WAZ 03.03.2007

Bewegte Bilder aus dem Computer

Der Bochumer Künstler Kay Malek stellt in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 aus.

Nebelhafte Schleier durchwabern im Dunkel des Raumes eine fast meditative Ruhe Langsam drehen sich große Formen über die Wände. Auf dem Boden bewegen sich flimmernde Farben. Ein Monitor in der Ecke strahlt dauernd verändernde Formen aus. "Autonome Realität: Video" heißt die Ausstellung, die der Bochumer Künstler Kay Malek ab Samstag in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 zeigt.

Was die Besucher in dem abgedunkelten Raum sehen können, unterscheidet sich von üblichen Arbeiten mit dem Medium Video. Kay Malek arbeitet nicht mit der Videokamera, sondern ausschließlich mit dem Computer. Ihm geht es nicht darum, mit dem Rechner unsere Welt künstlich neu zu erschaffen, sondern eine ganz eigene Wirklichkeit aus Farben und Formen zu erzeugen.

"Meine eigentliche Arbeit ist gar nicht sichtbar", sagt Kay Malek selbst. Er entwirft für den Computer Programme, denen er ein gewisses Eigenleben verleiht. Diese Prozesse laufen ab und verändern sich, indem sie mit und auf andere Prozesse reagieren. Um diese Aktionen, die eigentlich unsichtbar im Speicher des Computers ablaufen, sichtbar zu machen, hat Malek sie als bewegte Grafiken programmiert.

So drehen sich auf den Wänden fast geometrische, kristalline Formen. Und immer wenn zwei oder mehrere dieser Grundelemente aufeinandertreffen, beginnen sie sich zu verändern. Sie wachsen oder werden kleiner. Sie drehen sich mal langsamer und mal schneller. Dann scheint es, als ob sie sich ganz auflösen würden. Ihre Farben verändern sich. Sie werden zu nebelhaften Schleiern, die langsam über die Wände ziehen. Alles, was wir sehen, läuft in einer fast meditativen Ruhe ab. Es braucht Zeit, sich an diesen Fluss der Bildelemente zu gewöhnen und ihn in seinen Veränderungen wahrzunehmen. Der Besucher kann auf Bänken sitzen und den wechselseitigen Wandlungen der einzelnen Formen folgen.

Diese Langsamkeit ist in der Tat gewöhnungsbedürftig. Denn die Arbeiten von Kay Malek stehen gegen eine hektische Videoästhetik oder die schnellen Schnitte moderner Videoclips. Hat man sich erst einmal an die Ruhe und Stille gewöhnt, wird der Betrachter ganz von dieser Wirklichkeit eingefangen.

Die Ausstellung "Autonome Realität: Video" wird morgen (Sa.) um 17 Uhr eröffnet. Es erscheint zum Preis von 15 E ein Katalog auf DVD. Zu sehen sind die Arbeiten bis zum 25. März. Am Sonntag, 25. März, lädt die Künstlerzeche ab 15 Uhr zu einem Gespräch mit Kay Malek ein.
Öffnungszeiten Mi, So, 15 - 17 Uhr
FH