WAZ 04.05.2006 / LOKALAUSGABE / HERNE

Begegnung der Kulturen

Der chinesische Künstler Qi Yang zeigt in der Künstlerzeche "EmscherVisionen".

Östliches Gedankengut und europäische Kunsttradition im "Haus des Lotus"


"Vier Mal Glück" heißt die neue Ausstellung in der Künstlerzeche Unser Fritz. Der chinesische Künstler Qi Yang hat Bilder, Objekte, Videos und Fotografien zu vier großen Themenblöcken inszeniert.

Für seine "EmscherVisionen" erkundete er die Emscher und fotografierte seine Eindrücke. Es sind überraschende Beobachtungen des renaturierten Flusses. Besonders fielen ihm die beinahe strengen formalen Gegensätze zwischen Fluss und den Landschaftsbauwerken auf. Aber auch das Blau von Himmel und Wasser. Diese Bilder stellt er eine Videoprojektion gegenüber, die in rhythmisch geschnitten Bildern Wasser von verschiedenen Flüssen und Seen zeigt.

Im "Haus des Lotus" hat er Bilder von Lotusblättern auf Leinwände gebracht. Aus diesen Tafeln setzt er eine Skulptur zusammen, die mit an den Wänden hängenden Bildern konfrontiert wird. Dazu treten kleine Objekte aus Lotus, Seilen und durchscheinenden Papieren. In einer Videoanimation tanzen fallende und sich drehende Lotusblätter zu rhythmischer Musik.

Qi Yangs Arbeiten leben von dem Neben- und Miteinander von östlichem Gedankengut und europäischer Kunsttradition. Er findet immer wieder in der Auseinandersetzung mit der chinesischen Philosophie neue Anregungen, um sie in Kunst umzusetzen. Doch der Betrachter muss hier nicht in die Tiefen der asiatischen Philosophie einsteigen, um die Arbeiten zu verstehen. Auch wenn die Werke des in Düsseldorf wohnenden Künstlers auf den ersten Blick vielleicht ein wenig exotisch wirken, lassen sie dem Betrachter immer viel Raum für eigene Gedankenspiele.

Eröffnet wird die Ausstellung am Samstag, 6. Mai, 17 Uhr. Zur Ausstellung wird Ende Mai ein Katalog erscheinen. Zu sehen sind die Arbeiten von Qi Yang noch bis zum 18. Juni; Öffnungszeiten: Sa, So 14-18 Uhr, Mi 17-20 Uhr. FH



WAZ 24.05.2006 / LOKALAUSGABE / GELSENKIRCHEN

Fernost schlägt eine Brücke zur Gegenwart

Ein prominenter Maler, Fotograf und Installateur gastiert in der Künstlerzeche "Unser Fritz": Qi Yang


Gleich hinter der Stadtgrenze liegt auf Wanner Gebiet die Künstlerzeche "Unser Fritz", auf der Gelsenkirchener Künstler wie Jürgen Buhre oder Werner Ryschawy (früher auch Werner Thiel) ihre Ateliers haben. Zur Zeit denkt man, die Zeche sei in chinesischem Besitz. Denn zu Gast ist der international bereits hoch gehandelte Qi Yang, 54.

Der Künstler aus dem fernen Osten vermittelt - auf beachtlichem geistigen und sinnlichen Niveau - die ästhetische Sprache aus Tradition und Gegenwart, die der westliche (europäische) Kunstfreund dort vermutet oder sogar erwartet. Das Zeichenhafte der Kunst, das meditative Klima, die Abstraktion bei Landschaftmotiven durch Farbe und Material, die Neugier auf Erkundungen im Feld von Spuren und Strukturen - Qi Yang ist ein Meister des konsequenten Denkens und beharrlichen Gestaltens. Immer einfacher, rigoroser, ja radikaler werden seine Arbeiten, die ein System und Konzept verraten: der Brückenschlag zwischen Ost und West durch Vereinfachung und quasi religiöse Stille.

Prof. Yang, zur Zeit in Deutschland lebend, bewegt sich in verschiedenen Sparten - Fotografie, Installation, Malerei, Video, Architektur, Grafik sind seine Ressorts, die er souverän beherrscht und zwischen ihnen in seinem Schaffen Beziehungen schafft.

Flankiert wird die Schau (bis 11. Juni, Grimberger Feld) durch Konzerte, Tanz (Rolf Gildenast choreographierte beispielsweise einen mit reichen Bildern aufwartenden Dialog) und andere Veranstaltungen. Die Mitglieder von "Unser Fritz" (Wilfried Labus, Helmut Bettenhausen usw.) sind bemüht, die Begegnungen auf der stillgelegten Zeche auf eine beachtliche Internationalität auszurichten. HJL