Die erdgeschichtliche Epoche der Eisenzeit löste seit dem Ende des 2. Jahrhundert vor Christus die Bronzezeit ab. Eine ähnliche Entwicklung fand in der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts statt, als Bildhauer sich mehr und mehr den Materialien Eisen und Stahl widmeten. Dies geschah, weil sie Bronze einerseits als charakterloses Material bewerteten, das bisweilen zu beliebiger Reproduktion von Formungen aus Gips oder Ton mißbraucht worden sei. Andererseits führt der Bronzeguß immer zu naturnahen, organisch anmutenden Formungen. Beim streng Konstruktiven oder Konstruktivistischem stößt das Material auf seine Grenze, hinter der es nicht mehr angemessenes Mittel der Gestaltung ist, weil sich seine speziellen Möglichkeiten nicht mehr zu entfalten vermögen. Eisen und Stahl bieten sich hier geradezu an, da Formen aus Eisen gegossen, Werke durch das Schmieden aus dem Eisen entwickelt, Arbeiten durch Schweißen aus Einzelteilen komponiert und konstruiert werden können. Die jeweilige Behandlung durch Wachsen, Brennen oder Oxydation verleiht den Eisen- oder Stahlplastiken eine jeweils individuelle Oberfläche, die entweder in mannigfachen stahlblauen Farbschattierungen glänzend oder in verschiedenen rostroten Tönen matt erscheint. Individuell werden die Formungen, da Eisen und Stahl handwerklich, etwa durch das Schmieden, zu eigener Form gebracht wird. Die industriell hergestellten Drähte, Bänder, Platten und Brammen können durch Schneiden, Fräsen oder Biegen nach den Vorstellungen des Künstlers geformt oder aber auch vorfabrizierte, standardisierte Materialien miteinander kombiniert und konstelliert werden.

Die Ausstellung FERRUM+ konzentriert sich auf Eisen- und Stahlskulpturen, die das Material künstlerischer Formung nicht bemalt, verzinkt, poliert oder veredelt vor Augen führen, sondern in seiner Urform. Möglichst pur soll es sein. Doch auch Kombinationen mit anderen Materialien, etwa mit Holz, werden vorgestellt. Das Augenmerk wird auf Eisen und Stahl und die jeweilige Gestaltung durch die zwölf an der Ausstellung beteiligten zeitgenössischen deutschen Künstler gelenkt, die Formen durch Gießen, Schmieden, Biegen, Schweißen schaffen, den Blick auf das Material und die jeweils individuelle Formung lenken, die mit Schwere und Dichte von Eisen und Stahl umgehen, diese Eigenschaften akzentuieren, aber auch sublimieren können.

An FERRUM+ nehmen mit Hans Joachim Albrecht, Franz Bernhard, Hartmut Böhm, Diethelm Koch, Horst Linn, Jan Meyer-Rogge, Wolfgang Nestler, Ekkehard Neumann, Ansgar Nierhoff, Ingo Ronkholz, Robert Schad und Peter Schwickerath national und international renommierte Bildhauer teil. Bewußt findet die Ausstellung in einem ehemaligen Bergwerk statt, haben Eisen, Stahl und auch Kohle doch das Ruhrgebiet geprägt, bis die globale wirtschaftliche Entwicklung Zechenschließungen und den Niedergang der Eisen- und Stahlindustrie forderte. Ein Strukturwandel mußte eingeleitet werden, der dazu führte, daß die Zeche Unser Fritz 2/3 nun Ateliergebäude und Ausstellungshaus für bildende Kunst ist. Mit dieser Ausstellung werden Eisen- und Stahlplastiken höchster Qualität an einer ehemaligen Stätte der Montanindustrie und der Stahlindustrie des Ruhrgebietes gezeigt.

Die von der Kunststiftung NRW großzügig geförderte Ausstellung ist vom 12. September bis 14. November 2004 in der Zeche Unser Fritz 2/3, Alleestraße 50 / Grimberger Feld, 44653 Herne zu sehen. Erreichbar über A 42, Ausfahrt Herne-Wanne, links auf Recklinghäuser Straße, dann links ab auf die Dorstener Straße in Richtung Gelsenkirchen, von dort aus ist der Weg ausgeschildert. Öffnungszeiten: Mi 17-20 Uhr, Sa 15-20 Uhr, So 11-14 Uhr. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog.