WAZ 03.12.2005 / LOKALAUSGABE / HERNE

Ringe, Böcke und Schwebebalken

Zwischen den beiden Räumen in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 herrscht ein nahezu unglaublicher Kontrast. Der Weg von der Gedankenschwere in die Leichtigkeit


Man kann sich den Kontrast zwischen den beiden Räumen in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 kaum größer vorstellen. Es ist, als ob man zwei völlig verschiedene Welten betritt. Im Ausstellungsraum hängen großflächige farbige Ölbilder, die Mehrzweckhalle ist durch eine raumgreifende Installation bestimmt. "Deutsche Turnhalle" haben die beiden Künstler B. Borgmann und Andre P. nicht nur die extra für den Raum geschaffene Installation, sondern ihre gesamte Ausstellung genannt. "Es ist wie ein Weg von der Gedankenschwere in die Leichtigkeit", kommentiert Andre P. beide Räume.

Und in der Tat nehmen sich die Ölbilder der beiden Künstler eher kritischen Themen an. Andre P. hat fotografische Vorlagen aufgegriffen, die er schichtenweise mit Farbe überzieht. Manchmal lösen sich Vorbilder in einem Meer von Farbe auf, so dass die ursprünglichen Bilder kaum mehr zu erkennen sind. Manchmal verschmelzen die Vorlagen zu einem neuen Bild.

B. Borgmann malt mit groben Pinselstrichen und oft dick aufgetragener Farbe. Ihn interessieren das Thema Geschwindigkeit und die Gleichzeitigkeit von verschiedenen technischen Vorgängen. So wird der Betrachter hier mit dem Beladen von Bombern, aber auch mit Portraitköpfen, die sich aus der Farbe schälen, konfrontiert.

Gemeinsam haben B. Borgmann und Andre P. extra für die Mehrzweckhalle eine Installation entwickelt. Auf den Kopf gestellt, schweben weiße Turngeräte unter der Decke der ehemaligen Kaue. Schwebebalken, Ringe oder Böcke werden so ihrer eigentlichen Funktion als Turngerät entkleidet und zu spielerischen Formen. Sie wirken fremd in der Umgebung. Wellenförmig strukturieren sie den Raum und laden ein, die Turngeräte aus verschiedenen Ansichten zu betrachten.
FH