vorstand Jens Blome freute sich über die vielen Zuhörer, die in der ehemaligen Schwarzkaue nicht ruhig sitzen blieben. Einige baten ihren Partner zum Tanz. Denn "Boogie Man" Thomas Nowak spielte am Klavier und sang mit rauer Stimme gleichzeitig Jazzklassiker, die beim Publikum besonders beliebt sind. Holger Seemann sorgte am Schlagzeug für die Begleitung - oder spielte gleich ein Solo. Spezialitäten des Duos waren "Route 66", "What did I say" von Ray Charles, "Great Balls of Fire" von Jerry-Lee-Lewis und "Blueberry Hill" von Fats Domino.

Und selbst Jazz-Neulinge erkannten den Höhepunkt nach fast drei Stunden Jazz, die bekannte Blues-Brothers-Hymne "Everybody needs somebody". Thomas Nowak widmete den Song dem "best Publikum von Wanne-Eickel" und forderte zum Mitklatschen auf. Auf eine entsprechend begeisterte Reaktion der Gäste musste der "Boogie Man" nicht lange warten.
tm

"Rund ums Rad" war keine bierernste Kunst

06.06.2005 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Extraschichtler, die das Motto "Alles dreht sich - rund ums Rad" als einmal wieder gut gemeintes Plädoyer für gesündere Lebensweise verstanden, wurden am Samstag in der Künstlerzeche wahrscheinlich positiv überrascht. Denn hier wurde das Rad im Rahmen der langen Nacht der Industriekultur in ästhetisch-kreativer Natur verwendet. Die Unser-Fritz-Künstler hatten sich rund ums Velo Gedanken gemacht - Resultat war keine bierernste Kunst, sondern Anregung zum Schmunzeln. Die zahlreichen Besucher amüsierten sich zunächst über die "Wanner Stadtmusikanten": Übereinandergeschweißt machten Herren-, Damen-, Kinder- und Dreirad nicht zu viel Geschrei, um Gäste zu vergraulen.

Bewegter ging es in der ehemaligen Weißkaue zu, die mit Rad-Objekten bereichert wurde. Hier erklang der "Sportpalastwalzer", den Heinz Oelmann, berühmt-berüchtiger Wanner Jazzer, am Piano modulierte, begleitet von einem Fahrradklingeln. Diesem Gag folgte eine phantasievolle Inszenierung des "Kaukasischen Kreidekreises": Zwei Läufer rannten im Kreidekreis, in dessen Zentrum sie gleichzeitig das (Fahr-)Rad entdeckten. Nach kurzer Ratlosigkeit entstand ein Streit, der durch einen Kompromiss beendet werden musste: Das Rad wurde entzweit, und jeder bekam ein Rad - mit dem jedoch keiner viel anfangen konnte. Professionelle Einradfahrer zeigten den Besuchern, die sich mit Radi (Rettich) und Radeberger für die lange Nacht stärkten, was sie zum Beispiel als Pedalritter aus ihren Sportgeräten herausholen konnten.

Die Extraschichtler lehnten sich hier entspannt zurück und sammelten Anregungen für den nicht ganz alltäglichen Gebrauch des Rades. Jens Blome, Vorsitzender des Fördervereins der Künstlerzeche, zeigte sich mit dem Andrang "überaus zufrieden".

Blitzkunst im 1-Euro-Zeitalter

05.06.2005 / WESTFALENPOST / LOKALAUSGABE / HAGEN

Haspe. Schnell den weißen Arbeitsoverall angezogen, die Schutzbrille zurechtgerückt und den Pinsel in Arbeitsstellung. Dann gehts los. Die Uhr tickt. 45 Sekunden bleiben den beiden Künstlerinnen pro Bild. Eintönige Fließbandarbeit? Keineswegs. Die Ergebnisse sind zahlreiche Originale. Und das für nur einen Euro - ganz im Sinne der neuen Reformen.

Schlange stehen für die Kunst - das gibt es selten. Doch die Besucher der Ausstellung in Haspe zögerten nicht. Zur Ausstellungseröffnung der Künstlerzeche "Unser Fritz 2/3" aus Herne in den Räumen der Kooperative K arbeiteten Marie White und Gitta Witzke im Rahmen einer Performance live vor Ort. Gemeinsam kreierten sie mit Edding, Bleistift, Acryl-Farben und Tinte Bilder in nur 45 Sekunden, alle versehen mit einem 1-Euro-Stempel.

"Jeder redet von Ein-Euro-Jobs", erläuterte Gitta Witzke. "Deshalb wollen wir einmal ausprobieren, wie es ist, für einen Euro zu arbeiten." Die Premiere war ein voller Erfolg. Eine knappe Stunde lang füllte sich der Arbeitshelm auf dem Tisch zusehends mit 1-Euro-Münzen.

Thema der Ausstellung ist "Arbeit". "Schließlich hat in diesem Gebäude früher richtig Arbeit stattgefunden", machte Gitta Witzke auf die ehemalige Drahtzieherei aufmerksam. Die Ausstellungsstücke der fünf Künstler zeigen verschiedene Interpretationen. Zu sehen sind Fotos einer Barfrau von Peter Buchwald. Zunächst trinkt sie sich warm, dann beginnt der Stress. So verschwimmen ihre Konturen auf dem Schlussbild der dokumentarischen Fotografie, werden zu abstrakten Farbschlieren und Farbspuren. Gegenüber eine ganz andere Szenerie. Auf den Gemälden von Beate Matkey arbeitet die Natur. Nach einer Sprengung im Steinbruch erobert sich die Vegetation das verlassene Kulturgut zurück.

