WAZ 31.08.2006 / LOKALAUSGABE / HERNE

Radierungen mal ganz anders

Barbara Grosse zeigt beeindruckende Arbeiten in der Künstlerzeche Unser Fritz und vermittelt dabei auch neue Raumerfahrungen. Das besondere Augenmerk der Bochumerin gilt der Linie und der Fläche


Nach elf Jahren stellt die Bochumer Künstlerin Barbara Grosse zum zweiten Mal in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 aus. Wieder zeigt sie große raumgreifende Radierungen. Und es wird wieder deutlich, dass Künstler mit einer Jahrhunderte alten Technik auch heute noch etwas ganz Neues schaffen können.

Bei Radierungen denkt man ja meist an kleine Arbeiten, die in jedes Wohnzimmer passen. Nicht so bei Barbara Grosse. Ihre mehrteiligen Arbeiten bestehen alle aus vier bis sieben Einzelblättern, die jeweils 2,30 Meter hoch und 1,10 Meter breit sind. Und damit können sie auch mal einen ganzen Raum gestalten. Es sind zwei Themen, mit denen sich die Künstlerin seit Jahren auseinandersetzt: die Linie und die Fläche. Da gibt es auf der einen Seite dunkel strukturierte Flächen, die durch Ätzungen entstehen. Sie bilden nicht nur einen starken Kontrast zu der Leere des übrigen Papiers, sie führen auch in eine detailreiche Räumlichkeit. Auf der anderen sind es sich wiederholende, gestische Linien, die zu großen Bündeln zusammengefasst sind. Sowohl Flächen als auch Linien erstrecken sich immer über mehrere Arbeiten. Sie beschreiben aufsteigende oder sich im Zentrum treffende Bewegungen, die schon mal eine ganze Seite des Ausstellungsraumes bestimmen können.

Aber Barbara Grosses Arbeiten laden auch ein, sie einmal ganz aus der Nähe zu betrachten. Dann wird man von ihrer Größe, aber auch von ihrem Detailreichtum richtig gefangen genommen. Und man spürt den körperlichen Einsatz, mit dem Barbara Grosse ihre Linien auf die Metallplatten setzt.

Einige ihrer mehrteiligen Arbeiten hat die Bochumer Künstlerin direkt für diese Ausstellung geschaffen. "Wo kann man sonst so große mehrteilige Arbeiten zeigen", sagt sie. Barbara Grosse schafft mit ihren Arbeiten eine ganz neue Raumerfahrung. Sie gewinnt der Radierung ganz neue Seiten ab. Hier geht es nicht mehr um die Reproduktion eines Motivs, sondern um die grafischen Möglichkeiten dieser Technik.

Die Eröffnung der Ausstellung ist diesmal am Sonntag um 11.30 Uhr. Es spricht der stellvertretende Direktor des Museums Bochum, Sepp Hiekisch-Picard.
Zu sehen sind die Arbeiten von Barbara Grosse noch bis zum 24. September. Öffnungszeiten Mi, Sa 15-18 Uhr, So 11-17 Uhr.
FH