WAZ/ 6.Juni 2005

"Rund ums Rad" war keine bierernste Kunst

Extraschichtler, die das Motto "Alles dreht sich - rund ums Rad" als einmal wieder gut gemeintes Plädoyer für gesündere Lebensweise verstanden, wurden am Samstag in der Künstlerzeche wahrscheinlich positiv überrascht. Denn hier wurde das Rad im Rahmen der langen Nacht der Industriekultur in ästhetisch-kreativer Natur verwendet.

Die Unser-Fritz-Künstler hatten sich rund ums Velo Gedanken gemacht - Resultat war keine bierernste Kunst, sondern Anregung zum Schmunzeln. Die zahlreichen Besucher amüsierten sich zunächst über die "Wanner Stadtmusikanten": Übereinandergeschweißt machten Herren-, Damen-, Kinder- und Dreirad nicht zu viel Geschrei, um Gäste zu vergraulen.

Bewegter ging es in der ehemaligen Weißkaue zu, die mit Rad-Objekten bereichert wurde. Hier erklang der "Sportpalastwalzer", den Heinz Oelmann, berühmt-berüchtiger Wanner Jazzer, am Piano modulierte, begleitet von einem Fahrradklingeln.

Diesem Gag folgte eine phantasievolle Inszenierung des "Kaukasischen Kreidekreises": Zwei Läufer rannten im Kreidekreis, in dessen Zentrum sie gleichzeitig das (Fahr-)Rad entdeckten. Nach kurzer Ratlosigkeit entstand ein Streit, der durch einen Kompromiss beendet werden musste: Das Rad wurde entzweit, und jeder bekam ein Rad - mit dem jedoch keiner viel anfangen konnte.

Professionelle Einradfahrer zeigten den Besuchern, die sich mit Radi (Rettich) und Radeberger für die lange Nacht stärkten, was sie zum Beispiel als Pedalritter aus ihren Sportgeräten herausholen konnten. Die Extraschichtler lehnten sich hier entspannt zurück und sammelten Anregungen für den nicht ganz alltäglichen Gebrauch des Rades.
Jens Blome, Vorsitzender des Fördervereins der Künstlerzeche, zeigte sich mit dem Andrang "überaus zufrieden".