Begleiterscheinungen der Arbeit beleuchten die Monotypien von Birgit Poch. Zu sehen ist Angst, ausgelöst durch Arbeitslosigkeit, Mobbing oder Stress, bis sich der Mensch vollkommen verändert, sich fast auflöst. Eine ganz andere Darstellungsform wählten Werner Ryschawy mit seinen Drahtobjekten und Birgit Litsch mit einer Mischtechnik auf Holzrinde.

Die Ausstellung in der Kooperative K, Karlstraße 26, ist noch bis zum 12. Juni täglich von 18 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Zum Abschluss laden die Künstler am 12. Juni um 18 Uhr zu einem Werkstattgespräch ein. Am 2. Juli stellt die Kooperative K im Gegenzug ihre Werke zum Thema "Arbeit" in der Künstlerzeche "Unser Fritz 2/3" in Herne aus. Die Ausstellungsobjekte stehen zwar zum Verkauf, allerdings nicht für einen Euro. Denn schon Karl Valentin sagte: "Kunst ist schön. Macht aber auch viel Arbeit." Und die muss schließlich gewürdigt werden.
Von Martina Grabau

Eine Tarantel weist den Weg zur Kunst

09.05.2005 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

JKS zeigt Kreatives in der Künstlerzeche

Zwei Beine einer riesigen Spinne ragen über das Treppengeländer in der Künstlerzeche Unser Fritz. Sie gehören zu einer weißen Stofftarantel, gestaltet in der Jugendkunstschule: ein Stück Jugendkultur.

Gut 30 Diskutierfreudige haben sich auf Einladung der Bündnisgrünen auf die Suche nach der Frage "Wo bleibt die Jugendkultur?" gemacht. Dank der Vermittlung durch Bürgermeisterin Dorothea Schulte hat die Jugendkunstschule mit ihren Stoffarbeiten gleich eine Antwort geliefert. Die JKS stellt Textilkunst zusammen mit Blechanfertigungen ab sofort in der ersten Etage der Künstlerzeche an der Alleestraße aus.

Eingerahmt von den Kunstprodukten fanden sich auch einige Experten im Stuhlkreis wieder. Die Stadtjugendpfleger Holger Höhner-Mertmann und Karl-Wilhelm Wollenhaupt weilten ebenso in der Gesprächsrunde wie der Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft kulturpädagogischer Dienste und Jugendkunstschulen in NRW, Peter Kamp. Er wies darauf hin, dass sich die vor 35 Jahren in NRW gegründeten Jugendkunstschulen am Vorbild der ehemaligen Ostblockstaaten orientierten. Eine JKS biete allen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, künstlerische Dinge auszuprobieren. Für die Grünen sprach der Herner Landtagskandidat Armin Wolf: "Jugendkultur braucht einen gesellschaftlichen Rahmen." Peter Hugo Dürdoth vom Kreisverband der Grünen warf aber gleichzeitig die Frage auf, ob Jugendkultur wirklich organisiert werden müsse. Für Peter Liedtke vom Pixelprojekt Ruhrgebiet, einer digitalisierten Fotosammlung, stand fest: "Im Moment ist eine Jugendkultur schwer zu finden. Aber es ist die Jugend, die später Kultur schaffen wird." Liedtke, der für die Grünen auch im Kulturausschuss sitzt, betonte, dass es nicht immer nur um Geld gehe. Ganz wie in Alexander von Schönburgs derzeitigem Bestseller "Die Kunst des stilvollen Verarmens" war Liedtke überzeugt: "Ein gutes Leben bedeutet nicht mehr Konsumgüter."
tm

Bands rocken mit Fans gegen rechtsextreme Gruppierungen

09.05.2005 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Musiker liefern einen flotten Abend mit vielfältiger Bandbreite

Zwei schwarze Limousinen vom Staatsschutz fahren an der Künstlerzeche vor. Beamte inspizieren die Räumlichkeiten. Doch es gibt nichts zu beanstanden. Bühne frei für "Rock gegen Rechts". Unter diesem Motto mit dem Zusatz "bunt statt braun" haben Jusos, Falken, CVJM und die Jugendabteilungen von Verdi, DGB, IG Metall und IGBCE ein Konzert auf die Beine gestellt. Die vereinten Sozialdemokraten und Junggewerkschaftler nennen sich "Aktionsbündnis 4 Youth". Die Farbe Braun drängte sich aufgrund der Anlehnung an die damalige Parteicouleur der NSDAP in den Mittelpunkt der Ablehnung. Kostenlos gab es Aufkleber mit dem Druck "Braun ist. . ." nebst dampfenden Exkrementenhaufen. Die eine klebte sich den Sticker auf das Gesäß, der andere auf die Brust, einer schmückte damit eine Wand der Künstlerzeche.

Ohne Obolus konnten die Besucher auch eintreten, um die Bands Sinister Urge, Wonderlamb, Damaged Justice und Axis of Evil zu sehen und lautstark zu hören. In letzterer Gruppe war Juso-Vorsitzender Jens-Oliver Rehwinkel selbst als Sänger mit dabei. Das aus Jung und Alt bestehende Publikum würdigte die Vorstellung mit einem wilden "Pogen", wie man den spaßigen Chaostanz im Fachjargon nennt. Zwar zeigte sich die große Halle der Künstlerzeche "nur" zur Hälfte gefüllt. Das reichte jedoch immer noch dazu aus, um Würstchenbräter Lutz Hammer in den Pausen ins Schwitzen zu bringen. Der Vize vom SPD-Ortsverein Unser Fritz konnte "manchmal den Würstchenansturm kaum bewältigen". Nach knapp vier Stunden musste dann wieder Ruhe im Saal am Kanal herrschen. Doch bis dahin rockten die Fans so stark gegen Rechts, dass "Braune" an diesem Abend ohne Chance geblieben wären.
tm

Von Wanne nach Havanna

25.04.2005 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Mit Autoren durch Zeit und Raum

"Für die Künstlerzeche unser Fritz, schrieb ich haufenweise Limericks. Die sind nicht gut - das macht doch nichts." So ähnlich lautete einer der Fünfzeiler, den Otto Vohwinkel eigens für die "Literaturtage 2005" kreiert hatte.

