WAZ 03.02.2006 / LOKALAUSGABE / HERNE

Die Welt völlig schwerelos

Rona Rangsch zeigt in der Künstlerzeche Unser Fitz mit "earthskyearth" eine beeindruckende audiovisuelle Rauminstallation. Transparente Stoffbahnen schaffen unterschiedliche Perspektiven


Man ist schon ein wenig überrascht, wenn man den Ausstellungsraum in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 zum ersten Mal betritt. Da, wo einen sonst Kunstwerke gut beleuchtet und ins rechte Licht getaucht erwarten, empfängt einen Dunkelheit. Die Dortmunder Künstlerin Rona Rangsch hat den Raum eigens für ihre Ausstellung "earthskyearth - eine audiovisuelle Installation" abdunkeln lassen. Von der Decke hängen durchsichtige Stoffbahnen, auf denen sich farbige Lichter bewegen. Rona Rangsch hat bei einem nächtlichen Flug über das Ruhrgebiet die Fotos der beleuchteten Städte gemacht. Lichtspuren der Häuser und helle Bahnen der großen Straßen sind zu einer sich langsam drehenden Kugel montiert. Die Bilder gehen in Detailaufnahmen über oder verwischen mit denen einer zweiten sich drehenden Kugel, die sich langsam ins Bild dreht. Die Festigkeit der Erde - earth - löst sie so in die Leichtigkeit des Himmels- sky - auf.

Sanfte Bewegungen der einzelnen Stoffbahnen lassen die Bilder noch flüchtiger erscheinen. Sie schaffen zugleich unterschiedliche Perspektiven und transparente räumliche Ebenen, die sich überlagern und den ganzen Raum erfüllen. Eingehüllt in ein unbestimmtes Brummen oder tiefes rhythmisches Atmen wird der Betrachter in eine ganz eigene Welt entführt. Er ist aufgefordert, zwischen den Stoffbahnen umherzugehen. So ergeben sich immer wieder neue Ansichten. Ganz in das Geschehen eingehüllt, schafft der Raum eine meditative Grundstimmung, die in ein Schwindelgefühl umschlagen kann. Rangsch ist eine beeindruckende Installation gelungen, die den Raum zu mehr nutzt als zu einem Ausstellungsraum. Sie schafft mit ihrer Installation ein einmaliges Erlebnis.
FH