WAZ 14.01.2005 / LOKALAUSGABE / HERNE

Beeindruckendes Raumerleben

Kuno Gonschior zeigt in seiner Heimatstadt abstrakte Landschaften


Geboren ist Kuno Gonschior in Wanne-Eickel. Mit der Künstlergruppe "B1" setzte er in den späten 60er Jahren in der Region neue künstlerische Akzente. Dann zog es ihn nach Berlin, wo er als Professor an der Hochschule der Künste lehrte. Jetzt kehrt er zurück und stellt in der Künstlerzeche Unser Fritz aus.

Die zehn großformatigen Bildtafeln der Reihe "Landscapes" aus dem Jahr 2003 scheinen wie für den Ausstellungsraum geschaffen zu sein. Diese abstrakten Landschaften wirken wie farbige Inseln in dem weißen fensterlosen Raum. Es sind horizontale Schichten aus pastos aufgetragener Acrylfarbe auf unbehandelter Leinwand. Mal verdichten sie sich, gehen in andere Farben über oder lösen sich zu den Rändern hin auf. Beinahe spielerisch bewegen sich die Farben über die Fläche, scheinen ausbrechen zu wollen, um sich mit den anderen Bildern zu verbinden. Erst wenn man nahe herantritt, wird die Plastizität der mit dem Messer aufgetragenen Farbe deutlich. Die einzelnen Farbgebilde wölben sich, bilden Reliefs, lassen immer wieder die Leinwand durchscheinen. Die Farbe wirkt in der Nahsicht beinahe körperlich.

"Das Bild bestimmt, wie es gemalt sein will", sagt Kuno Gonschior. Es ist ein dauerndes Ringen im Atelier, immer wieder neu zu schauen, zurückzutreten, die Bilder auf sich wirken lassen, bis der Malprozess abgeschlossen ist.

Und man meint diesen Prozess fast nachvollziehen zu können, wenn man sich den Bildern nähert und wieder entfernt, weil die Farbe zu übermächtig wird. In der Fernsicht werden diese Landschaften dann zu einem beeindruckenden Erlebnis von Raum. Wie stark Bilder und Raum hier zusammenspielen, wird deutlich, wenn man die große Halle betritt: die dort gezeigten zwei Beispiele aus der Reihe "Horizont. Berlin 1989" scheinen trotz ihrer Größe im Raum beinahe unterzugehen. Zur Eröffnung am Samstag, 15. Januar, um 17 Uhr spricht Prof. Ferdinand Ullrich, Direktor der Museen der Stadt Recklinghausen. Zu sehen sind die Bilder von Kuno Gonschior noch bis zum 13. Februar. Öffnungszeiten: Mi, Sa 15-18 Uhr, So 11-17 Uhr. FH