WAZ 21.10.2005 / LOKALAUSGABE / HERNE

Auf Umwegen zum Punkt

Edgar A. Eubel stellt in der Künstlerzeche Unser Fritz Malerei und Objekte aus. Seine vielschichtigen Arbeiten laden zum Entdecken ein


Es ist schon ein wenig schwierig, einen ersten Zugang zu den Arbeiten von Edgar A. Eubel zu finden. Da muss man schon mal einen Umweg gehen, wie der Titel der Ausstellung "Verumwegungen" schon sagt.

In der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 zeigt Eubel ab Samstag großformatige Bilder, die sich in viele kleine Details auflösen, und kleine verspielte Objekte. Das sind Werke, die nicht für einen flüchtigen Blick oder einen schnellen Konsum stehen. In den Bildern von Edgar A. Eubel werden Malerei und Zeichnung untrennbar miteinander verwoben. Immer wieder legt der Künstler verschiedene Mal- oder Zeichenschichten übereinander. Da wird mit Kohle oder Stiften gezeichnet, dann wieder mit großer Geste gemalt oder die Farbe pastos auf das Bild getragen. Diese Bilder entstehen spontan und zufällig in einem oft längeren Arbeitsprozess. Sie sind im wahren Sinne des Wortes vielschichtig, in dem sie scheinbar unendliche Tiefenstrukturen entwickeln - und ebenso viele inhaltliche Schichten aufweisen.

Diese Bilder laden zur Suche ein. Hier können immer wieder neue Formen entdeckt werden. Collagehaft mischen sich in ihnen phantastische Gestalten, Formen, die an Figürliches erinnern oder zufällig entstandene Liniengebilde. Sie sind von einer auf den ersten Blick verwirrenden Kleinteiligkeit, ohne ein wirkliches Bildzentrum zu haben. Doch dann tauchen in dem scheinbaren Chaos auch ordnende Elemente auf, die einen Weg zum Bild weisen. Auch in seinen Objekten mischen sich phantastische mit ganz alltägliche Formen und Materialien. Die Objekte sind für Edgar A. Eubel ein völlig selbstständiger Arbeitsbereich, der sich in der Vergangenheit aus der Malerei entwickelt hat. Seine Objekte entstehen aus Pappmaché und Materialien, die er zufällig im Atelier findet. Eine ganze Reihe nennt er "Fenster-Bank-Steher", weil sie einfach eine ganze Zeit im Atelier herumstanden, bis sich Materialien fanden, mit denen er weiter an ihnen arbeiten konnte. Es braucht Zeit, sich mit den Arbeiten anzufreunden. Doch dann eröffnet sich einem eine wunderbare Welt der Phantasie und der gestalterischen Möglichkeiten. Diese Werke laden zu Assoziationen ein und zum Entdecken seiner eigenen Geschichten in ihnen. "Manchmal begibt man sich auf Umwege, um auf den Punkt zu kommen," sagt Edgar A. Eubel. Und dann weiß man nicht, ob er den Waldläufer meint, den Künstler oder den Betrachter.
FH