Mit seinen lyrischen Häppchen lockerte der Lyriker die Veranstaltung mit dem Motto "Von Wanne nach Havanna" immer wieder humorvoll auf. Die Moderatorinnen vom Verband Deutscher Schriftsteller in NRW, Anna Dünnebier und Margit Hähner, ordneten die literarischen Beiträge nach geographischen Aspekten. Was im Ruhrgebiet mit Werner Schlegels Anekdoten über Stausituation auf der A 40 und Parkplatzsuche in Essen begann, endetete mit Gabriele Flessenkämpers Ratekrimi, in dem "El Capitano" auf Kuba umkommt. Die literarische Reise machte während verschiedener Epochen ebenso Station in China, auf dem Ärmelkanal und in Russland, so dass den zahlreich erschienenen Literatur-Interessenten viel Abwechslung geboten werden konnte. Für musikalische Unterhaltung mit sommerlichen Klängen sorgten die "Caribbean Harmonists" der Musikschule Herne.

Ein literarisches Experiment hatte die Herner Autorin Brigitte Werner vorbereitet: Mit der Klasse 9b des Otto-Hahn-Gymnasiums hatte sie eine Woche im Vorfeld das Feld Lyrik beackert. Die Ernte waren erste Eigenproduktionen der Schüler, die dem Publikum vorgetragen wurden. "Dabei enstanden zum Teil auch sehr persönliche Gedichte", stimmte Werner auf die Vorträge ein, Sehnsucht und Fernweh klangen in vielen Zeilen an. Sie zeugten von relativ pessimistischem Realismus, wenn die Schüler beschrieben, wie sie am tristen Wanner Hauptbahnhof dem Zug hinterher schauen oder den bröckelnden Putz in Havanna betrachten, weitab der Touristenattraktionen. Die lyrischen Pioniere ernteten viel Applaus.Insgesamt sprach die bunte Mischung alle Sinne an: Ob humoristische Limericks oder gefühlvolle und melancholische Gedanken an die so genannte Zeit der Säuberungen in Russland, gelesen von Alla Pfeffer, über den historischen Roman von Eva Maaser bis zum poetischen Gemälde Chinas aus Wolfgang Kubins Gedichtband "Schattentänzer" - die literarische Reise war unterhaltsam.
IF

Es muss ja nicht immer Fisch sein . . .

04.12.2004 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Am morgigen Sonntag Tag der offenen Tür: Zwölf Kunstschaffende gewähren Einblick

Im Rahmen der Reihe "Kultur vor Ort" stellte die Volkshochschule jetzt die Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 vor. Dort, wo bis in die 20er Jahre noch Kohle gefördert wurde, haben heute zwölf Künstlerinnen und Künstler Atelierräume gefunden.

In lockerer Gesprächsrunde erzählten die Künstlerinnen und Künstler von der Vergangenheit und Gegenwart ihres Hauses. Angefangen hat alles in den frühen 60er Jahren. Der Wanne-Eickeler Künstler Helmut Bettenhausen suchte ein Atelier und entdeckte die leeren Räume in dem alten Kauengebäude. Weitere Künstler kamen in den folgenden Jahren dazu. Ausstellungen wurden veranstaltet, Lesungen und Musikveranstaltungen folgten. Die Künstlerzeche entwickelte sich in den 70er Jahren zu einem über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Veranstaltungsort. Was blieb, war der langsame Verfall des Gebäudes, nur aufgehalten durch den unermüdlichen Einsatz der Künstler selbst.

Das sollte sich erst in den späten 80er Jahren ändern. Pläne wurden geschmiedet. Der Förderverein Unser Fritz 2/3 war gegründet. Die Stadt Herne wurde Eigentümerin des Gebäudes. 2002 konnte schließlich die Neueröffnung gefeiert werden. Heute ist der Förderverein Unser Fritz 2/3 Träger der Zeche, die durch die Ateliermieten der Künstlerinnen und Künstler finanziert wird. Fünf bis sechs Ausstellungen stehen im Jahr auf dem Programm, meist getragen durch kollegiale Künstlerkontakte oder im Austausch mit anderen Künstlergruppen. Das Heringsessen am Aschermittwoch ist inzwischen schon Tradition und führt Nachbarn und Künstler, aber auch Politiker und Bürger jedes Jahr zu einem Abend bei Bier und Fisch zusammen. Ein Rundgang durch die Ateliers schloss den informativen und unterhaltsamen Abend ab. Hier taten sich für die Besucher doch einige Überraschungen auf. Künstlerinnen und Künstler erzählten von ihrer Arbeit und ließen einen Blick in die Umgebung zu, in der ihre Kunst entsteht.

