WAZ 29.09.2007

Tonnenschweres Gestein

Von Falko Herlemann

13 bis 14 Tonnen sogenanntes Bergematerial sind in der ehemaligen Weißkaue, dem Ausstellungsraum der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3, aufgetürmt. Der in Bochum lebende Künstler Nol Hennissen hat daraus eine Bodenarbeit geschaffen. "Unter uns" nennt er sein Werk. Und in dem sind hier Wege an die Oberfläche geholt, wie sie tief unter der Künstlerzeche verlaufen.

Nol Hennissen hat sich durch Pläne anregen lassen, in denen der unterirdische Streckenverlauf der Zechen im Ruhrgebiet verzeichnet ist. In bis zu elf Ebenen ziehen sich die ehemaligen Kohleflöze unter der Oberfläche entlang. Der aus den Niederlanden stammende Künstler hat aus diesen Schichten ein Gesamtbild erstellt, indem er die einzelnen Ebenen zu einer Zeichnung verschmolzen hat. Ein grafisch interessanter Ausschnitt lieferte dann die Vorlage für die Bodenzeichnung im Ausstellungsraum. Mit dem Bergematerial der Zeche Prosper in Bottrop hat er dann das unterirdische Gestein gekennzeichnet. Die frei bleibenden Wege stellen die Strecken dar.

"Ich wollte etwas hervorholen, was tief unter uns versteckt ist", beschreibt Nol Hennissen seine Arbeit. Der Betrachter kann zwischen dem aufgeschütteten dunklen Material umhergehen. Die Wege und der ganze Raum erscheinen so in einem immer anderen Bild. Sie machen vielleicht ein wenig das unsichtbare Wegenetz unter uns deutlich.

Einen starken Kontrast zu dem dunklen Steinmaterial bilden die Wandarbeiten. Weiße Leisten und Profile aus Aluminium sind hier konstruktiv übereinandergeschichtet. Sie bilden Rechtecke, Quadrate, Reihungen oder eine achteckige Form. Doch dabei bleibt es nicht. Richtig beleuchtet, erscheinen auf den weißen Wänden zarte, verschwommene Farben, die die weißen Profile noch räumlicher wirken lassen.

Nol Hennissen hat eine Ausstellung geschaffen, die ganz auf den Raum der Künstlerzeche bezogen ist. Mehr noch. Seine Bodenarbeit thematisiert auch etwas von der Geschichte des Ruhrgebiets.

"Unter uns" wird am heutigen Samstag um 17 Uhr in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 eröffnet. Es spricht Dr. Susanne Düchting, Kunsthistorikerin an der Universität Duisburg-Essen. Die Ausstellung endet mit einer Finissage am Tag der offenen Ateliers am 21. Oktober. Öffnungszeiten: mittwochs und samstags 15-18 Uhr, sonntags 14-17 Uhr.