Rita Rohlfing,
Lufttöne.

Ausstellung vom 21. März - 13. April 2009

Öffnungszeiten:
Mittwoch    15.00 - 18.00 Uhr
Samstag    15.00 - 18.00 Uhr
Sonntag     14.00 - 17.00 Uhr
und nach telefonischer Vereinbarung 0178-4865775


Ausstellungseröffnung war am Samstag, dem 21. März 2009 um 17.00 Uhr.

Die Eröffnungsrede hielt:

Dr. Christine Vogt
Direktorin Ludwig Galerie Schloss Oberhausen

Rita Rohlfing - Rauminstallation Lufttöne

Die Künstlerin Rita Rohlfing macht es keinem Betrachter und keinem Interpreten leicht, ihre künstlerische Zielsetzung einer Gattung zuzuordnen.

Sie ist eine leidenschaftliche Malerin, die sich auf die Auseinandersetzung mit Farbe einlässt, sie malt und doch entstehen keine Gemälde im klassischen Verständnis.

Sie ist Bildhauerin, die monumentale Skulpturen erschafft, die jedoch niemals Festkörper zu sein scheinen und Volumen nicht nach Außen sondern nach Innen kommunizieren.

Sie ist Architektin, die sich stets im Raum definiert und diesen strukturiert und hinterfragt.

Der Raumfarbkörper der Installation Lufttöne entwickelt sich in diesem Kontext im Zusammenspiel von gestalteten und gleichsam ungestalteten Flächen, das im Hintereinander von Plexiglasscheiben und gemalten Aluminiumoberflächen entsteht. Im Abschreiten des Raumes und damit der Reihen erlebt der Betrachter ständig neue Impulse der Wahrnehmung. Die bemalten Aluminiumplatten scheinen im Raum zu schweben und werden durch die Spiegelung in den Plexiglasscheiben zu diffusen Lichttönen „verschwommen“. Es entwickelt sich eine Gesamtskulptur, durch die der Betrachter sich bewegt und die sich im Abschreiten der unterschiedlichen Raumwerte immer wieder neu konstituiert und im Raum gleichsam die Farbe Rot wie einen roten Nebel, wie einen Schleier, eben wie einen Luftton erfahrbar macht. Erst in der letzten Reihe direkt vor den Farbplatten erlebt er die Farbe in ihrer ganzen Dominanz und Präsenz, ungefiltert durch die Plexiglasscheiben.

Wenn der Betrachter das Ende des Raumes erreicht hat und sich im hinteren Teil zurück wendet, sieht er die rückwärtigen Seiten der Aluminiumplatten, die völlig unbemalt gelassen sind. Hier stellt sich für die Wahrnehmung eine kühle Grauwertigkeit ein, die nur dadurch unterbrochen wird, insoweit der Betrachter selbst bisweilen je nach Lichtverhältnissen in den Aluminiumoberflächen leicht gespiegelt wird und sich so als ein neuer, ein anderer Farbton im Raum wiederfindet.

Der Farbkörper der Installation Lufttöne erscheint in seiner Qualität nicht bestimmbar - mal ist er diffus gebrochen, manchmal klar und deutlich, momentan im Durchblick erfahrbar, dann wieder völlig aufgelöst und fast nicht mehr wahrnehmbar und immer wieder neu gemischt mit den Farbwerten, die die Besucher selbst in diese Installation einbringen. Betrachtet man Lufttöne über einen längeren Zeitraum, so werden die einzelnen Besucher gleichsam Bestandteile dieses Farbraumes, der sich immer wieder neu darstellt und konstituiert. Die Reflexe auf den Oberflächen der Plexiglasscheiben, die andere Form von Spiegelung in den matten Aluminiumoberflächen, die Durchblicke durch die 75 cm breiten Spalte zwischen den einzelnen Platten, sie alle tragen immer wieder zu einem neuen Raum- und Farberlebnis bei, das diese Installation zu einem sich ständig verändernden und den Betrachter in ständiger Bewegung haltenden Environment macht.

Dieser immaterielle Farbraum, den Rita Rohlfing mit Lufttöne schafft, leitet sich direkt von ihren skulpturalen Arbeiten ab, bei denen sie innerhalb der Skulptur mit geschlossenen Räumen arbeitet , wobei wiederum Farbe als Ton manifest wird, der durch eine mattierte Plexiglasscheibe hindurch nur diffus und unkonkret erfahrbar bleibt.

Rita Rohlfing geht in der Installation so weit, diesen Farbraum, den sie in den Skulpturen geschlossen gehalten hat, zu eröffnen und für den Betrachter begehbar zu machen.

In diesem Sinne ist die Installation Lufttöne eine zwangsläufige Entwicklung in ihrer Arbeit. Der Farbraum in den Skulpturen, ein fast hermetisches und autarkes Volumen, wird jetzt zu einem völlig offenen, begehbaren Kontinuum, in dem der Betrachter gleichsam selbst mit zum gestaltenden Element wird, indem er durch seine Position ständig die Wahrnehmung verändert und indem er zum zweiten durch seine materielle Präsenz mit der Möglichkeit, sich zu spiegeln und von anderen wahrgenommen zu werden, selbst Bestandteil dieses immateriellen Farbraumes wird.

Gabriele Uelsberg, Direktorin Rheinisches Landesmuseum Bonn