Wer den Termin der Volkshochschule verpasst hat, kann am morgigen Sonntag noch in die Ateliers schauen. Die Künstlerinnen und Künstler haben von 11 bis 18 Uhr ihre Räume an der Alleestraße 50/Grimberger Feld für Besucher geöffnet.
FH

Jazz und Primeur füllen Zeche

22.11.2004 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

450 Besucher kamen nach Unser Fritz - "Löwen" freuen sich über Erlös

Mit der besonderen Verbindung von Jazz und Primeur lockte der Lions-Club Wanne-Eickel 450 Gäste in die Künstlerzeche Unser Fritz. "Jazz wird so selten gespielt, das muss man ausnutzen!", sagte Bernd Franik. Er war aus Gelsenkirchen gekommen, um sich das musikalische Highlight nicht entgehen zu lassen. Die "Naldo's Jazz Family" (Köln) sorgte für flotte Dixieland-Klänge. Doch kulinarische Genüsse fanden sich beim zweiten Lions-Jazzkonzert ebenso im Programm. Der dritte Donnerstag im November steht traditionell für den Beaujolais Primeur. Und den Tag darauf möchte der Lions-Club als Jazz-Abend mit Wein-Begleitung in der Künstlerzeche an der Alleestraße genauso etablieren. Die Chancen dafür standen günstig: "Gute Stimmung, volle Bude - was will man mehr?", frohlockte der Präsident der Lions in Wanne-Eickel, Michael Prange. Die zahlreichen Besucher passten gerade so eben in die ehemalige Kaue des Kultur-Bergwerks. "Damit ist die Kapazität ausgeschöpft", meinte Club-Mitglied Peter Exner. Erreicht wurde daher auch ein ordentlicher Erlös aus Eintrittskarten und Verzehr für den Lions-Fonds, laut erster Schätzung über 5000 Euro. Aus dem Fonds erhielt etwa Weißrussland-Fahrer Reinhard Hellnick kürzlich erneut Unterstützung für sein Hilfsprojekt für notleidende Kinder. Andere Projekte für Jugendliche sollen ebenso profitieren.

Eine Scheibe abschneiden durfte sich auch der "Leo-Club". Die Jugendfraktion der Lions hatte tatkräftig mit angepackt und am Tag zuvor in drei Stunden die Bühne aufgebaut, Lichterketten befestigt und Tische geschleppt. Am Veranstaltungsabend kümmerten sich die "Dickköppe" um den Verkauf von Wertmarken (à ein Euro), von denen um 21 Uhr schon gut 2000 ihren Weg in die Hände der Gäste gefunden hatten. So füllte sich zum Teil damit der eigene Fonds der Leos, der wiederum für karitative Zwecke eingesetzt wird.

"Langsam verliert man seine Stimme hier!", rief Präsident Michael Prange, dessen Worte zwischen der Musik und dem Stimmengewirr vieler Gäste untergingen. Wer nicht unter den Besuchern war und den selbst gebeizten Lachs verpasst hat, kann diesen ab dem dritten Dezember erwerben: beim Lions-Stand vor der Christuskirche auf dem Weihnachtsmarkt in Wanne.
tm .

"Elf" präsentieren Kunst aus Unser Fritz

18.11.2004 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Erste Gemeinschaftsausstellung

Weit war der Weg nicht von der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 bis zur VHS-Galerie. "Wir wollten uns einfach einmal an einem ganz anderen Ort präsentieren", sagt Winfried Labus, einer der elf Künstler/innen der Ateliergemeinschaft.

In der Galerie zeigen die Elf erstmals gemeinsam, was auf Unser Fritz 2/3 an Kunst entsteht. Gitta Witzke präsentiert witzige bis ironische kleine Arbeiten auf Papier. In Fotos der Felsenküste von Helgoland hat sie kleine Menschen gezeichnet; die Strichfiguren versuchen sich in spielerisch-gymnastischen Übungen vor einer künstlich wirkenden Landschaft. Marie Elisabeth White ist mit tagebuchartigen Aufzeichnungen vertreten. Es sind kleine Blätter, in denen sich Zeichnungen mit Fotos und Texten mischen. In diesen Collagen setzt sie sich immer wieder mit persönlich Erlebtem und Reflexionen über religiöse Symbole auseinander. In den Raum reichen die Objekte von Werner Ryschawy. Er formt mit Drähten filigrane Gebilde, die an figurative Gestalten oder architektonische Modelle erinnern.

Es wirkt ein wenig bunt zusammengewürfelt, was die Elf für die Ausstellung ausgesucht haben: wenig Neues, viel Geschehenes und Bekanntes ist zu sehen. Überraschungen liefern eher die Neuen der Ateliergemeinschaft. Die Präsentation macht aber nur zu deutlich, dass sich auf Unser Fritz 2/3 elf Künstler/innen ein Haus mit Ateliers teilen, was vielleicht für eine gemeinsame Ausstellung nicht genug ist. Eröffnung: Freitag, 19 Uhr, mit Prof. Dr. Ullrich, Direktor der Museen in Recklinghausen. Zu sehen sind die "Elf" bis zum 28. Januar, mo-fr: 8-21 Uhr.
FH

Solaranlage sieht sofort Sonne

04.10.2004 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Neuer Energielieferant für die Künstlerzeche - 1700 Kw-Stunden im Jahr

Einst kam die Kraft aus der Kohle, jetztliefert die Sonne die Energie. DieKünstlerzeche in Unser Fritz bekam amgestrigen Sonntag eine Solaranlage, die sich schon gleich mit besonderen Werten auszeichnete.

"Heute ist es optimal: nicht zu heiß, aber schön sonnig", stellte Angelika Kurzawa vonden Stadtwerken Herne gestern bei der Übergabe der Schenkungsurkunde fest. Denn ihre größte Leistung entfalten die Solarzellen bei guter Sonneneinstrahlung, aber gemäßigten Temperaturen. So zeigte die neue Informationstafel im Eingangsbereich der Künstlerzeche um die Mittagszeit knapp über 1500 Watt an, maximal wären 2100 möglich. Als sich kurzzeitig eine Wolke dazwischenschob, sank die Skala auf 315 - die Daten kommen live vom Dach. Insgesamt soll die Anlage rund 1700 Kilowattstunden im Jahr erzeugen und dabei der Umwelt 1100 kg Kohlendioxid-Emissionen ersparen. Die Einnahmen aus der Stromerzeugung kommen dann der Künstlerzeche zugute: etwa für Projekte, Veranstaltungen und Ausstellungen. "Das bringt uns regelmäßig bares Geld", meint Jens Blome. Der Vorsitzende freut sich über schätzungsweise 1500 Euro pro Jahr.

Finanziert wurde das 16-Quadratmeter-Kraftwerk zu gleichen Anteilen von den Stadtwerken Herne und den Kunden des "rewirnatur"-Tarifs, bei dem diese einen Aufpreis für Ökostrom zahlen. "Wir verpflichten uns, das Geld aus dem Aufpreisfür derartige Projekte einzusetzen", versichert Angelika Kurzawa. Die zehn Module kosteten circa. 16 000 Euro und sind gänzlich in den Besitz des Fördervereins übergegangen.

Gut 30 Gäste, darunter Ökostrom-Käufer und Künstler der Zeche, kamen gestern zu diesem Anlass in der alten Schwarz-Kaue zusammen. Darunter auch Ursula Mücke, deren Sohn in Solarstrom investiert. "Ich finde, wir sollten alle alternativen Energien nutzen, z.B. um auf Atomkraft zu verzichten." Dem Argument hoher Investitionskosten entgegnet sie: "Aller Anfang ist schwer. Erst wenn viele sich dafür entscheiden, wird es billiger!" Fotograf und Atelierbesitzer Winfried Labus sieht das genau so, möchte deshalb das Dach des einstigen Bergwerks mit noch mehr Solarzellen besetzen. "Wir haben hier solch ein Potential, hier vor Ort könnte noch viel mehr Kulturarbeit geleistet werden", sagt Labus und hofft auf weitere Investoren. Im Internet sind unter http://www.kuenstlerzeche.de Informationen rund um die Einrichtung zu finden.

Jazz-Sommer weckt gute Erinnerungen

23.08.2004 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Die Wanner Legende Heinz Oelmann begleitet Ernst-Dittke-Quintett am Piano

Jazz in Wanne-Eickel: Vor 40 Jahren war die Jazz-Wanne kultureller Anziehungspunkt für Musiker aus dem Ruhrgebiet - und der ganzen Welt. Mittendrin: Heinz Oelmann, der auch heute noch kräftig in die (Piano-)Tasten schlägt.

Genau das konnten Anhänger der Jazz-Musik am Samstag in der Künstlerzeche Unser Fritz live erleben, in der Oelmann mit dem Ernst-Dittke-Quintett Jazz und Blues vom Feinsten spielte und das Publikum in seinen Bann zog.

Mit dieser Veranstaltung erfüllte sich Helmut Bettenhausen einen alten Traum: Der bildende Künstler, der in der Zeche sein Atelier hat, spielte schon lange mit dem Gedanken, den Film "Jazz in the summer's day" von 1959 in der großen Halle aufzuführen. Der 80-minütige 16-Millimeter-Film präsentiert das Newport Festival, bei dem viele bekannte Jazz-Größen der 50er Jahre auftraten. Unter anderem war Louis Armstrong zu sehen und zu hören. "Ich kenne Heinz Oelmann noch von früher", erläuterte Bettenhausen. Und deshalb fiel es ihm leicht, auch für das musikalische Rahmenprogramm zu sorgen.

Die gut besuchte Künstlerzeche bot das passende Umfeld für den Jazz-Event, natürlich waren die Originale aus den 60ern Anziehungspunkt für viele Fans: Heinz Oelmann und Ernst Dittke an Klavier und Saxophon haben schon in der Jazz-Wanne mitgespielt. Mit dabei waren Bernd Westhoff (Trompete), Volker Ehm (Kontrabass) und Achim Kämpe (Schlagzeug), für die es faszinierend ist, "mit den Originalen zu spielen, die die alten Zeiten miterlebt haben". Von ihnen könne man viel lernen, "und es ist spannend, ihren Erlebnissen und Erfahrungen zu zuhören", so Westhoff.
IF
19.05.2004 WAZ-Thema: Extraschicht

Am 10. Juli bricht das Ruhrgebiet wieder zu einer "Extraschicht" quer durch die Industriekultur auf. Dann steigt die Künstlerzeche in den Ring: In dieser Nacht dreht sich alles um das Thema Boxen.

Und das nicht ohne Grund: Denn vor 50 Jahren, als noch Kohle gefördert wurde und niemand an die Umwandlung des Zechengebäudes in Künstlerateliers dachte, nutzte der Boxverein Schwarz-Weiß Unser Fritz die Örtlichkeit, um in der Weißkaue zu trainieren und Wettkämpfe auszutragen.

An dieses historische Intermezzo will die Extraschicht erinnern - und den Bogen noch weiter spannen. So sollen Musikboxen für Unterhaltung sorgen und ein Boxermotor den Blick auf sein Innerstes freigeben. Der assoziative Umgang mit einem Thema, das nur auf den ersten Blick etwas mit dem Sport zu tun hat, verspricht "lustig, interessant und vielseitig" zu werden, ist Susanne Fischer von der CDU-Fraktion im Kulturausschuss überzeugt. Die Idee, auf der Dorstener Straße ein Hinweisschild in Form einer Zechen-Silhouette aus Verbundmaterial aufzustellen, fand sie so gelungen, dass es dort auch dauerhaft stehen bleiben sollte.

Kultur-Dezernentin Dr. Dagmar Goch nahm die Anregung zur Kenntnis und versprach zu überprüfen, ob die diversen Vorschriften mit diesem Vorschlag in Einklang gebracht werden können. Ulrich Klonki von der SPD ging das Problem eher pragmatisch an. Seine Empfehlung lautete deshalb: "Vergessen Sie das Schild doch einfach." Nachdem auch noch Jürgen Saibic von den Grünen erklärt hatte, dass die Künstlerzeche ein "phantastischer Ausstellungsort" von ähnlichem Rang wie die Flottmann-Hallen sei, blieb dem Ausschuss nur noch, Klonkis Empfehlung zu folgen: "Ring frei für den Zuschuss."

Die Stadt Herne wird das Box-Projekt mit 1000 Euro unterstützen.
ls
14.05.2004 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Sechs Wiesbadenerinnen in Unser Fritz

Im Frühjahr haben die Künstlerinnen und Künstler der Zeche Unser Fritz in Wiesbaden bei einer Ateliergemeinschaft ausgestellt - nun zeigen die Wiesbadener im Gegenzug in Unser Fritz ihre Werke.

Die sechs Künstlerinnen vertreten sehr unterschiedliche Positionen. So zeigt Brigitte Dirting Arbeiten auf Papier, wobei Zeichnung und Malerei, Linie und Fläche in einen Dialog treten und gestisch orientierte Bildformen in reduzierter Farbigkeit schaffen. Ganz anders Mechthild Fuchs, die Holzschnitte zeigt: Sie hat Formen von Brücken aufgenommen und sie zu geometrisch konstruktiven Gebilden geformt. Fotos von Industrieanlagen hat Sabine Glenz überarbeitet und die Vorlagen in farbige, räumliche Strukturen umgesetzt, die eigene Perspektiven erzeugen. Zu Köpfen fügen sich in Annegret Hoffmanns Objektkästen einzelne Bildelemente zusammen, die sie auf unterschiedlichen Ebenen angeordnet hat. Das Quadrat ist das Thema von Marianne Münster: Sie setzt sich damit in Boden- und Wandobjekten auseinander, spielt mit den Wirkungen des Materials, seien es Pigmente, Kohlenstaub oder Stahlblech. An Landschaften erinnern die Bilder von Eva Seifert, bei denen sich aus horizontalen Linienmustern flüchtig gemalte Häuser und Figuren formen.

Die sehr unterschiedlichen Arbeiten stehen in der Künstlerzeche oft ein wenig unvermittelt nebeneinander; diese Aneinanderreihung sprengt beinahe die Möglichkeiten auf Unser Fritz.
FH
12.05.2004 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Landschaftspark mit 23 Herner Projekten

Internationale Bauausstellung Emscherpark war gestern, jetzt kommt der Emscher-Landschaftspark 2010. 17 Städte, darunter auch Herne, zwei Kreise, Emschergenossenschaft, Lippeverband, Landesregierung und KVR haben einen Masterplan entwickelt, der die Nordhälfe des Ruhrgebiets grundlegend verändern soll.

Nicht ohne Grund stellte die Landesgesellschaft Projekt Ruhr GmbH die ehrgeizigen Pläne in der Künstlerzeche Unser Fritz vor. Denn einerseits steht die Zeche für den Wandel eines alten Bergbaustandortes zu einem Kulturzentrum, andererseits befindet sich die Zeche auf einer "Insel" zwischen Kanal und Emscher. Und dieses langgestreckte Inselband zwischen Dortmund im Osten und Duisburg im Westen ist der Kern eines gewaltigen Umgestaltungsprozesses. Auf einer Fläche von über 430 Quadratkilometern sollen den rund 200 fertig gestellten IBA-Projekten jetzt weitere 271 Einzelprojekte folgen mit den Schwerpunkten Städtebau, Ökologie, Wirtschaft, Kultur, Tourismus und Soziales. Die Ansiedlung neuer Betriebe gehört ebenso zum Konzept wie die Flächenaufbereitung für neues Wohnen und Arbeiten im Park, die Schaffung attraktiven Wohnraums, die urbane Land- und Forstwirtschaft und die Verbesserung der ökologischen Rahmenbedingungen. Projekt-Ruhr-Geschäftsführer Hanns-Ludwig Brauser: "Der Masterplan ist der Schlüssel für die Entwicklung dieser Region. Mit der Realisierung der Einzelprojekte in den kommenden 15 Jahren sind die Sicherung und Schaffung von deutlich mehr als 20 000 Arbeitsplätzen verbunden."

Herne hat für den Masterplan insgesamt 23 Vorhaben angemeldet. Dazu zählen so bekannte Beispiele wie die Umwandlung der Erzbahntrasse in einen Radweg, die Verlegung der Alleestraßenbrücke und die Stadtteilerneuerung in Bickern und Unser Fritz. Zur mittel- und langfristigen Planung gehören ein Ost-West-Radweg entlang der Köln-Mindener Eisenbahn, die städtebauliche Entwicklung auf dem Gelände des Rangierbahnhofes Horsthausen, ein von Herne, Recklinghausen und Castrop-Rauxel getragenes Kanaluferkonzept sowie ein Fuß-/Radweg für Bruchstraße und Heroldstraße.

Private und öffentliche Investitionen von EU, Land und Kommunen werden nach Brausers Aussage "mehrere Milliarden Euro" umfassen.
ls

17.11.2003 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Zu einem Atelierbesuch in der Künstlerzeche "Unser Fritz" lädt am Samstag, 22. November, der Förderverein "Freunde des Emschertal-Museums" ein. Nach einem Rundgang durch die neuen Ausstellungsräume stehen die dort tätigen Künstler und Künstlerinnen den Teilnehmern auch für Gespräche zur Verfügung. Anschließend klingt das Treffen gegen 18 Uhr mit einem Essen im Restaurant "Meistertrunk" am Eickeler Markt aus. Interessierte können sich dem Förderverein anschließen. Anmeldungen sind bis zum 20. November (vormittags) unter HER 16 26 11 oder HER 16 10 75 möglich.
07.10.2003 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Maschinenhalle Consol präsentiert ab Frühjahr nächsten Jahres Werner Thiels Bergbau-Sammlung

Helmut Bettenhausen, 67, Gründer der Künstlerzeche "Unser Fritz" in Wanne-Eickel, übernimmt die Verantwortung für die künstlerische Innengestaltung der Maschinenhalle des ehemaligen Bergwerkes Consolidation in Gelsenkirchen. Dort zieht im Frühjahr 2004 die Sammlung Thiel ein.

Mit Bettenhausen verpflichtete der Gelsenkirchener Kulturamtschef Dr. Volker Bandelow einen Kollegen Werner Thiels, der das Werk, die Entwicklung, die Schwerpunkte im Schaffen des vor einiger Zeit verstorbenen Künstlers seit 25 Jahren kennt. Bettenhausen will "weniger inszenieren als dokumentieren", er will Bilder und Objekte Thiels, die über viele Jahre eine Heimat in der Künstlerzeche gefunden hatten, als Eigenwert betonen. "Ich will nicht interpretieren", lautet seine Devise.

Begleitet bei der Einrichtung der alten Zechenhalle wird er von Architekt Lutz Kahnwald, 41, der sich um die statischen Bedingungen, um bauliche Substanz und die Abwicklung der Einbauten wie umlaufende Galerie, Regalsysteme, zusätzliche Traversen für Aufhängevorrichtungen usw. kümmert. Der 24,50 mal 15 Meter große Komplex, der um einen tiefer gelegten Außenbereich ergänzt wird, soll durch Thiels Bergbau-Deutung einen "anderen Blick" auf Arbeitsbedingungen untertage, auf Industriearchitektur und -kultur ermöglichen - als Erweiterung des früher verengten Verständnisses von Brachen. Kohle führt zur Kunst. Bettenhausen plant Materialgruppen mit Thiels Fundstücken (Sägeblätter, Äxte, Werkzeuge, Ölkannen, Schaufeln usw.), entwirft eine Wandinstallation aus Arbeitshandschuhen in Handform, ballt Helme, Beinschoner, Stiefel zu "Trauben" zusammen. An den Wänden hängen großformatige Fotografien jener Schachtanlagen, mit denen sich Thiel ästhetisch auseinandersetzte. Im Eingang wird der Künstler selbst vorgestellt: in Bild und Text.

Sollten Gastkünstler sich mit der ehemaligen Bergbau-Wirklichkeit beschäftigen wollen, soll dies im Außenbereich stattfinden: Arbeitsgerät und Maschinen werden aufgestellt. Das Ganze: Ein Ort der Nachdenklichkeit über Bergbau, Kunst, Verfremdung, Authentizität - ein lebendiges Zentrum mit besonderer Atmosphäre.
HJL
14.07.2003 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Ateliergespräche als Zwischenstopp auf Entdeckungstour

"Sind sie sicher, dass sie hier aussteigen wollen?" Die junge Frau mit dem blauen ExtraSchicht-T-Shirt und -Käppi sieht die vier Erwachsenen und drei Kinder besorgt an. Sie sind als einzige gerade an der Künstlerzeche aus dem Shuttle-Bus gestiegen. Alle anderen fahren weiter mit der rosaroten Linie ES4 zu den anderen Spielorten.

Ein Publikumsmagnet ist die Zeche nicht. Andere Spielstätten locken mit Action und Unterhaltung, z.B. das Theater Consol in Gelsenkirchen. Eine gespenstische Führung gibt es da samt Besuch beim Gespenst von Canterville.

Die Künstlerzeche bietet beschaulichen Kontrast. Wer will, findet Zeit und Gelegenheit, sich mit den Künstlern zu unterhalten. "Eine sehr angenehme, entspannte Atmosphäre", meint denn auch ein Besucher aus Wuppertal. Selbst begeisterter Schwarzweiß-Fotograf hat er sich sofort in ein Gespräch mit Werner Köntopp vertieft. Winfried Labus weckt dagegen mit seiner wandfüllenden Farbbildercollage Vorfreude auf die Cranger Kirmes. Der Duft gebrannter Mandeln tut ein Übriges, um die Besucher in sein Atelier zu locken. In der Weißkaue ist die Ausstellung von Erika M. Reihl zu sehen, in der Schwarzkaue gibt's Schmalzstullen und Würstchen.

Weiter geht es durch die Reviernacht. Auf dem Weg zur Zeche Ewald gibt es eine kostenlose Führung, der Busfahrer macht auf markante Punkte aufmerksam. Zeche Ewald? Leider keine Zeit. Weiter zum wirklich empfehlenswerten Umspannwerk in Recklinghausen-Süd, mit seiner Ausstellung, die auch einen Einblick ins Design von gestern und heute gibt. Diese Lampen!

Spät ist es inzwischen geworden, sehr spät.
Um 0.30 Uhr ist die Drehscheibe an der ES4, die Jahrhunderthalle in Bochum, endlich erreicht. Zu spät für unsere kleine Gruppe: Statt des großen Finales steht für drei schlafende Kinder und vier todmüde Erwachsene nur noch die Rückfahrt zum Ausgangspunkt, zur Zeche Hannover, auf dem Programm.
Hei
23.06.2003 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

KünstlerInnen für den Frieden laden ein

Politik trifft Kunst: Zu einem Gesprächssalon laden die KünstlerInnen für den Frieden am Samstag, 28. Juni, um 19 Uhr in die Künstlerzeche Unser Fritz 2/3, Alleestraße 50, ein.

Der Gesprächssalon macht den Versuch, in einer offenen Runde über Außen- und Kulturpolitik zu diskutieren. Eingeladen sind u.a. Ludger Volmer, außenpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, Peter Rose, Sprecher des Kulturformums der SPD-Ruhrgebiet und Oliver Keymis, Sprecher für Kultur und Medien von Bündnis 90/Die Grünen in NRW.

Neben Informationen zur neuen deutschen Außenpolitik und kulturpolitischen Positionen werden während des Gesprächssalons verschiedene aktuelle künstlerische Arbeiten vorgestellt. Präsentiert werden ein Fotoprojekt von Brigitte Kraemer, eine Arbeit von Monika Ortmann, ein Kunstprojekt des FrauenKunstForums Hagen und eine Performance von Angelica und Ulrike Schubert und Pedro Malinowski.
01.11.2003 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

"Gift-Mischer" gastieren in der Zeche

Viermal neu macht der Lions-Club Wanne-Eickel.

Die Wohltätigkeitsorganisation, die im übernächsten Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feiern kann, lädt am Freitag, 21. November, zum 1. Jazz-Konzert ein. Am neuen Veranstaltungsort, der Künstlerzeche Unser Fritz am Grimberger Feld/Alleestraße, werden "The New Haranni Poison Mixers" ab 20 Uhr zu hören sein, eine altbekannte Jazz-Combo in neuer Zusammensetzung. Und um das Quartett der Neuigkeiten komplett zu machen, dürfen die Zuhörer an diesem Abend vom ersten frischen Rotwein aus Frankreich kosten. Bekanntlich begibt sich der neue "Primeur" erst am Tag zuvor auf die Reise, um streng reglementiert sein Ziel zu erreichen.

Lions-Präsident Wolfram Siebold sieht in diesem kulturellen Angebot "eine neue Herausforderung". Findet diese Veranstaltung den entsprechenden Zuspruch, steht einer Wiederholung in den Folgejahren nichts im Wege.

Eintrittskarten gibt es ab sofort im Vorverkauf in Crange im Autohaus Tiemann, in Wanne-Mitte in der Sparkasse am Buschmannshof und in der Ruhr-Apotheke sowie in Eickel bei Geschenke Bresser und im Café Messner.
ls
19.07.2003 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Melanchthon-Schüler entwerfen preisgekröntes Logo

Das Stadtteilprojekt Bickern/Unser Fritz hat fortan ein eigenes "Logo". Der Entwurf stammt von der Klasse 10 a der Melanchthon-Hauptschule.

Er zeigt, auf den ersten Blick, einen Förderturm. Auf den zweiten aber zwei Menschen, die sich, unter einem gemeinsamen Dach stehend, die Hände reichen. Die Köpfe rauchten, als sich sechs Jury-Mitglieder in der Künstlerzeche Unser Fritz auf einen von insgesamt 15 Entwürfen einigen mussten. Fünf Gruppen aus vier Wanne-Eickeler Schulen hatten sich an dem vom Stadtteilprojekt ausgerufenen Logo-Wettbewerb beteiligt und innerhalb von drei Monaten Vorschläge erarbeitet, von denen sie nun je drei präsentierten.

Angeleitet von dem Grafiker Erich Füllgrabe und dem Künstler Dirk Schlichting schufen die Schüler Enormes. Die Jury bescheinigte durchweg allen Werken einen hohen Qualitätsanspruch und ein beachtliches Potenzial an Kreativität - was die Entscheidung ungeheuer schwer machte.

Mit einer Gegenstimme kürte das Gremium nach langem Meinungsaustausch schließlich das in den Farben Grün und Gelb gehaltene Zeichen der Melanchthon-Schüler. Auch der zweite Preis ging an die 10 a. Und mit den Klassen 9 a und 9 b gewann die Melanchthon-Schule auch den dritten Preis.
18.02.2003 / WAZ / LOKALAUSGABE / HERNE

Jens Blome löst Erika Porsch ab

Der Förderverein der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 setzt seine Arbeit mit einem fast komplett erneuerten Vorstand fort.

Vorsitzender Jens Blome sowie die beiden Stellvertreter Martin Kortmann und Dorothea Schulte lösten Erika Porsch sowie Johanna Kleine-Onnebrink und Max W. Blasey in ihren Ämtern ab. Dem neuen Vorstand gehören darüber hinaus an: Schriftführerin Ulla Potthoff und Schatzmeister Winfried Labus. Den Kreis der Beisitzer machen Lutz Kahnwald, Gitta Witzke, Hanni und Franz Eckmann, Birgit Litsch und Inge Viehbeck komplett. Die Künstler sind im neuen Vorstand vertreten durch Beate Matkey und Atelier-Gründer Helmut Bettenhausen, der zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Die Funktion der Kassenprüfer übernehmen Michael Dobala und Werner Witt.